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Aramäische Töne zu Bach-Arien im Nikolaisaal

Musikalischer Dialog in Potsdam Aramäische Töne zu Bach-Arien im Nikolaisaal

Der musikalische Dialog zwischen Morgen- und Abendland erweist sich als hochinteressantes Wagnis. 13 der 21 Lieder sind Arien und Choräle von Johann Sebastian Bach. Der Andrang war riesig und die Zuschauer begeistert – aber auf so manche Ablenkung hätte man verzichten können.

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Quelle: © Stefan Gloede

Potsdam. Geistliche Passionsmusiken aus dem deutschen und dem syrischen Kulturkreis waren am Osterwochenende an drei Abenden in Berlin, Potsdam und Kloster Neuzelle zu erleben. Nicht ohne Stolz bezeichnet Kantor Björn O. Wiede das Kontrastprogramm mit dem Titel „Bach Passion Aleppo“ als eine „Musiktheaterproduktion“. Der Hausherr der Potsdamer Nikolaikirche tritt ans Mikrofon, um den verspäteten Anfang zu entschuldigen. Die Schlange an der Kasse will einfach kein Ende nehmen, es müssen noch viele Stühle herbeigeschafft werden.

Der musikalische Dialog zwischen Morgen- und Abendland erweist sich als hochinteressantes Wagnis. 13 der 21 Lieder sind Arien und Choräle von Johann Sebastian Bach. Das Potsdamer Ensemble Exxential Bach musiziert mit vier Sängern im linken Altarraum. Die rechte Seite gehörte den vier syrischen Künstlern und ihren frühchristlichen Liedern, die Razek-Francois Bitar in aramäischer und arabischer Sprache vorträgt.

Im Zentrum steht ein abstraktes Bühnengemälde, das den Altar verstellt. Aus einer Landschaft der Zerstörung und des blutigen Schreckens erhebt sich ein wuchtiges, zersplittertes Kreuz, das Horizont- und Himmelslinie verbindet. In das Sinnbild von Bernd Guggenberger lässt sich die Tragödie von Aleppo hineinprojizieren.

Sein Bild konkurriert leider mit andern visuellen Elementen, die disparat bleiben. In dem Bemühen, die Gesänge aus tiefer Innerlichkeit irgendwie zu bebildern, wird von dem mitveranstaltenden Barocktheater I confidenti ein Pantomime aufgeboten. Mit einer Porzellanmaske vor dem Gesicht versucht Steffen Findeisen als stummer Hohepriester theatrale Akzente einzustreuen.

Nicht wenige Zuschauer verschließen die Augen, um sich auf das Hören zu konzentrieren. Die Melodielinien sind sowohl bei Bach wie auch in der arabischen Halb- und Vierteltonmusik von zahlreichen Verzierungen umspielt. Auf die beschwingte (fast swingige) Bach-Arie „Sehet, Jesu hat die Hand“ folgt das Lied „Ftah li Mor“ („Öffne mir Herr die Tür“), das sich als kraftvoller syrischer Blues charakterisieren lässt. Der Countertenor aus Aleppo trifft mit seinen seelenvollen, tremoloreichen, aber nie kitschigen Klage- und Flehgesängen die Zuhörer so tief ins Mark, dass die Exotik schnell vergessen ist. Dabei folgt ihm Mohamad Fityan mit seiner Flöte oft wie ein Schatten. Nabil Hilanch auf der Kurzhalslaute und Joseph Shallah an der Harfe setzen zu wundervollen Zwischenspielen an.

Ihre Instrumente entwickeln ungeheure Leuchtkraft, gegen die sich der Klang der zwölf Musiker auf der anderen Seite matt ausnimmt. Das liegt wohl an den schwierigen akustischen Verhältnissen. Aber im „Erbarme Dich“ kommen die Streicher von Exxential Bach, allen voran die Violine von Thomas Pietsch, glänzend zur Geltung. Die deutschen wie die syrischen Musiker spielen auf historischen Instrumenten.

In dem Lied „Al Yauma Ullika“ wird das einzige Zusammenspiel beider Seiten praktiziert. Dagmar Lübking hält am Organo einen Ton, während Razek-Francois Bitar das Kirchenschiff durchschreitet und die Kreuzigung Jesu ausmalt und beweint. Diesem großartigen Sänger gehört der stärkste Beifall der etwa 600 Besucher.

Von Karim Saab

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