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Amourös: „Ein Sommer in Caputh“ von Jörg Aufenanger

Literatur Amourös: „Ein Sommer in Caputh“ von Jörg Aufenanger

Mit der heiteren Liebesgeschichte „Ein Sommer in Caputh“ setzt Jörg Aufenanger dem Ausflugsort am Schwielowsee einen literarischen Denkstein. Auch ältere Semester können noch etwas erleben. Aber was passiert, wenn eine burschikose Ostfrau auf einen gediegenen Westmann trifft?

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Kupplerin zwischen den Ufern und zwischen den Menschen: die Fähre in Caputh.

Quelle: Foto: B.G.

Caputh. Auf Tussy II, der Seilfähre von Caputh, nimmt diese burleske Liebesgeschichte ihren Anfang. Dabei wollte der 65-jährige Anton Henze gar „kein Abenteuer mehr mit Frauen“.

Für seine Erzählung „Ein Sommer in Caputh“ hat Jörg Aufenanger, geboren 1945 in Wuppertal, eine männliche Hauptfigur erfunden, die seine Vorliebe für das idyllische Naherholungs-Örtchen am Schwielowsee teilt. Auch Aufenanger ist ein Wessi, den es in Vorzeiten nach Westberlin verschlagen hat und der sich nun in Caputh – wie einst auch Albert Einstein – ein ultimatives Wochenendhäuschen

Plötzlich zwinkert der Fährmann diesem Herrn Henze zu und übergibt ihm einen Zettel mit den Worten „Sie sind mir ja eener und det auff meener Fähre.“ Auf dem Papier steht: „Sie sind der Richtige, wenn’s einen gibt auf dieser Erde. Morgen 19 Uhr auf der Fähre.“

Die Absenderin heißt Irmtraud Pasulke, ist 49 Jahre alt und Lehrerin an der Meuselbachgrundschule in Geltow. Sie ist so etwas wie ein weiblicher Macho oder ein brandenburgischer Vamp, jedenfalls eine treibende Kraft. Ossis können bei ihr – auch wegen ihres Namens – an ein Lied denken, in dem die Gruppe Pankow einst ein Mädchen besang – „Inge Pawelczik, Du wilde Wahnsinnsmaus“.

Die überschwängliche, lüsterne Irmtraud Pasulke mit dem „gewaltigen Busen“ lässt dem feinen Herrn Henze keine Chance. Einmal heißt es, „sie drückte ihn so fest an sich, dass er wie so oft zu ersticken glaubte“. Da nimmt die heiter-melancholische Liaison schon ihren Lauf. Henze kann nicht Nein sagen, kommt aber auf den Geschmack. Burschikose Ostfrau trifft gediegenen Westmann. Eigentlich wollte er so leben, dass ihn seine versiegte Manneskraft nicht weiter anficht.

Jörg Aufenanger, der bisher mit Biografien über Grabbe, Goethe, Schiller und Kleist hervortrat, trifft mit diesem literarischen Schmankerl den Nerv einer Landschaft und einer Generation, die noch in Ost-West-Kategorien denkt.

Jörg Aufenanger: Ein Sommer in Caputh. Klak, 132 Seiten, 12.90 Euro.

Von Karim Saab

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