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Alles bleibt im Fluss

MAZ-Konzerttipp Alles bleibt im Fluss

In Rumänien gibt es die Moravica. Ebenso lebendig wie diesen Fluss muss man sich die Musik der Klezmeyers aus Berlin vorstellen. Der Name des Trios deutet schon an, womit man rechnen darf – Klezmer. Doch neben jiddisch geprägter Musik reisen Franziska Orso, David Hagen und Robert Kessler eigentlich in die weite Welt hinaus.

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Beweglich und bewandert in den Genres: die Klezmeyers.

Quelle: Marie Jacob

Potsdam. Lang ist’s her und beinahe nicht mehr wahr. Da hörte man die Klarinette, die Franziska Orso für die Fernseh-Verfilmung des Strittmatter-Romans „Der Laden“ blies. Vor fast 20 Jahren war die Musikerin schwer angeschlagen. Im Sinne von schwer beeindruckt – von ihren Treffen mit Klezmer-Größe Giora Feidmann, mit der Band Kol Simcha oder Harry’s Freilach. Bei Feidman besuchte sie eine Workshop. Von dort war es dann nur ein klitzekleines Stück bis zur Geburt der Klezmeyers.

Fortan wollte Franziska mit Gefährten ihre Vorstellungen verwirklichen. In David Hagen, der den Doppel-Bass bedient, sich früh in Rock und Funk austobte und ein gefragte Jazzer ist, und Robert Kessler, der bei Kurt Rosenwinkel Jazz-Gitarre studierte und zudem eine eigene Band betreibt, hat die Klarinettistin sensible Mitstreiter gefunden.

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Noch mehr Klarinetten, Saxofone und Blech , auf dem geblasen wird, was das Zeug hält. Dafür stehen Daniel Kahn & The Painted Bird. Kahn in Chicago geboren und vor einiger Zeit nach Berlin gezogen, hat den Punk im Blut. Dafür sorgt sein Herz. Das schlägt links. Da muss man sich nicht wundern, dass die Truppe so durch die Gegend fegt. Mit Klezmer, Tom Waits berühmtem Röcheln in der Stimme, Jazz – von dem es nicht weit zu Kurt Weill ist – und mit folkigeren Stücken. Vital, bissig und vielschichtig. Zudem immanent politisch, nachdenklich und anregend. Daniel und Band stellen ihre neueste Platte am Freitag, dem 10. November, erstmals der Öffentlichkeit vor – um 22 Uhr im Maxim Gorki Theater in Berlin-Mitte.

Daniel Kahn & The Painted Bird: The Butcher’s Share. Oriente Musik/Fenn Music Service.

Tucson also: Wieder mal und doch anders. Howie Gelb oder seine Giant Sand, Calexico und Green On Red oder Rich Hopkins sind so die Hausnummern, die in diesen Breitengraden längst bekannt sind. Doch da ist noch mehr. Viel mehr. Das Orkesta Mendoza zum Beispiel. Dessen Chef, Sergio Mendoza, wuchs im geteilten Nogales auf, der Grenzstadt. Arizona hier, Mexiko dort. Für ein liebenswert wüstes Durcheinander der Stile sorgt nun seine Band. Sixties-Rock, Elektro, Pop, Cumbia, Tex-Mex. Ein Wagnis. Noch was vergessen? Bestimmt. Aber das Orkesta spielt ja am Montag, dem 13. November, um 22 Uhr im Quasimodo Berlin-Charlottenburg.

Orkesta Mendoza: Vamos A Guarachar. Glitterbeat/Indigo.

Die Klezmeyers sind derweil bei ihrer fünften Platte angekommen. Jeder der drei steuerte Kompositionen für das jüngste Album „Moravica“ bei. Der Name stammt von einem Flüsschen in Rumänien, mit dem viele Erinnerungen verknüpft ist. Man kann ihn aber auch als Ausgangspunkt einer Reise in die Welt und in die eigenen Gedanken und Gefühle nehmen. Musik, die nie still steht. Wie ein Fluss eben sprudelt, von der Quelle an wächst, sich kraftvoll durch schwieriges Terrain windet, sich verzweigt, dann aber erhaben, weit und spiegelnd vor einem liegt oder plötzlich anschwillt und gelegentlich über seine Ränder tritt.

Neben dem fröhlichen, bebenden, hüpfenden und mitunter betrübten, doch immer gefühlvollen Klezmer, der tief wurzelnden Volksmusik der Juden, greift das Trio weitere Elemente auf. Sein Blick schweift umher. Geht nach Lateinamerika oder nach Andalusien, reicht in die weite Steppe Russlands oder bis zum Blues aus dem Mississippi-Delta. Alles bleibt im Fluss.

Das Konzert: Die Klezmeyers spielen am Sonnabend, dem 11. November, um 20 Uhr im Artist Homes in Berlin-Schmargendorf.

Von Ralf Thürsam

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