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Kultur Nathaniel Rateliff – Scheiden bringt Soul
Nachrichten Kultur Nathaniel Rateliff – Scheiden bringt Soul
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22:27 11.03.2018
Eine der besten R’n’B-Formationen Amerikas: Nathaniel Rateliff (vorne) und seine Night Sweats bitten zum Tanz. Quelle: Foto: Gutierrez
New York

Er will mit ihr tanzen, aber er kann sie nicht finden. Er kennt alle Arten, sagt er, sich wie ein Idiot zu benehmen. Er sagt auch, dass sei ihm zu lang, wenn sie sich „für immer“ wünscht. Und behauptet, er habe den Weg verloren aber werde es schon nach Hause schaffen. Vier Songs mit dem Mann als Solotänzer der Zweisamkeit. Er hat wie so oft alles falsch und einen Narren aus sich gemacht.

Lieder zum Heulen um Mitternacht

Auf Nathaniel Rateliffs neuem Album „Tearing at the Seams“ (an den Nähten reißen) findet sich diese Art von Liedern, in denen der Sänger die Liebste als „baby“ anredet und bedauert, bereut und die Mitternacht anheult. Die Beziehungskiste ist Kleinholz, in den Splittern sitzend erkennt man, wie gut alles früher mal war. Der 39-Jährige hat den Blues, und seine Band The Night Sweats liefert dazu schubbernden Soul wie er war, als er noch R’n’B hieß und Leute wie Sam & Dave oder Sam Cooke ihn machten.

Nathaniel Rateliff aus Hermann, einem Nest in Missouri, begann als Kind mit dem Schlagzeug. Das war nichts Ernstes, nicht die Vision der großen Musikerkarriere mit dem ersten Schlag der Drumsticks auf die Snare. Als Teenager verlegte er sich auf die Gitarre. Mit der Bluesband Born in the Flood und deren Nachfolgerin The Wheel und später im Alleingang erkundete Rateliff zunächst die musikalischen Welten von Muddy Waters und der Allman Brothers, dann die Felder der Americana. Sein erstes Solowerk „In Memory of Loss“ war dann mehr oder weniger ein Heiratsantrag in Folk an Jules Bethea, seine Liebste, dem zwar nicht der Durchbruch bei den Massen, aber immerhin eine Hochzeit folgte.

Dringlichkeit und Wärme in den Folksongs

Und die Aufmerksamkeit der Fachwelt. Rateliffs merkwürdige Texte, sein schüchterner Habitus, versunkener Gesang, das leise Vibrieren in den leisen Songs waren für die Kritik in den Jahren des Folkrevivals das Ding der Stunde. Was kurz zuvor noch spröde war, galt jetzt als atmosphärisch, im Schrulligen fand der Hörer Dringlichkeit und Wärme.

Wenn der Mann, der mit seinem Trapperbart wirkte wie ein Holzfäller in einem Lumberjack-Camp zur vorletzten Jahrhundertwende, im Song „Shrout“ davon sang, er sehe mehr wie seine Mutter aus, verstand man, was er meinte statt leise über das mögliche Aussehen von Mama Rateliff zu gnickern. Der Mann hatte was, wie auch seine Mitbewerber Bon Iver, Sam Beam (alias Iron & Wine), Amos Lee oder die Fleet Foxes. Diese Musik war eben viel anrührender als aller Polyäthylenpop, der so durchs Radio schwappte.

Das neue Album klingt wie eine Kollektion längst vertrauter Lieder

Seit 2013 hat sich Nathaniel Rateliff auf Soul verlegt, auf die Musik der Schallplatten, die sein Vater zurückließ, als er bei einem Verkehrsunfall starb - Rateliff war da gerade 13 Jahre alt. Es war für ihn die Chance, „Musik zu machen, die viele Leute bewegt.“ Seine Stimme hat inzwischen deutlich an Kraft zugelegt, auch beherrscht er die Bühne jetzt, statt von ihr erdrückt zu werden.

Die Musik auf dem zweiten Album des lässigen Soul-Oktetts Night Sweats klingt dabei wie eine Kollektion längst vertrauter Lieder. Ein deftiger Sound, schmurgelnde Hammond- und Wurlitzerorgeln, Trompete, Flügelhorn, Klarinette und diverse Saxofone machen die zwölf Stücke von „Tearing at the Seams“ saftig. Auch wenn die Geschichten allesamt traurig sind.

Traurig wie die Sessions. Da gab es immer wieder Tränen beim Einsingen, da übernachtete Rateliff immer öfter bei seinem Schlagzeuger Pat Meese. „Ich lasse mich scheiden“, verriet er jetzt dem Billboard Magazine, „Ich liebe meine Frau, aber wir hatten eine tumultartige Beziehung.“ Er wünsche sich im Nachhinein, dass er einige Dinge anders gemacht hätte. Das alte Lied.

Die Populärmusik zog stets die größte Kraft aus dem Schmerz

„Tearing at the Seams“ ist also seine Trennungsplatte voller Seufzer. Tanzbarer Seufzer. Im Schmerz lag in der Populärmusik schon immer mehr Kraft als im Glück. Vielleicht zieht jetzt die seine große Zeit des Nathaniel Rateliff herauf.

Album: Nathaniel Rateliff & The Night Sweats: „Tearing at the Seams“ (Caroline International, erscheint am 9. März); Livetermine: 21. März: München- Muffathalle; 24. März: Köln – E-Werk; 25. März: Frankfurt – Batschkapp; 27. März: Berlin – Astra Kulturhaus; 3. April: Hamburg – Große Freiheit 36

Von Matthias Halbig

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