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Alexander Jakimenko stellt in Neuruppin aus

Die Schönheit der Motte Alexander Jakimenko stellt in Neuruppin aus

Dringt die Stadt in die Landschaft ein? Erobert sich die Natur ihr Terrain zurück? Beides. Der Kölner Künstler Alexander Jakimenko beschäftigt sich in seinem Werk in vielfältigsten Techniken mit diesen Fragen. Noch bis zum 12. April ist seine Ausstellung „Stadt-Land-Motte“ in der Galerie Kunstraum in Neuruppin zu sehen. Mit teilweise recht ungewöhnlichen Materialien.

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Johannes Bunk und Alexander Jakimenko (v. r.) eröffnen die Ausstellung.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Der Wald wirkt unberührt. Das Laub am Boden ist – wie bei den Impressionisten – zart in rosa getupft, blassgrün das Moos am Baumstamm. Der Wald strahlt Ruhe aus – wäre da nicht der Mann im grauen Anzug – halb hinter einem Stamm verborgen – der seinen Aktenkoffer fest umklammert hält. Die Gier in seinem Blick kann man hinter der dunklen Sonnenbrille nur erahnen. „Er passt eigentlich nicht ins Bild“, erklärt der Künstler Alexander Jakimenko sein Triptychon „Im Walde“ – gemalt ist es auf drei Bambusrollen, deren Struktur den Wald noch gewachsener erscheinen lässt. Die Idee dahinter: „Alles ist käuflich“ – der Geschäftsmann taxiert den Wald nur auf seine kommerzielle Nutzung hin. Für den Kölner Künstler, der 2001 aus der Ukraine nach Deutschland kam, sind die Grenzen zwischen Natur und urbanem Leben ohnehin verschwommen. „Die Stadt zersetzt die Natur, sie durchdringt sie“, erklärt er. Auch im Bild „Volksgarten auf Financial Times“, wo grün-türkise Gartenlandschaften als zerfetzte Fragmente auf eine Zeitungsseite gemalt sind. Die Frage stellt sich automatisch: Dringt hier der Mensch in die Landschaft ein oder erobert sich die Natur gerade ihr Terrain zurück? Jakimenko liebt es metaphorisch. Das wird schon im Titel der Ausstellung „Stadt-Land-Motte“ deutlich, zu deren Eröffnung am Sonntag 40 Interessierte in die Neuruppiner Galerie Kunstraum gekommen sind.

Alexander Jakimenko vor dem Werk „Turris“ – lateinisch für Türme

Alexander Jakimenko vor dem Werk „Turris“ – lateinisch für Türme.

Quelle: Buddeke

Der Titel steht indes für drei verschiedene Zyklen, die Jakimenko gemeinsam mit Galerist Johannes Bunk herausgesucht hat. Nur neun Bilder sind es – Bunk nennt es: Kleine Zahl, hohe Qualität. Auch wenn es gefährlich sei, so etwas zu sagen: „Er ist einer der besten Maler, die ich kenne“, so der Galerist, der Jakimenkos Werdegang schon seit dessen Studentenzeit in Köln erlebt hat. Und dessen Ringen um die Themen Natur und Mensch. Etwa die Motte – der dritte Zyklus der Ausstellung. Auch diese ist Metapher – aus feinem Faden gesponnen, denn die beiden Insekten, die an den Wänden hängen, sind handgewebt. Die Flügel zeigen den Kölner Dom – auch hier hat der Kölner die Stadt in die Natur verwoben. „Spiegelbildlich“, erklärt er und verweist gleichzeitig darauf, dass das Spiegelbild auf dem zweiten Flügel doch ein wenig anders ist als ihr Gegenstück – denn auch das Bild einer Stadt wandelt sich stetig. Auch das ist symbolhaft. „Das Diesseits und das Jenseits“, beschreibt Jakimenko die „Kunstmotte, die es so in der Realität nicht gibt.“ Wohl aber die Symbolik des Falters als unsterbliche Seele. Schon der Fakt, dass eine Motte erst Raupe, später Larve und Puppe ist. „Sie baut sich ihr eigenes Grab, stirbt und wacht als vollkommen – und vollkommenes – anderes Wesen wieder auf.“ Zwischen den Flügeln steht dunkel der Tod – als Übergang von der einen in die andere Welt. Zwei, drei Wochen arbeitet der Künstler an solch einer Motte. „Malen geht schneller“, sagt er. „Muss ja auch, weil Acryl schneller trocknet.“ Textil habe oft den Ruf des Kunsthandwerks – indes: „Es ist Sache des Künstlers, jedes Material zu Kunst zu machen“, sagt Jakimenko, der sich hocherfreut zeigt ob des Interesses an seiner Ausstellung, die noch bis zum 12. April zu sehen ist. „Ich bin überrascht und erfreut über den kulturellen Hunger Neuruppins.“

Von Regine Buddeke

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