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Kultur Andreas Bourani, der Star des Stadtwerkefestes
Nachrichten Kultur Andreas Bourani, der Star des Stadtwerkefestes
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13:21 01.07.2017
Andreas Bourani ist ein Adoptivkind, das sich im Chor seiner Heimatstadt Augsburg hochgesungen hat. Quelle: dpa
Potsdam

Als auch der Club der Hundezüchter plötzlich dieses Lied zur Siegerehrung spielte und die Abiturienten es auf Ihrer Feier mitgesungen haben, ahnte Andreas Bourani: „Der Song hat Interpretationsspielraum“. Er sprach von seinem Lied „Auf uns“, das er in Gedanken an seine besten Freunde schrieb, mit denen er an einer langen Tafel sitzt – er, Bourani, würde eine Reden halten, und am Ende sagt er Prost.

Plötzlich aber landete das Lied im Maracana-Stadion von Rio, wo die Deutschen 2014 Fußballweltmeister wurden. Bourani sang den Soundtrack zu der Euphorie des Landes, die nicht besoffen wirkte, sondern gut gelaunt und harmlos – halt wie dieser Song, der sich aufs Hymnische verlässt, in Richtung Hit segelt und uns nun Zeilen für die Ewigkeit beschert: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt / das es das Beste für uns gibt / Ein Hoch auf das, was uns vereint / auf diese Zeit, auf dieses Leben / auf den Moment, der immer bleibt.“

Der Faustsche Satz „Verweile doch, du bist so schön“ liegt in dem Text, auch die Hochkultur kann damit leben – eben die hohe Gesellschaft rückte durch das Lied in Reichweite für Bourani: Bundespräsident Joachim Gauck die Hand geschüttelt, Andrea Merkel kennengelernt, Manuel Neuer in den Arm genommen. Selbst wenn Neuer, der Torwart, nicht zur Hochkultur gehört, misst er dennoch 1,93 Meter.

Stadtwerkefest in Potsdam

Der Eintritt zu den Konzerten des Festes ist generell frei, es läuft von Freitag bis Sonntag und findet im Neuen Lustgarten statt.

Freitag: Klassikabend unter dem Motto „Best Of British“. Ab 20 Uhr sind Stücke englischer Komponisten zu hören, etwa der Jupiter aus Gustav Holsts Planeten, Stücke von Vaughan Williams und Edward Elgar sowie aus Händels Wassermusik.

Samstag: Pop ab 16 Uhr mit John Apart, 17 Uhr die Band Juli, 20.15 Uhr Silly, 22.15 Uhr Andreas Bourani.

Sonntag: 14-19 Uhr Familienfest samt „Mitmachwelt für Kinder“.

Durch verstärkte Sicherheitsvorkehrungen werden Gäste gebeten, zeitig zu erscheinen.

Andreas Bourani, geboren am 2. November 1983 in Augsburg, kam kurz nach seiner Geburt zu seinen Adoptiveltern und wuchs mit dem Nachnamen Stiegelmair auf. In der Musikschule Augsburg fand er zum Gesangsunterricht. Er kennt seinen Vater nicht, weiß nicht, woher er stammt, das gibt dem Schicksal des Mannes, der sich an die Spitze des deutschen Pop gesungen hat, etwas Rührendes und auch Erleichterndes: Seht her, hört her, die Herkunft ist nicht wichtig. Wenn du dich auf dein Herz verlasst und an dir arbeitest, dann schaffst du es.

Wenn Andreas Bourani am Samstag um 22.15 Uhr auf die Bühne des Potsdamer Stadtwerke-Festes steigt, wird er wieder den Heldentenor geben. Groß, stolz, aufrecht, meist tritt er ganz in Schwarz auf. Sein „Füreinander gemacht“ gibt den Ton vor: Er singt Lieder,die sich aufs Mystische und Raunende verlassen. „Ich suchte nach allem, was ich nicht haben kann“, geht eine Zeile. Das ist die Tonart der Band Unheilig, mit dem Unterschied, dass der Bayer Bourani seine Texte fernhält von jeder Romantik. „Kannst du dich so finden wie ein Kind, weißt du, wo deine Wege sind?“

Nicht nur von dunkler Romantik hält er sich fern, sondern auch von Liebesliedern. Das ist ein Wagnis, fast ein Fauxpas für einen Musiker, der für jede Altersgruppe interessant sein will und somit Themen braucht, die fern von Gewalt, Intellekt und Esoterik liegen. Die Liebe wäre der gemeinsame Nenner, den Bourani scheut: „Ich würde sogar behaupten, dass ich noch nie ein Liebeslied geschrieben habe.“

Als deutsches Liebeslied lässt er nur „Der Weg“ von Grönemeyer gelten

Liebeslieder klingen für ihn auf Deutsch „irgendwie kitschig und schlagerhaft“. Das einzige Liebeslied, das er wirklich gelungen findet, ist „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer. Er mag den Text und den Tiefgang. Bouranis Lieder wiederum schwimmen gerne dort, wo das Wasser warm ist und die Tiefe als Behauptung erscheint. Typisch der Titelsong des zweiten Albums „Hey“: „Hey, sei nicht so hart zu dir selbst, es ist okay, wenn du fällst.“

Er bezieht sich in dem Lied auf seine Selbstzweifel, die ihn plagten und ihm ernsthaft die Frage stellen, ob er gut genug sei für die professionelle Musik. Dieses Hadern mit den eigenen Talenten ist zunächst eine sehr menschliche und grundsympathisch Geste, die heute gut zu platzieren ist, da er mit „Auf uns“quasi den Weltmeistersong geschrieben hat – groß wurde das Lied, weil ihn die ARD zu ihrem WM-Song gewählt hatte.

Ohne dieses Stück würde Bourani immer noch in kleinen Hallen spielen, diese These sei gewagt. Er verkörpert den Glauben, die Gefolgschaft seiner Fans bedeute ihm unglaublich viel. Ihre Sympathien verwandelt er in etwas, das gerade in Deutschland vermisst wird: Lagerfeuerromantik.

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Von Lars Grote

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