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Rapper und Feingeist – in einer Person

Alligatoah veröffentlicht neues Album Rapper und Feingeist – in einer Person

Als Rapper nennt Lukas Strobel sich Alligatoah, vor zwei Jahren kletterte sein Album auf Platz 1 der deutschen Charts. An diesem Freitag erscheint die neue Platte „Musik ist keine Lösung“. Mittlerweile hat sich der Musiker, der den Rapper nur als Rolle spielt und Hannes Wader verehrt, ein Haus bei Potsdam gekauft. Denn er braucht Rückzug.

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So sieht ein Rapper aus der ersten Liga aus? Ja, Lukas Strobel alias Alligatoah ist ein Feingeist, der auch anders kann.

Quelle: Bastian Harting

Potsdam. Lukas ist jetzt ein Star, er muss sich noch daran gewöhnen. Man sucht in ihm den Rapper mit den grellen Gesten, man klopft die Sätze ab auf eine Spur von Schweinereien – doch dann sitzt er gut erzogen zwischen Hustenbonbons, Weintrauben und Erdnüssen in einem kleinen Hinterhofbüro, Berlin-Kreuzberg. Der Tee ruht in der Kanne und die Sonne macht jetzt draußen Feierabend. Die Augen klug, die Stimme sanft, vermutlich kann man mit ihm auch ergiebig über Nietzsche reden.

Sein Album „Triebwerke“ stieg im August 2013 auf Platz eins der deutschen Charts, die neue Platte „Musik ist keine Lösung“ kommt an diesem Freitag in die Läden. Die Interviewliste ist lang, jeder will ihn sprechen, die Frauen mit dem Mädchenlachen und den weißen Aufnahmegeräten, auch die Heimatzeitung, die jetzt wissen will, was aus dem Jungen wurde, der in einem Dorf bei Bremerhaven aufgewachsen ist.

Alligatoah lebt gerne in Neukölln und auf dem Land

Er nennt sich Alligatoah, im Grunde ist das eine Band, die er 2006 gegründet hat – und doch betreibt er sie alleine. Strobel teilt sich offiziell in zwei Personen: In den Texter und Rapper Kaliba 69, dann in den Beatproduzenten DJ Deagle. Unterm Strich sind diese beiden Typen mit den lustig aufgepumpten Hip-Hop-Namen aber eben nur der eine: Lukas Strobel, 26 Jahre, der jetzt Acht geben muss, was er erzählt. Zum Beispiel, wo er seit einem guten Jahr im Brandenburger Land lebt, wenn er nicht in Neukölln wohnt, seiner anderen Wahlheimat. Der Manager sagt: „Keinen Wohnort nennen! Lukas hat leidenschaftliche Fans, es gibt genügend Fälle, in denen mussten Rockstars umziehen, als sie entdeckt wurden.“ Nach langem Hin und Her die Sprachregelung: Er wohnt südlich von Potsdam. Hübsch ist es da.

Ironische Gewaltszenarien

Alligatoah heißt bürgerlich Lukas Strobel und wurde am 28. September 1989 in Langen bei Bremerhaven geboren. Er ist ein Hip-Hopper, der seine Rolle als Alligatoah aufteilt in die Figuren des Rappers Kaliba 69 und des Texters DJ Deagle. Hinter beiden fiktiven Figuren steckt Strobel selbst.

Als „Schauspielrapper“ bezeichnet sich Strobel. Seine Stücke beschäftigen sich nicht mit seinem Privatleben. Statt andere direkt zu beleidigen, wie es im Battlerap meist üblich ist, schlüpft er oft in die Rollen von Figuren und kritisiert satirisch und mit erkennbar ironischen, übertriebenen Gewaltszenarien und aggressivem Auftreten deren kleingeistige Welt.

Vier Alben hat Alligatoah seit 2006 veröffentlicht, das vierte erscheint an diesem Freitag: Musik ist keine Lösung. Trailerpark/Groove Attack.

Dort steht auch sein Studio, im Umland hat er Geräusche aufgenommen für das neue Album, das Rascheln von Bäumen und das Klirren von Steinen. Außerdem hat Lukas Akkordeon gespielt, er hat es von einer Bekannten, die es selbst von einer Bekannten hat, deren Oma in den 30ern damit ihr Geld verdiente. „So immerhin geht die Legende“, sagt er, und lächelt. Er mag es, wenn Dinge eine Geschichte haben. Und wenn sie keine haben, sollen sie sich bitte eine ausdenken. Er selber ist ja auch so ein Erzähler, ein Dichter, fast ein Barde, was man in Rechnung stellt, dass er Hannes Wader verehrt: „Mein Verhältnis zu seinen Platten ist intensiver denn je. Ich habe ihn als Kind gehört und nun wiederentdeckt und gecovert.“

Der Rapper dreht seine Videos selber

Wie kommt man mit der Prägung eines wachen Geistes ausgerechnet auf den Rap? „Wo ich herkam, hat man Rap verachtet, er stand für Dummheit. Trotzdem habe ich mal reingehört und war beeindruckt von der dichten Sprache und den Bildern, die man damit erzeugen kann.“ Er schlüpft nur in die Rolle des Rappers, „denn ich war immer vom Theater begeistert.“ Lukas dreht seine Videos selber, sie sind eine eigene Kunstform, schon während der Schulzeit produzierte er Kurzfilme und gewann auf einem Festival 750 Euro.

Sein Clip zur Single „Willst du“ wurde auf Youtube knapp 35 Millionen Mal geklickt. Die Bilder wirken wie die Persiflage auf jene Rappervideos von all den Sidos, Cros, Bushidos. Ein junges Paar, er fragt sie: Willst du mit mir Drogen nehmen? Und so gehen sie zusammen den Bach runter. Die Frau liegt bekifft im Getreidefeld, sie schluckt Pillen und trifft mit ihrem Lippenstift nicht mehr den Mund, sondern malt sich wirr die Wangen rot. Das Lied ist reine Ironie, gesanglich und raptechnisch aber ist Lukas Strobel alias Alligatoah seriös und erste Liga.

Doch diese Attitüde des harten Jungen möchte er nicht permanent bedienen. „Als Kind lebte ich auf dem Dorf und habe mich gerne in die Natur zurückgezogen“, sagt Lukas. Nun hat er seinen Zufluchtsort südlich von Potsdam gefunden: „Denn für ein Rockstarleben bin ich nicht gemacht.“

Von Lars Grote

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