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11:39 16.10.2017
Die Klangmagier von Wardruna entführen in eine versunkene Ära. Quelle: Espen Winther
Potsdam

Diese Musik ist so weit entfernt von der Erfindung der Hörnerhelme durch Richard Wagner für die Oper wie der grüne Hügel von Bayreuth vom Langhaus auf der Lofoten-Insel Vestvagoy, dem einstigen Sitz eines Häuptlings. Und sie steigt tiefer, viel tiefer hinab in die Geschichte der Nordmänner. In eine nebelverhangene, graue, mystische Vorzeit von der die Runen raunen.

Das zumindest finden die Norweger des Musikerkreises Wardruna. Erst im vergangenen Jahr haben sie eine Trilogie mit dem Album „Runaljod – Ragnarok“ abgeschlossen. Ein Werk, bei dem es dem Multi-Instrumentalisten, Songschreiber und Kopf des Projektes Einar Selvik seit 2009 darum ging, eine Geschichte für jedes der 24 vorhandenen Schriftzeichen zu erzählen. Es wurde eine im Wortsinn zauberhafte, bisweilen tief ins spirituelle Gedächtnis des Nordens reichende Klangerkundung. Modern und uralt zugleich.

Drama garantiert: Erschütternder Klang entströmt den Bronze-Luren. Quelle: Promo

Schwere Rhythmen schlagen Wardruna auf Klanghölzern und Trommelfellen. Dem Vorsänger folgt häufig ein mehrstimmiger Chor, auch lautmalerische Melodien und Geräusche wie das Wiehern der Pferde oder Rauschen des Wasser gibt es. Dramatisch wird es, wenn die skandinavische Lure erschallt. Wie ein Fanal von Fanfaren. Einige Instrumente tragen exotische Namen wie Kraviklyra oder die Taglharfe. Von Ziegenhorn- und Birkenrindenluren war bereits die Rede. Im Gebrauch seit vielen Jahrhunderten. Runen wurde auch Zauberkraft zugeschrieben – Lanzen und Speerspitzen wurden daher mit ihnen geschmückt. Und sie dienten als Orakel. Odin gilt als der nordische Gott des Runenwissens und der Runenmagie. In der Lieder-Edda heißt Odin opferte sich selbst Neun Tage hing er kopfüber in der Weltesche Yggdrasil – bis Kenntnis von der Macht der Runen erlangte und sich schließlich befreien konnte.

Kaunan sind anerkannte Spezialisten der Folks-Szene: Ihre Stücke weisen über das Mittelalter hinaus bis hin zur vorchristlichen Musik. Quelle: Promo

Damit der mystische Abend rundum gelungen ist, werden überdies Kaunan ihre Weisen anstimmen - auch sie verstehen sich als Sendboten vom Anfang der Wikinger-Zeit. Einar Selvik, auch Chef des Labels Norse Music, nahm die Folk-Musiker unter Vertrag. Ihm schwebt vor, eine Plattform für traditionelle Musik aus Skandinavien zu schaffen. „Forn“ heißt das Debüt des Trios.

Kaunan öffnen ganz weit die Tür in die Vergangenheit. Immer auf der Suche, mit teils sehr altem Liedmaterial, ungewöhnlichen und alten Skalen, mit seltenen Instrumenten, darunter die Nyckelharpa, Lauten oder die schwedische Sackpfeife. Oliver s. Tyr kennt man bereits von der deutschen Folkband FAUN, der Maler und Komponist und Boris Koller kommt aus Österreich, während der Drehleier-Spezialist Göran Hallmarken aus Schweden stammt.

Konzert: Kaunan und Warduna spielen am Mittwoch, dem 18. Oktober, um 20.30 Uhr im Huxleys in Berlin-Neukölln.

Von Ralf Thürsam

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