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Kultur Auch Idioten dürfen inspirierend sein
Nachrichten Kultur Auch Idioten dürfen inspirierend sein
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15:55 21.02.2018

Kaffee, Schokolade und Elektroschrott – unser Konsum ist nicht gerade von hohen moralischen Ansprüchen geprägt. Vieles, das wir verschlingen – egal ober bio oder nicht – ist tausende Kilometer von uns entfernt auf verwerfliche Art entstanden. Getrieben von Profitgier, gestützt von dem Wissen, dass sich egal wie perfide die Umstände sind, immer einer finden wird, der die Drecksarbeit erledigt. Letztlich geht es um Macht. Ausgerechnet in der Kultur beäugen wir seit Beginn der #MeToo-Debatte genauestens, wie das finale Produkt entstanden ist. Uns interessiert bei einem Film verstärkt, wie integer der Typ ist, der ihn gedreht hat und lassen prüfen, von wem das Geld für die Produktion stammt. Edelmann oder Ekelpaket? 

Das gilt auch für die Berlinale in diesem Jahr. Direktor Dieter Kosslick und sein Team haben nach eigenen Angaben mehrere Filme nicht ins Programm genommen, weil der jeweilige Regisseur des sexuellen Missbrauchs verdächtigt werde. Warum aber darf dann der südkoreanische Filmemacher sein neues Werk „Human, Space, Time and Human“ zeigen? Eine Schauspielerin bezichtigt ihn, sie bei Dreharbeiten zu einem anderen Film geschlagen und zu Sexszenen gezwungen haben, die nicht im Drehbuch standen. Den Schlag ins Gesicht hat der Regisseur sogar zugeben, ein Gericht verurteilte ihn dafür, fand für die anderen Vorwürfe aber keine Beweise.

Kim Ki-duk darf trotzdem kommen. Bedingung war, dass er sich der Diskussion und Fragen nach seinem (Fehl-)Verhalten stellen würde. Gut so, gieren wir doch nach Filmen, die uns neue Bilder für altvertraute Abgründe vor Augen halten. Solange nicht bewiesen ist, dass er neben der Ohrfeige weitere, insbesondere sexuelle Straftaten begangen hat, gilt: Kim Ki-duk mag ein Ekel sein, ein Regie-Berserker, der seinen Schauspielern das Gefühl für ihre Charaktere mit fragwürdigen Methoden einzutrichtern versucht. Aber seine Filme schaffen es durch virtuose Bildsprache genau diese dem Menschen innewohnende Gewalttätigkeit zu thematisieren. Und mal ganz generell: Auch Idioten können inspirierend sein. In „Human, Space, Time and Human“ geht es übrigens um Vergewaltigung, Mord und den Überlebenskampf sehr unterschiedlicher Menschen, die mit einem Kriegsschiff in See stechen. Es wäre schade, wenn das Filmplakat so aussehen würde wie das Beiblatt einer Speisekarte: Könnte Spuren von Demütigung enthalten.

Männer, Frauen und wie von ihnen erzählt wird: Das dürfte bei dieser Berlinale bis zum Finale in einer Woche Thema bleiben. Die ersten Wettbewerbsfilme haben schon mal ordentlich Anschauungsmaterial geliefert.

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