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Arno Rink in der Kunsthalle Rostock

Leipziger Schule Arno Rink in der Kunsthalle Rostock

Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten Leipziger Schule – und als Lehrer von Neo Rauch zugleich als Wegbereiter der „Neuen Leipziger Schule“: Arno Rink. In der Kunsthalle Rostock ist derzeit eine Gesamtschau seines Schaffens zu sehen.

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Der Künstler Arno Rink zwischen seinen Werken in der Rostocker Kunsthalle.

Quelle: FotoS/Repros: dietmar Lilienthal

Rostock. Arno Rink war zufrieden, als er durch die Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle ging. „Es ist spannend, die eigenen Bilder wiederzusehen“, so der hochgewachsene Maler mit den kurz geschorenen Haaren und dem Knebelbart.

Rink gilt als einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten Leipziger Schule. Er versteht sich als „harter Kern der gegenständlichen Malerei“, wie er selbst sagt. Am Sonnabend feierte er seinen 75. Geburtstag. Derzeit sind 100 seiner Werke in Rostock zu sehen. Ein gewaltiger logistischer Aufwand sei es gewesen, so viele Gemälde und Zeichnungen in der Hansestadt zusammenzuführen, erzählt Museumsdirektor Jörg-Uwe Neumann. Eine Werkschau mit Bildern aller Schaffensphasen von Arno Rink von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart sollte es werden. Und es ist gelungen.

Zu sehen ist die Werkschau eines der wichtigsten Erneuerer der Leipziger und auch der gesamtdeutschen Kunst. Im Ausstellungskatalog sind Texte von Neo Rauch und Michael Triegel zu lesen – beide sind Schüler von Arno Rink. In der Rostocker Ausstellung erfährt man, wie der Lehrer seine Schüler beeinflusste, ohne dass der den jungen Künstlern seinen Stempel aufprägen wollte. „Ich habe sie einfach arbeiten lassen“, erklärt Rink lakonisch die Entstehung der sogenannten Neuen Leipziger Schule, ein Etikett, das er einfach nur „schrecklich“ findet.

Maler und Lehrmeister: Arno Rink

Arno Rink wurde 1940 im thüringischen Schlotheim geboren. Von 1962 bis 1967 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, ab 1964 bei Bernhard Heisig. 1972 nahm Rink eine Lehrtätigkeit an der Leipziger Hochschule auf, ab 1975 unternahm er zahlreiche Reisen, auch in den Westen. Von 1987 bis 1994 war er Rektor der Leipziger Hochschule, von 1994 bis 1997 Prorektor. 2005 erfolgte die Emeritierung. Arno Rink lebt und arbeitet heute in Leipzig.

„Arno Rink, Werkschau“ in der Kunsthalle Rostock (Hamburger Straße 40, 18069 Rostock). Zu sehen ist die Schau bis zum 18. Oktober, geöffnet ist sie dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr. Preise (Dauerkarten): 8/6 Euro.

Die Schau beginnt mit den ­1960er Jahren, als in Rinks Bildern noch der Stil eines Max Beckmann zu erahnen ist. Auf einem großen Werk prangt Lenin, um ihn herum bewaffnete Kämpfer, fern am Bildrand eine moderne Stadt: „Lied vom Oktober  I“ von 1966/67. Mit derartigen Darstellungen hielt Rink sich später zurück. Er bezeichnet das Bild „Die Unabhängigen  I“ von 1972 als Startpunkt einer langen Schaffensperiode. Eine Gruppe von Menschen steht in karger Landschaft, in der Mitte eine knapp verhüllte nackte Frau, sehr selbstbewusst. „Damit fing alles an“, sagt Rink. Bei Symbolträchtigkeit und Realismus brachte er eine große Sinnlichkeit in seine Bilder: Frauenkörper, Paare, Liebende allenthalben, eine Kollektion nackter Hintern. Der Tochter der biblischen Figur Lot weht der Rock hoch, legt ihr nacktes Hinterteil frei – als Reminiszenz oder letzten Gruß an Sodom und Gomorrha?

Arno Rink mag seine Bilder nicht erklären. „Ich bin als Maler keine moralische Instanz, ich will niemanden verbessern“, sagt er. Wichtiger ist es ihm, wenn Betrachter mit seinen Bildern produktiv umgehen. Wie die Frau, die ihm schrieb, dass Rinks Bild „Aufstieg“ ihr das Scheitern ihrer Ehe erklärt hätte.

Und das Bild „Die Nacht“: In der Mitte der Maler, nackt, umgeben von einer orgiastischen Szenerie. Das Atelier als Freudentempel? Nein. Eine Zeit lang zogen Frauen und Männer betrunken vor sein Haus in Leipzig, um ihn zu beschimpfen. „Ich passte wohl nicht in die Gegend“, mutmaßt Rink. Die Ausstellung zeigt, wie Rink im Laufe der Zeit nicht nur Themen wieder neu aufgreift, sondern wie in seinem Malstil seine Spielarten über Jahre hinweg gleichzeitig vorhanden sind. Neue Werke lassen die Plastizität der Figuren hinter sich, Körper verlieren sich im Abstrakten. So malte der Künstler schon 25 Jahre früher. Es scheint, als aktiviere Rink immer neu frühere Malweisen, um sie in der Gegenwart auf ihren Wert zu prüfen. In diesem Sinne ist diese Schau eine Art Gesamtkunstwerk.

Von Matthias Schümann

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