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Art Garfunkel singt in Berlin

Konzert Art Garfunkel singt in Berlin

Das Publikum war tief berührt, als Art Garfunkel am Sonntag die alten Lieder spielte, die er im Duett mit Paul Simon in den 60er Jahren berühmt machte. Garfunkel hat nicht mehr die Lockenpracht von einst, er ist ein netter Mann von 74 Jahren, dessen Haare langsam ausgehen – doch seine Stimme ist auf der Höhe. Auch zu seinem Kumpel Paul Simon äußerte er sich.

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Art Garfunkel 2015 in Düsseldorf, er erlaubte keine Fotos in Berlin.

Quelle: imago stock&people

Berlin. Art Garfunkel trägt ein blaues weites Hemd, ein Wohlfühlhemd, er mag das Zwanglose – nur bei den Harmonien ist er pingelig: Jeder Ton an diesem Abend sitzt, das ist ein Wunder, denn in den vergangenen vier Jahren hatte er nicht singen können, weil die Stimmbänder geschmerzt haben.

Er tritt am Sonntag vor sein Publikum im Berliner Konzertsaal der Universität der Künste, intimer Rahmen, gute 1000 Zuschauer, Garfunkel trägt nun diesen zauseligen Haarkranz, der von den Locken übrig blieb. Er hat die weiche Stimme eines netten Märchenonkels, und sagt: „Ich bin nicht mehr der zarte Junge, sondern ein alter amerikanischer Entertainer mit einem komischen britischen Akzent.“ Er holt Luft, der letzte Satz sorgt für den großen Jubel dieses Abend: „Aber die Stimme ist zurück.“

Garfunkel eröffnet mit „April, Comes She Will“. An der Gitarre Tab Laven, ein Mann, der sich unwohl fühlt im Rampenlicht, er streichelt die Saiten, zupft und krault sie, er schafft die Lagerfeueratmosphäre, ohne die das Repertoire nicht denkbar ist: „The Boxer“, „Scarborough Fair“. Das sind die Lieder aus der großen Zeit von Simon & Garfunkel, dem Folkrock-Duo, das sich als bessere Hippies verstand. Besser angezogen, musikalisch besser ausgebildet. Simon hat die Songs geschrieben, Garfunkel hat ihnen mit seiner Stimme den Schmelz gegeben. Immer noch singt er hoch wie ein Mädchen, auch seine empfindsame Gestik wirkt in Berlin feminin. Immer wieder die Hände vors Herz, als Zeichen des Dankes.

Garfunkels Keyboarder streut Süßstoff in die Lieder, die drei Männer auf der Bühne wissen, welche Schlagzahl hier erwünscht ist: Die Seele möchte baumeln, kein Tanzbein soll animiert werden. Im Original kennt man die Werke zweitstimmig, Garfunkel schultert sie jetzt stimmlich ganz allein. Klappt das?

Es klappt verdammt schön, „The Sound Of Silence“ etwa klingt wie eine Unplugged-Version des Originals. Die akustischen Fassungen sind jetzt in Mode, und man glaubte, bei Simon & Garfunkel geht es gar nicht mehr akustischer, weil schon die Originale reduziert geklungen haben. Am Sonntag hört man sie in einem Minimal-Gewand. Der Saal lauschte ergriffen.

Zwölf Soloalben hat Art Garfunkel veröffentlicht, ohne durchschlagende Wirkung, doch sein Hit „Bright Eyes“ hat überlebt. Vor allem spielt Garfunkel in Berlin die Kompositionen von Paul Simon aus der gemeinsamen Zeit. Simon wiederum hat diese Lieder in seinen Konzerten hinter sich gelassen. Er schulte um auf Weltmusik.

Im vergangenen Jahr hat Art Garfunkel den alten Freund als „Idiot“ bezeichnet, weil der vor Jahrzehnten die Trennung des Duos betrieb. In Berlin bietet er eine andere Lesart: „Wir bleiben Freunde!“ Harmonie war Sonntag Trumpf.

Von Lars Grote

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