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Andrea Sawatzki liest in Potsdam

Interview zum 6. Krimimarathon Berlin-Brandenburg Andrea Sawatzki liest in Potsdam

Schauspielerin Andrea Sawatzki (52) ist eine der bekanntesten Fernseh-Darstellerinnen Deutschlands – und auch eine erfolgreiche Autorin. Ihr Erstling „Ein allzu braves Mädchen“ war ein Bestseller. Beim 6. Krimimarathon Berlin-Brandenburg liest die frühere „Tatort“-Kommissarin am Freitag in Potsdam aus ihrem neuen Buch „Der Blick fremder Augen“.

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Andrea Sawatzki (52): Bereits ihr erster Krimiroman „Ein allzu braves Mädchen“ landete auf der Bestseller-Liste.

Quelle: imago

Potsdam. Die Autorin und Schauspielerin Andrea Sawatzki liest beim Krimimarathon Berlin-Brandenburg aus ihrem neuen Buch. Im Interview spricht sie über schüchterne Täter und das Verlassenwerden.


MAZ:
Frau Sawatzki, Sie haben einmal gesagt, gerade schüchterne Menschen hätten Potenzial, Böses zu tun. Sind Sie schüchtern?

Andrea Sawatzki: Ja, das bin ich. Das bedeutet aber nicht, dass ich böse bin. Ich meinte damit etwas anderes. Dass Menschen, die vieles unterdrücken und nicht die Fähigkeit haben, sich mitzuteilen, eine zerstörerische Kraft entwickeln können. Ich glaube unter den falschen Umständen kann wahrscheinlich jeder zum Mörder werden.

„Der Blick fremder Augen“ handelt von Kati, einer jungen Frau, die vom Vater missbraucht, von der Mutter verstoßen wurde und später zur Mörderin wird.

Sawatzki: In diesem Buch geht es wie in meinem ersten Krimi auch, um dieses nicht bewältigte Kindheitstrauma. Ich finde es sehr spannend, dass manche Menschen es schaffen, sehr viele Jahre ihre eigene Kindheit vor sich selbst zu verschweigen. Sie blenden schlimme Erlebnisse völlig aus. So ist es bei Kati, sie steckt das alles weg. Es bricht erst auf, als das zweite große Trauma kommt, die Fehlgeburt ihres Kindes. Sie verliert damit ihren Lebenstraum, nämlich die Chance, es besser machen zu können als ihre eigene Mutter. Und dann teilt sie aus.

Der jungen Mörderin ist eine Kommissarin auf den Fersen. Sie ist Mitte 50 und hat rote Haare. Man kann gar nicht anders, als dabei an Sie zu denken.

Sawatzki: Sobald die Geschichte verfilmt wird, würde ich die Ermittlerin auf jeden Fall gerne selbst spielen.

Sie haben sich die Rolle auf den Leib geschrieben?

Sawatzki: So kann man das wohl sagen. Wahrscheinlich werde ich für die Kommissarin noch einen zweiten Fall entwickeln und hoffen, dass sich ein Sender dafür interessieren wird.

Haben Sie außer dem Alter und den roten Haaren noch mehr mit ihrer Ermittlerin gemeinsam? Sie wurde nach vielen Jahren von ihrem Freund verlassen und leidet sehr unter ihrem Alter.

Sawatzki: Vermutlich findet es keine Frau besonders toll, älter zu werden. Das wird immer nur behauptet, stimmt aber nicht. Und das andere kenne ich nur zu gut. Deshalb ist es auch so schön, dass jetzt schon seit vielen Jahren alles gut ist. Ich bin verheiratet, ich habe Kinder. Das hat meine Krimi-Kommissarin alles nicht. Das nagt an ihr. Deshalb empfindet sie merkwürdigerweise eine Zuneigung für die Täterin, weil sie spürt, dass irgendetwas passiert sein muss, dass sie solch eine Tat begangen hat. Sie entwickelt mütterliche Gefühle für die Mörderin. Das ist doch schön, oder?

Weil sich zwei Menschen, die eigentlich am Ende sind, gegenseitig retten?

Sawatzki: Weil es spannend ist, hinter die Fassaden der Menschen zu schauen und das herauszukitzeln, was die Menschen zu verbergen suchen, ohne sie zu verurteilen. Ich will verstehen warum der Mörder den Mord begangen hat. Das macht für mich einen guten Krimi aus.

Sie haben acht Jahre lang die Kommissarin im Frankfurter „Tatort“ gespielt. Warum sind Sie ausgestiegen?

Sawatzki: Ich hatte Lust, wieder frei zu sein, das war der eigentliche Auslöser. Am Anfang war die Rolle sehr tiefgründig. Aber wie es bei vielen Reihen so ist, hat sich das irgendwann verbraucht. Das ist das Schöne am Schreiben, dass man da, wo ein Film aufhört, in die Tiefe gehen kann. Deshalb finde ich das Schreiben eine wundervolle Ergänzung, eine Bereicherung zum Spielen.

Die Stars beim Krimimarathon Berlin-Brandenburg

Vom 17. bis zum 22. November dreht sich beim Krimimarathon Berlin-Brandenburg alles ums perfekte Verbrechen. 50 Autoren lesen bei dem Festival aus ihren Werken.

Die frühere „Tatort“-Kommissarin Andreas Sawatzki (52) liest am Freitag, 20. November, um 21 Uhr in der Potsdamer Stadt-und Landesbibliothek aus ihrem neuen Krimi „Der Blick fremder Augen“. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Ihr Buch ist im Verlag Droemer HC erschienen. Es hat 302 Seiten und kostet 19,99 Euro.

Der Krimimarathon kooperiert mit dem zeitgleich stattfindenden Lesefestival „Stadt – Land – Buch“, das mit Slowenien erstmalig ein Gastland präsentiert und die bekanntesten Autoren des Landes eingeladen hat.

4000 Besucher erwartet Krimi-Marathon-Initiator Patrick Baumgärtel, davon 1500 in Brandenburg.

Besonders aufregend wird es bei der Lesung des österreichischen Krimi-Stars Bernhard Aichner, der am 18. November um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Teltow von einem Friedhofs-Mord erzählt.

Im MAZ Media Store liest Sven Stricker am Dienstag um 19 Uhr aus seinem Nordfriesland-Krimi „Sörensen hat Angst“. mas

Info:
www.krimimarathon.de

Hilft Ihnen die Schauspielerei beim Schreiben?

Sawatzki: Auf jeden Fall, weil ich sehr bildlich schreibe. Ich versetze mich in jede einzelne Figur und sehe nur noch mit ihren Augen. Manchmal bin ich selbst überrascht, wen sie so auf ihrem Weg treffen und was ihnen passiert. Das ist ein filmischer Vorgang. Andererseits ist das Schreiben sehr fruchtbar für die Schauspielerei. Ich habe gelernt, die Figuren, die ich spiele, noch intensiver durchschauen zu wollen.

Was als Fernsehschauspielerin sicher zu kurz kommt, ist der Kontakt zu den Zuschauern, oder?

Sawatzki: Deshalb liebe ich solche Lesungen, wie am Freitag in Potsdam, total. Die Leute können Fragen stellen und mit mir reden. Bis vor zwei Jahren, als das erste Buch rauskam, hatte ich lange Zeit nur gedreht und kein Theater mehr gespielt. Ich habe damals gespürt, dass mir die Menschen fehlen.

Von Marion Schulz

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