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Angélique Kidjo kommt nach Potsdam

Interview Angélique Kidjo kommt nach Potsdam

Sie gilt als die Queen des Afro-Pop. Ihre Alben wurden mehrfach mit dem Grammy-Award ausgezeichnet. Am Sonnabend spielt Angélique Kidjo zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg in Potsdam.

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Maurice Ravels „Boléro“ klang für Angélique Kidjo schon immer afrikanisch.

Quelle: promo

Potsdam. Die Sängerin Angeliqué Kidjo ist nicht nur in ihrem Heimatland Benin ein Superstar. Vor ihrem Konzert in Potsdam mit dem Filmorchester Babelsberg schwärmt sie von Klassik, aber ärgert sich über Politik und Rassismus.

Wann kamen Sie erstmals mit klassischer Musik in Berührung?

Angélique Kidjo: Mein Vater hat Musik von Beethoven auf dem Banjo gespielt. Danach wollte ich das Original hören. Als ich nach Frankreich zog, bekam ich eine klassische Gesangsausbildung. Ich hörte Bach und Verdi, die Lehrerin spielte uns den „Boléro“ von Maurice Ravel vor. Ich habe gesagt, dass das afrikanische Musik sei – und wurde ausgebuht. Dabei ist diese ständige rhythmische Wiederholung typisch afrikanisch. Die anderen sagten, ich soll die Klappe halten und zurück nach Afrika gehen. Ich versprach, ihnen zu beweisen, dass der „Boléro“ afrikanisch ist.

Queen of Afro-Pop

Angélique Kidjo gilt als die „Queen of Afro-Pop“ – die Königin der afrikanischen Popmusik. Zu ihren Hits gehört der Song „Kelele“.

Die 1960 in Benin geborene Musikerin und Choreografin lebt heute in New York.

Drei ihrer Alben wurden mit dem Grammy Award ausgezeichnet – zuletzt für „Sings“, das sie gemeinsam mit dem luxemburgischen Musiker Gast Waltzing produziert hat.

In Potsdam tritt sie am Sonnabend um 20 Uhr mit dem Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Gast Waltzing im Nikolaisaal auf.

Und?

Ich habe eine Version des „Boléro“ aufgenommen, in der ich fast alle Instrumente durch meine Stimme ersetze. Das einzige zu hörende Instrument ist die Kora (typisch westafrikanische Stegharfe, Anm. d. Red.). Auch bei meinen Recherchen zur musikalischen Geschichte der Sklaven fand ich Gemeinsamkeiten zwischen klassischer und afrikanischer Musik. Die afrikanische Musik steckt allen Menschen in der DNA.

Wie fühlten Sie sich bei den Aufnahmen zu dem „Sings“-Album inmitten eines großen Orchesters?

Großartig! Es waren mehr als 100 Musiker. Das hat mich herausgefordert, meine Stimme anders als sonst einzusetzen. Musik darf mich nicht langweilen, sie muss mich herausfordern.

Einer der Songs, die Sie singen, heißt „Bahia“. Er handelt von Sklaverei. Haben Sie noch immer das Gefühl, dass die Geschichte ignoriert wird?

Auf jeden Fall gibt es noch immer Rassismus. Rassismus ist auch eine Frage der Wirtschaft. Wie wären die wohlhabenden Länder zu ihrem Reichtum gekommen, wenn es die Sklaven nicht gegeben hätte? Wir Afrikaner dachten immer, alle Menschen sind gut und wir werden fair behandelt, wenn wir andere fair behandeln.

Ein Trugschluss.

Die reichen Länder haben große Besitztümer und haben ein Verbrechen begangen. Sie müssten dafür zahlen, aber sie bestreiten es. Zum Beispiel hat der US-Bundesstaat Texas Schulbücher eingeführt, die Sklaven einfach nur als Arbeiter bezeichnen. Das Problem ist, dass Afrikaner nicht die Macht und die Medien haben, um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Eine kleine Zahl von reichen Menschen und Machthabern entscheidet über das Leben von vielen Millionen Menschen. Das ist kannibalistisch, gefährlich und verantwortungslos.

Wie hat das Leben auf drei Kontinenten Sie geprägt?

Entscheidend ist, wie mich meine Eltern in Benin erzogen haben. Sie brachten mir Respekt bei und, dass die Hautfarbe nicht entscheidend ist. Mein Vater gab uns Bücher. Solange wir nicht reisen können, sollten wir lesen. Es gibt einen Satz meines Vaters, an den ich noch immer denken muss. Er sagte, Furcht ist eine selbstgebaute Gefängniszelle. Übrigens habe ich fünf Jahre lang Deutsch gelernt, meine Mutter verehrte Goethe.

Neben Ihren Eltern und Jimi Hendrix gilt die legendäre Sängerin Miriam Makeba als Ihr großes Vorbild. Warum?

1989 bin ich in der Olympiahalle in Paris vor ihr aufgetreten. Danach unterhielt ich mich immer wieder mit ihr. Sie hat den Begriff „Weltmusik“ verachtet, sie fühlte sich dadurch als Mensch der sogenannten Dritten Welt abgestempelt. Mein politisches Bewusstsein habe ich auch ihr zu verdanken. Wir Menschen sind gar nicht so unterschiedlich – das ist eine Erkenntnis, die ich Miriam Makeba verdanke. Sie sprengte Sprachbarrieren und sang sogar auf Arabisch.

Von Maurice Wojach

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