Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Alfons Zitterbacke: Helmut Roßmann über seine Rolle in dem Defa-Klassiker
Nachrichten Kultur Alfons Zitterbacke: Helmut Roßmann über seine Rolle in dem Defa-Klassiker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:24 08.04.2019
Helmut Roßmann, der Alfons Zitterbacke in dem Defa-Spielfilm spielte mit der Neubesetzung Timann Döbler Quelle: Alfons Zitterbacke X-Verleih AG, Edith Held
Potsdam

Helmut Roßmann, 1954 in Gotha geboren, aufgewachsen in Werder, stand 1965 mehrere Monate für seine Rolle als Alfons Zitterbacke vor der Kamera. Die Konrad-Petzold-Verfilmung lockte bis zum Ende der DDR mehr als zwei Millionen Menschen in die Kinos. Am 11. April kommt die Neuverfilmung in die Kinos, in der der einstige Defa-Kinderstar einen Gastauftritt als Würstchenverkäufer hat.

Herr Roßmann, Sie spielten in der Defa-Verfilmung Alfons Zitterbacke den Titelheld. Wie wurden Sie für die Rolle entdeckt?

Helmut Roßmann: Die Defa zog 1965 durch die Schulen und kam auch an die Polytechnische Oberschule 2 in Werder, in die ich damals ging. Sie suchten einen Jungen, dem eine Igelfrisur stand. Ich gehörte schließlich zu den 100 Alfonsen, die zu den ersten Aufnahmen in die Babelsberger Studios eingeladen wurden. Die zweite Runde erreichten dann noch etwa ein Dutzend Jungs. Es wurden Sprechproben gemacht und verschiedene Pärchen mit Mädchen ausprobiert. Zwei Wochen später brachte ein Motorradbote das Telegramm von der Defa mit der Zusage.

Kannten Sie das Buch schon vorher?

Ja, das kannte doch fast jeder. Ich hatte beide Bände zu Hause.

Hatten die Dreharbeiten Auswirkungen auf die Schule?

Wir haben vom 5. Mai an bis in den September gedreht, ich wurde täglich mit dem Taxi abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht. Drei bis vier Monate ging ich nicht in die Schule. Meine Eltern hatten natürlich Bammel, dass meine Leistungen nachlassen könnten und haben vorsorglich eine Klausel in den Vertrag mit der Defa hineinschreiben lassen: Ich kriege einen Privatlehrer für den Fall, dass meine Noten abfallen.

Und ist der Fall eingetreten?

Nein! Ich war ein guter Schüler. Ich musste nur ein bisschen nachholen im September. Im Juni wurde ja sowieso nur der Stoff wiederholt. Die Monate des Drehens waren ein großer Gewinn für mich. Durch den Kontakt mit den vielen Menschen am Set habe ich als kleiner Kerl so einen Entwicklungssprung gemacht, vor allem sprachlich. Am Ende war ich ja prominent und die Lehrer haben mich wohlwollend betrachtet. Aber ich bin normal geblieben und wollte sowieso kein Schauspieler werden.

Warum nicht?

Ich konnte Schauspielerei nicht als Beruf ansehen. Arbeit war für mich mit Anstrengung verbunden. Beim Film dagegen sitzen sie immer nur herum und warten auf die Sonne – so mein Eindruck. Und dann wird gespielt. Der Regisseur Konrad Petzold zeigte sich über meine Wertung zwar etwas entrüstet, war aber doch eher amüsiert. Später habe auch ich das natürlich anders gesehen.

Haben Sie denn für Ihre Arbeit etwas verdient?

Nein, in der DDR gab es doch keine Kinderarbeit! Die einzige Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu bezahlen, war das Lehrlingsentgeld. 30 Mark am Tag habe ich bekommen. Da ist schon eine stattliche Summe zusammengekommen. Meine Eltern haben genau Buch darüber geführt. Die Kleidung, die ich extra für die Kuno-Premiere brauchte, haben wir davon bezahlt. Am Ende ist für mich aber noch ein Diamant-Sportrad rausgesprungen, mit Dreigang-Renak-Schaltung und Alu Felgen.

Welche Folgen hatte der Filmruhm?

Natürlich gab es einigen Rummel nach dem Film, auch Neid, aber alles hielt sich in Grenzen. Es gab ja keinen, der Interesse an einem „Starkult“ gehabt hätte. Die Defa setzte Kinderdarsteller generell nur einmal in einer Hauptrolle ein, um negative Persönlichkeitsentwicklungen zu vermeiden. Auch ich hielt von mir aus schon den Ball flach, wollte ja meine Freunde behalten. Karnevalsprinz wurde ich nach dem Dreh auch mal in Werder, beim Kinderfasching freilich. Das war aber nicht aus eigenem Antrieb, bin eher überredet worden.

Heute sind Sie Doktor der Physik. Hatten Sie bereits als Kind einen Hang zu Naturwissenschaften? Wollten Sie wie Alfons Kosmonaut werden?

Nein, Kosmonaut wollte ich nicht werden. Aber ich war wie der Alfons auch ein Träumer. Ich habe im Garten meiner Eltern mit allem, was brennt, experimentiert – wozu gab es schließlich den „Kleinen Chemiebaukasten“! Ich habe auch eine Raketen-Abschussrampe gebaut, zur Sicherheit hatte ich aber einen Gartenwasserschlauch dabei. Da war ich etwas pragmatischer als der Alfons. Mathematik fiel mir leicht, bei Wettrechnen in der Schule lag ich immer vorne. Später war es dann mehr die Physik, die mir Spaß machte.

Sie waren ein überdurchschnittlich begabter Junge?

Ja, objektiv betrachtet, wohl schon. Aber ich habe mich nie so gefühlt. Der eine kann dies, der andere jenes. Bis zur achten Klasse war ich in Werder auf der POS 2, dann ging es für zwei Jahre in eine Vorbereitungsklasse auf die Erweiterte Oberschule in Potsdam. Mit 16 war ich von zu Hause weg, zog in ein Studentenwohnheim und besuchte mit 16 anderen Schülern eine Spezialklasse für Mathe und Physik an der Humboldt-Universität. Für DDR-Verhältnisse war das schon ziemlich elitär.

Was ist übrig geblieben von Alfons Zitterbacke?

Zunächst einmal der Name: Bis heute nennen mich privat alle nur Alfi. Meine Mutter müsste noch irgendwo den gestreiften Pullover haben. Außerdem gibt es noch sehr viele Fotos, das Drehbuch und auch eine Dispo, der Zeitplan über den nächsten Drehtag.

Gefällt Ihnen der neue Film?

Ja! Die neue Fassung ist super gelungen, mit tollen Schauspielern. Sie ist kein einfaches Remake, sondern eine schöne Übertragung der Zitterbacke-Story in die Gegenwart. Alle werden sich amüsieren, vor allem jene, die den Defa-Film kennen. Ich habe sofort einen Gastauftritt zugesagt. Würstchenverkäufer war noch frei. An dem Drehtag war es sehr heiß, zudem war der Grill angeheizt und es waren fast 70° Grad am Tresen. Harte Arbeit also!

Interview: Claudia Palma

Von Claudia Palma

Die Young Voices Brandenburg, der exquisite Pop- und Jazzchor des Landes, kritisieren die Führung der Musik- und Kunstschulen scharf – sie möchten den Verband verlassen.

08.04.2019

Dass Will Smith in der Fortsetzung von „Suicide Squad“ nicht dabei ist, war bekannt. Jetzt soll aber die ursprünglich von ihm verkörperte Rolle des Bösewichts Deadshot komplett gestrichen werden – obwohl bereits ein Ersatz für Smith gefunden war.

07.04.2019

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane läuft MAZ-Autor Lars Grote die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nach. In Teil 2 geht es in die Geburtsstadt des märkischen Dichters.

06.04.2019