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Alexijewitsch empfindet Nobelpreis als Verpflichtung

Literatur Alexijewitsch empfindet Nobelpreis als Verpflichtung

Viele haben die Vergabe des Literaturnobelpreises an die weißrussische Journalistin Swetlana Alexijewitsch als wichtiges politisches Signal begrüßt. Sie selbst sieht sich wegen der Ehrung in einer besonderen Pflicht.

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Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch wurde am 08. Oktober 2015 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Quelle: Kay Nietfeld

Berlin. Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch empfindet ihren Literaturnobelpreis als Verpflichtung zum weiteren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte.

"Ich habe das Gefühl, eine Verantwortung zu tragen", sagte sie am Samstag bei einem Auftritt in der Bundespressekonferenz in Berlin. "Enttäuscht oder erschöpft sein geht nicht mehr."

Alexijewitsch nannte es ihr Anliegen, Romane aus den wahren Geschichten von Menschen zu schreiben. "Es ist der Versuch, die Zeit zu erfassen, sie festzuhalten, etwas aus dem Chaos herauszuholen, in dem wir leben." Sie mache mit ihren Interviews aber keine journalistische Arbeit. "Ich sammle das Material wie ein Journalist, aber ich arbeite damit als Literatin."

Die Feuilleton-Chefin der "Zeit", Iris Radisch, kritisierte dagegen, man dürfe Journalismus nicht mit Literatur verwechseln. "Literatur muss etwas Schöpferisches haben. Sie muss "fiction", eine eigene Erfindung sein, sie muss eine besondere Sprachqualität haben, und sie muss - das ist ganz wichtig - eine eigene imaginative und weltverwandelnde Kraft haben", sagte Radisch der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist bei Swetlana Alexijewitsch nicht der Fall."

Alexijewitsch berichtete, sie dürfe ihre Bücher nach wie vor nicht in ihrem Heimatland veröffentlichen. Sie erschienen aber in Russland und kämen so auch nach Belarus. "Eine Zeitlang gab es sie nur unter dem Ladentisch, aber jetzt kann man sie oft auch so bekommen. Und die Menschen lesen sie auch."

Die Autorin hatte wegen der schwierigen Bedingungen in ihrer Heimat zehn Jahre lang im Ausland gelebt, unter anderem in Deutschland. Das habe ihren Blick geweitet, sagte sie. "Aber ich habe auch begriffen, dass man Demokratie nicht einfach einführen kann wie Schweizer Schokolade." Der Prozess brauche gerade in einem lange diktatorisch regierten Land sehr viel Zeit.

Die 67-Jährige erzählte, Weißrusslands umstrittener Präsident Alexander Lukaschenko habe ihr am Donnerstag einige Stunden nach der Verkündung in Stockholm persönlich gratuliert. "Das war ein bisschen komisch." Der russische Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dimitri Medwedew hätten sich dagegen nicht gemeldet. "Ich hatte gesagt, dass sie die Ukraine besetzt haben, dass es eine Okkupation war, und da war die Liebe von Putin und Medwedew natürlich hin", erklärte Alexijewitsch.

dpa

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