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Kultur Arne Schreiber illustriert das Atmen
Nachrichten Kultur Arne Schreiber illustriert das Atmen
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18:16 21.06.2016
Siebdruck von Arne Schreiber, er zeigt ihn mit sechs Jahren in der Ostsee – Bildtitel „#641“. Quelle: Jan Brockhaus
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Roskow

Arne Schreiber zeigt auf seine Bilder mit den beiden Jungs, sie tauchen aus dem Wasser, spannen ihre Brust, sie saugen Luft in ihre Lungen, um gleich erneut hinabzusinken in die Ostsee. „Mein Bruder und ich“, sagt Schreiber. Er dreht sich eine Zigarette, man sieht, er hat geschickte Hände. Hände eines Malers. „Mein Bruder war zehn, ich war sechs, wir sind mit den Eltern auf Rügen gewesen. Ein Jahr fuhren wir in die Berge, das andere Jahr ans Meer. Immer im Wechsel. Das Meer war mir lieber!“

Als Mark Gisbourne, der britische Kurator, ihn fragte, ob er Lust auf Roskow (Potsdam-Mittelmark) habe, wo die jährliche und traditionsreiche Ausstellung „Rohkunstbau“ am 9.  Juli beginnt, hat Arne Schreiber zugesagt. Vor einem halben Jahr kam Gisbournes Angebot. Die Sache war knapp, „denn ich denke langsam“, sagt Arne Schreiber, 41 Jahre, der aufgewachsen ist in Potsdam-Babelsberg. Schreiber wartet auf die Inspiration, und kann nicht genau sagen, wann sich eine brauchbare Idee herausschält.

Warum die Kinder nicht einfach vom Alltag in die Kunst tragen?

„Es geht um Kinder“, sagte Gisbourne. Arne Schreiber stutzte, „eigentlich liegt mir das Thema nicht“, hat er geglaubt, „denn ich arbeite abstrakt.“ Der Zufall jedoch wollte es, dass Schreiber gerade Vater wurde, zum zweiten Mal. Kinder prägen seinen Alltag, warum diese Gedanken nicht auch in die Kunst hinübertragen?

Arne Schreiber sitzt in seinem Atelier, gelegen in Französisch Buchholz, einem grünen, nördlichen, schon pulsberuhigten Teil Berlins, er trägt eine grüne Baseballmütze, neben ihm die Flasche Wasser, doch zum Trinken kommt er nicht. Er folgt seinen Gedanken und umreißt, wie er auf jene Super-Acht-Filme gestoßen ist, die seine Eltern damals aufgenommen haben, auf Rügen, als die Ostsee aus der Sicht des Kindes wirklich noch ein großes Meer gewesen ist. „Zwei Stunden Film: Landschaften, Badegäste, und eben die Kinder, mein Bruder und ich“, sagt er. Sechs Mal habe er sich die Streifen angeguckt, „um ein Gefühl dafür zu kriegen, was man da eigentlich sieht“. Sein erster Eindruck: „Unglaublich langweilig!“

Spannend wurde es bei der Detailarbeit. „Ich habe die Bilder angehalten, man kann bei Filmen ja genau den Augenblick herausgreifen, den man sich wünscht. Selten würde das mit einer Fotokamera gelingen, weil man ein winziges Momentum neben der entscheidenden Pointe abdrückt.“

Der Mund ist aufgerissen, rund und gierig

Auf dem einen Standbild sieht man ihn, die Arme weit gespreizt wie Flügel einer Möwe, er will sich in die sanften Wellen stürzen. Auf dem anderen der Bruder, gerade taucht er auf, Arme eng am Körper, der Mund ist aufgerissen, rund und gierig, er braucht Luft!

„Ich möchte so selbstverständlich wie der Atem malen“, erzählt Arne Schreiber. Die beiden Bilder untermauern das. Der Atem ist die Grundlage des Lebens, das möchte er mit seinen Bildern zeigen. „Man atmet nie zweimal gleich“, glaubt er. „Atmen heißt Lebenwollen. Das Wasser wiederum verkörpert auch Gefahr.“

Die zwei Standbilder hat er digitalisiert, auf gut drei mal zwei Meter vergrößert, gerastert, sich einen Menschen aus der Druckbranche gesucht, „der versteht, was ich will“, und mit ihm die Siebdrucke gefertigt. „Es klappte super.“

Zwischen den Welten

Die Ausstellung „Rohkunstbau“ findet in diesem Jahr zum 22. Mal statt, sie wird am 9. Juli im Schloss Roskow (Potsdam-Mittelmark) unter dem Titel „Zwischen den Welten“ eröffnet und endet am 18.9. Jeweils Sa/So von 12-18 Uhr geöffnet.

Arne Schreiber wurde 1974 in Potsdam-Babelsberg geboren, mittlerweile lebt er in Berlin. Er studierte 1993 bis 1999 an der Universität der Künste in Berlin, unternahm 1994 eine Studienreise nach Indien und ging 2000/2001 an die New York Studio School.

Ins Schloss Wiepersdorf (Teltow-Fläming) zog Arne Schreiber im Jahr 2013 im Zuge eines Arbeitsstipendiums des Landes Brandenburg.

Neben seinen zwei Siebdrucken, aus Filmbildern der eigenen Kindheit gefertigt, stellt Schreiber beim „Rohkunstbau“ außerdem einen in der Länge durchgesägten Baum aus: Eine Buche, sechs Meter lang, 250 kg schwer, besorgt in einer Baumschule in Zachow, einem Ort nahe dem Ausstellungsort Roskow – per Hand zersägt, als Symbol für das „menschliche Maß“.

Er hat dunkle Linien darübergemalt, mit dem Lineal. Es entstand eine neue Ebene, die den Blick aufs Bild verstellt, und ihn dadurch dennoch schärft, weil man sich nun noch mehr konzentrieren muss auf das Motiv, um es zu deuten – die Linien wirken wie der Nebel, den die Zeit allmählich über die Erinnerungen legt.

Fertig also waren seine ersten gegenständlichen Bilder. Der Siebdruck vom Bruder heißt „#642“, sein eigener „#641“. Er nummeriert sein Werk durch, „ich möchte keine sprechenden Titel, die Bilder stehen für sich alleine.“ Er ahnt, „ein sprechender Name und hellblaue Farben“ wären verkaufsfördernd. Doch darum geht es ihm nicht.

In seiner Arbeit sucht er Grundlagen des Lebens – wie gesagt, das Atmen schreibt er groß. Bloß keine grellen Illustrationen. Nichts übereilen. Die Dinge sollen langsam wachsen. Er geht nebenher jobben. Das ist ihm lieber als ein fauler Kompromiss.

Von Lars Grote

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