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Kultur Aquarelle zu Eva Strittmatters Liebesgedichten
Nachrichten Kultur Aquarelle zu Eva Strittmatters Liebesgedichten
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02:16 04.09.2015
Aquarell von Hans-Jürgen Gaudeck zu dem Gedicht von Eva Strittmatter. Quelle: Hans-Jürgen Gaudeck
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Potsdam

So viel Rausch der Leidenschaft. Aber auch so viel Enttäuschung, Schmerz und Trauer. Eva Strittmatters Gedichte in dem kürzlich erschienenen Band „Und Liebe liebt niemals vergebens“ erzählen so wunderbar von tiefen Gefühlen. Den ehrlichen, reinen – wie man sie nur empfinden kann, wenn man jemandem bedingungslos verfallen ist. Doch auch von deren Erlöschen. So schreibt die Lyrikerin, die mit ihrem Mann Erwin Strittmatter ab 1957 in Schulzenhof bei Dollgow (Oberhavel) lebte und Anfang Januar 2011 starb, von jenem Schönen, den sie „so verzweifelt geliebt“. Er wisse noch immer, dass es sie gibt: „Ich schreie. Ich erreiche ihn nicht.“

Auf der gegenüberliegenden Buch-Seite kann man sich dazu ein Aquarell des Berliners Hans-Jürgen Gaudeck ansehen. Eine kleine dunkle Männergestalt läuft zwischen hohen Bäumen auf einem Waldweg entlang. Dem Betrachter den Rücken zugewandt. Bloß noch ein paar wenige Schritte, dann wird der Mann in der Ferne ganz verschwunden sein. Kann man die Ohnmacht, jemanden verloren zu haben, besser ins Bild setzen?

Die Lyrikerin Eva Strittmatter 2005 in ihrem Haus in Schulzenhof bei Dollgow (Oberhavel). Quelle: Andreas Bergmann

Bereits vor zwei Jahren brachte der Steffen Verlag „Märkischer Juni“ mit Strittmatters Naturlyrik heraus, zu der Gaudeck eine gelungene Korrespondenz mit Pinsel und Farbe einging. Nun hat der 73-Jährige zu über 40 Liebesgedichten, die sie relativ spät, als reife Frau schrieb, je ein Motiv geschaffen. Nicht als bloße Illustration. „Im malerischen Dialog zu ihren Texten“, wie Gaudeck erklärt. „Was sie darin gesagt hat, hab’ ich sofort verstanden. Mich berührt ihre klare Sprache.“

Der studierte Diplombetriebswirtschaftler malt seit seiner Jugend und ist seit 1987 Mitglied der Künstlergruppe „Mediterraneum“. Es fiel ihm nicht schwer, Strittmatters Emotionen auf dem Aquarellpapier umzusetzen, erzählt er. Nicht abstrakt, sondern er hat versucht, Naturbezüge und Orte als Metaphern für ihre Gefühle zu finden. Er vermittelt nicht nur eine Ahnung, eine Stimmung. Mit seinen minimalistischen Farbbildern, die nie ganz ins Reale gehen, schafft er zu ihren Versen quasi eine zweite Ebene. Eigentlich gibt es noch eine dritte. Denn: Erst liest man und schaut. Und dann macht man sich seine eigenen Gedanken. So oder so ähnlich ist manches uns allen schon mit der Liebe passiert. Dass man vielleicht in jeder Menschenansammlung jemanden auszumachen versucht hat, der einem einst sehr nahe war. Oder einen, der diesem gleicht, so wie es Eva Strittmatter erging: „Wohin auch immer ich suchend gehe,/ Am Ende ist es doch

sein Gesicht,/ Das ich statt all der anderen sehe.“ Dazu malte Gaudeck 13 lediglich schemenhaft angedeutete Personen unter einem Torbogen, über dem zwei Laternen hängen.

Und dann ist da wieder der „Schöne“, der der Dichterin nach vielem Bitten endlich ein Foto gesandt hatte. Papierne Erinnerung. Womit sie „seine Akte“ schloss und „nichts mehr mit Hoffen“ fühlte. Gaudeck hat diesen Mann als etwas schwarzes Entschwindendes, als bloße verwaschene Illusion inmitten blau-grünlich-roter Umgebung dargestellt.

In einem anderen Gedicht geht es um Eva Strittmatters quälendes Warten auf einen einzigen Anruf von einem bestimmten Mann, das sich bis zu einem Dezember hinzog. „Dezember. Sechs Monate seit wir uns sahn.“ Doch ihr Telefon klingelte nicht. „
Ich werde mein Gelübde nicht brechen,/ Nicht bitten, nicht schreiben. Nur in den Wind
.“ Die Windflüchter Gaudecks, diese vom Sturm geneigten Bäume, passen dazu so gut.


Eva Strittmatter: Und Liebe liebt niemals vergebens. Aquarelle von Hans-Jürgen Gaudeck. Steffen Verlag, 96 Seiten, 16,95 Euro.

Von Angelika Stürmer

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