Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Als das Heimweh zu mächtig war
Nachrichten Kultur Als das Heimweh zu mächtig war
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 10.09.2017
Ein Stimme wie ein kostbareres Vögelein: Courtney Marie Andrews. Quelle: Promo
Anzeige
Potsdam

Lauscht man Courtney Marie Andrews, dann kann man mit der Gesamtsituation komplett zufrieden sein. Die bald 27 Jahre alte Sängerin, die seit ein paar Jahren oben im Nordwesten Amerikas bei Seattle lebt, hat auf ihrer Platte „Honest Life“ ein Paket geschnürt, das über alle Zweifel erhaben sein dürfte. Alle Zutaten für hinreißenden Country-Folk sind vertreten: Gitarren, akustisch und elektrisch, fantastisch miteinander verschlungen, dann die Seufzer der Steel-Gitarre, das Honky-Tonk-Piano aus der Bierbar um die Ecke, linde Takte und gemäßigtes Tempo.

Ach und wie Courtney schließlich ihre klare Stimme in die Höhe steigen lässt. Einer tremolierenden Nachtigall gleich oder ähnlich dem Gesang von Joni Mitchell, einer der Großmeisterinnen der Sangeskunst, die ja einst zumindest eine folkigere Frühphase hatte. Es könnten noch weitere Kolleginnen beider Genres zum Vergleich dienen. Doch genug davon: Das ist jemand zu künstlerischer Größe herangewachsen. Die junge Dame lässt ihre Songs erblühen. Mit bescheidener Überlegenheit und bewundernswerter Reife – auch als Erzählerin.

Mehr davon

Lucinda Williams (64) dachte schon, dass sie den einen oder anderen Song von Courtney Marie Andrews selbst geschrieben haben könnte. Okay, bleibt eine Seelenverwandtschaft. Williams, längst eine Institution in der Folk und Americana-Szene, hat sich jüngst etwas gegönnt: Zum 25. Jubiläum ihrer vierten Platte nahm sie die Songs noch mal auf. Eine Selbstvergewisserung von beträchtlichem Reiz. Zumal sie einiges anders machte, Texte überarbeitete und vier neue Songs schrieb.

Lucinda Williams: This Sweet Old World. Highway 20/Thirty Tigers/Alive.

Oh Gott, ich vergesse mich! Wie kann sie nur: Lässig, schnörkellos und lakonisch kommt Jen Cloher daher. Die Australierin aus Melbourne weiß, dass weniger mehr ist. Reduktion, Baby! Es klappert, scheppert und wiederholt sich in ihren Rock-Songs. Womit Jen – Anfang 40 und Lebensgefährtin von Courtney Barnett – locker, trocken und widerborstig als Enkelin von Velvet Underground durchgeht. Am 17. September um 21 Uhr im Monarch in Berlin-Kreuzberg.

Jen Cloher: Jen Cloher. Milk!/Rough Trade.

Drifter heißt das neueste Werk von First Breath After Coma. Weit hinaus lässt sich der Fünfer aus Leiria treiben. Denn Rock im engen Korsett ist seine Sache nicht. Da braucht es mehr: Jubelchöre, Sphärenklang, Geräusche, Beats und einen langen Atem, damit sich schillernder Schönklang entfaltet - nur gelegentlich von Dissonanzen und aufgetürmten Klang-Wällen unterbrochen. Die Portugiesen treten am 14. September um 20.45 Uhr im Monarch in Berlin-Kreuzberg auf.

First Breath After Coma: Drifter. Popup/Soulfood.

Aus Amerikas Nordwesten, aus Washington, stammt auch John Van Deusen. Jetzt solo, zuvor bei The Lonely Forest aktiv. Seine helle Stimme bannt sofort seine Zuhörer. Ein Songschreiber, der nicht in Innerlichkeit versinkt oder in Melancholie badet, sondern catchy, munter und zwingend klingt. Der bisweilen kantige Indie-Gitarren auffährt, umrahmt von schwelgerischen Keyboards und Streicher. Van Deusen spielt am 14. September um 20 Uhr im Austerclub in Berlin-Kreuzberg.

John Van Deusen: (I am) Origami Pt. 1 – The Universal Sight. Devilduck/Indigo.

Das alles kommt nicht von ungefähr: Gerade mal süße 16 Jahre alt ging sie aus dem Haus, zog umher, stürzte sich ins Musikanten-Leben, begierig, so viel als möglich aufzunehmen. Es gab erste Veröffentlichungen. Sie spielte E-Gitarre bei dem von ihr verehrten Songwriter Damien Jurado. Als sie später für Monate in Belgien lebte und mit Milow auftrat, brach das Heimweh über Courtney herein – davon und von gebrochenen Herzen erzählt sie auf dem Album, das sie mit Band aufnahm.

Konzert: Courtney Marie Andrews spielt am Dienstag, dem 12. September, um 19 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

Der Fantasyfilm „The Shape of Water“ des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro ist beim Festival von Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Film ausgezeichnet worden. Das gab die Jury unter Leitung von US-Schauspielerin Annette Bening am Samstagabend bekannt.

09.09.2017

Mit Indie und Elektro hat das Lollapalooza-Festival in Hoppegarten begonnen. Doch nicht nur der Regen sorgte am Samstag bei den Besuchern für miese Stimmung: Die Veranstalter raten, nicht mit der S-Bahn anzureisen. Doch auch auf der Ausweichroute mit U-Bahn und Bus kommt es zu langen Wartezeiten – genauso wie am Eingang.

09.09.2017

Kabarett-Konzert, Theaterstück und Liederabend in einem: Der Wahlbrandenburger Rainald Grebe hat am Freitagabend im ausverkauften Nikolaisaal in Potsdam drei grandiose Stunden lang „Das Elfenbeinkonzert“ gespielt, sein neues Soloprogramm, das dem Publikum einiges abverlangte.

12.09.2017
Anzeige