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Kultur Auf den Spuren vom „Faust“
Nachrichten Kultur Auf den Spuren vom „Faust“
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18:16 31.03.2018
Das Wasser fließt, „vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ – und irgendwo sind Enten, die herrlich ziellos ihre Wege suchen. Quelle: Detlev Scheerbarth
Bad Belzig

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; / Im Tale grünet Hoffnungs-Glück; / Der alte Winter, in seiner Schwäche, / Zog sich in raue Berge zurück.

Ein Spaziergang ist in unserer Zeit die einzige Gelegenheit, den Kopf mitzunehmen, wenn man sich fortbewegt. Alles, was Räder hat, überholt die Gedanken. Alles, was Flügel hat, lässt gar keinen Gedanken mehr zu. Und vom Surfen reden wir hier besser nicht. Das Internet bewegt sich in einem Tempo, dem intellektuell nicht zu folgen ist. Zum Glück ist der mobile Empfang um Bad Belzig herum mau, um nicht zu sagen: komplett ausgefallen. Jedenfalls auf dem Handy des Wanderers, der sich freut, der Natur ins Gesicht zu schauen. Da ein Baum, dort eine Wiese, irgendwo ein Vogel, der singt, doch sich nicht zeigt.

Kaum eine Passage aus Goethes „Faust“ ist bekannter und beim Zitieren beliebter als der Osterspaziergang, der von der Auferstehung der Natur spricht. Lässt sich dieser Gang auf die brandenburgische Wandergegend um Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) herum verlegen? Ein Versuch ist es Wert. Auf der Suche nach Frühling und Mephisto.

Im Gepäck der „Faust“ in einer Ausgabe von Reclam, immer noch sehr gelb, nicht vergilbt, damals für 2,30 Mark gekauft. Das Buch wog viel in einem Schülerleben, obwohl es sehr leicht in der Hand liegt. Nur eine Flasche Wasser muss neben „Faust“ mit auf die Tour.

Ist Goethe ein guter Wandergefährte? Er war ein Monologisierer, er war es gewohnt, dass die Leute ihm an den Lippen hingen und mitschrieben. Er muss jetzt in eine Gegend, die er nicht kennt. Damit er innehalten kann und nicht wieder alles erklären will. Bad Belzig ist ihm fremd. Den Terrain-Kurwanderweg 4 hat er nicht gesehen. Man kürzt ihn TK 4 ab.

„TK“, das ist auf dem Speiseplan im Kindergarten die Chiffre für „Tiefkühl“. Gestern gab es TK-Erbsen. Heute aber, das verspricht Goethes „Osterspaziergang“, sind Strom und Bäche vom Eise befreit.

Das Bächlein ist schiffbar

Es ist noch nicht Ostern zum Zeitpunkt dieses Ganges um Bad Belzig. An einem Werktag sollte man nicht zu viel Auferstehung erwarten. Aber das Eis ist wirklich fort. Das Bächlein ist schiffbar. Frei für die Enten, die hier verkehren. Ziellos. Und ist es nicht herrlich und ein Teil der Auferstehung, wenn man ziellos seine Wege suchen darf?

Von dort her sendet er, fliehend, nur / Ohnmächtige Schauer körnigen Eises / In Streifen über die grünende Flur; / Aber die Sonne duldet kein Weißes, / Überall regt sich Bildung und Streben, / Alles will sie mit Farben beleben; / Doch an Blumen fehlt’s im Revier, / Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Der TK 4 ist 6,3 Kilometer lang. Er bietet keine Postkartenmotive, es ist nicht einfach, ihn optisch in Erinnerung zu behalten. Er bietet sehr märkische Zutaten, er ist bewacht von Kiefern, die nicht für eine Jahreszeit stehen, sondern immer das gleiche Kleid tragen auf ihrem schlanken, rötlichen Stamm. Der Pfad ist eine Kulisse, die auf die Inszenierung wartet. Jeder ist sein eigener Regisseur auf diesem schönen, ruhigen Weg. Man kann ihn mit dem „Faust“ beschreiten, doch auch Fontanes „Wanderungen“ würden als Lektüre taugen.

Die 25. MAZ-Osterwanderung

Die Märkische Allgemeine Zeitung lädt am Ostermontag zur 25. Osterwanderung ein, sie führt von Petkus nach Merzdorf (Teltow-Fläming) und ist etwa zehn Kilometer lang.

Die Wanderung findet traditionell am Ostermontag statt. Premiere wurde im Jahr 1994 gefeiert, damals begann die Tour in Ludwigsfelde und endete in Thyrow.

Fast 24 000 MAZ-Leser haben an den Wanderungen teilgenommen.

Im Jahr 2002 war Petkus schon einmal der Ausgangspunkt, damals ging die Tour nach Ließen. Die Stadt Baruth war im Jahr 2009 Gastgeberort mit einer Wanderung nach Paplitz und zurück über den Weinberg.

Am Pekuser Sportzentrum liegt in diesem Jahr der Startpunkt, los geht es um 10 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen.

Blumen gibt es nur am Hang der Burg Eisenhardt, wo die Tour beginnt und endet. Aber geputzte Menschen? Im konkreten Fall gab es außer dem Autor gar keinen Menschen auf dem Weg. Nur eine kleine Schafsfamilie mit einem Osterlamm.

Kehre dich um, von diesen Höhen / Nach der Stadt zurückzusehen. / Aus dem hohlen, finstern Tor / Dringt ein buntes Gewimmel hervor. / Jeder sonnt sich heute so gern. / Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden, / Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, / Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden, / Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, / Aus der Straßen quetschender Enge, / Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht / Sind sie alle ans Licht gebracht.

Anstieg zum Schwarzen Berg, kleiner Bruder vom Hagelberg, der gut fünf Kilometer entfernt liegt und mit 200,24 Metern Brandenburgs höchste Erhebung ist. Vom Schwarzen Berg sieht man die Dächer Bad Belzigs, ein Rot, das mit gutem Willen an die Toskana erinnert. Doch der Hohe Fläming hat Vergleiche nicht nötig. Bad Belzig ist ein tiptop renoviertes Städtchen, das seine Traufhöhe niedrig hält. Da hinten der Kirchturm von St. Marien – dazu fällt einem das Lied „Etwas höher nur der Mond“ von Keimzeit ein, die populären Kinder der Stadt. Der ehemalige Schlagzeuger ist jetzt Belziger Bürgermeister.

Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge / Durch die Gärten und Felder zerschlägt, / Wie der Fluss in Breit’ und Länge / So manchen lustigen Nachen bewegt, / Und, bis zum Sinken überladen, / Entfernt sich dieser letzte Kahn. / Selbst von des Berges fernen Pfaden / Blinken uns farbige Kleider an. / Ich höre schon des Dorfs Getümmel, / Hier ist des Volkes wahrer Himmel, / Zufrieden jauchzet groß und klein: / Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Eine Weihnachtsbaumplantage an diesem Osterweg. Ein Briefkasten mitten im Wald, nicht vermodert, liebevoll bemalt, er gehört „Familie Ehrhardt“ und es steht „Zeitungen“ darauf. Doch kein Haus daneben. Das sind wundersame Zeichen am Wegesrand. Und schließlich taucht Mephisto auf, der Teufel, ohne den „Faust“ nicht zu denken ist: „Vorsicht vor dem Frauchen! Der Hund ist harmlos“ steht an einer Pforte, an der man besser nicht klopft.

Die Ente hilft bei der Auferstehung

Man darf Fausts Tour nicht beschönigen, Kindlers Literaturlexikon schreibt: „Sein Osterspaziergang mit Wagner führt ihn unter feiernde Bürger und Bauern, deren selbstzufriedenes Behagen ihm sein Ungenügen an der Beschränktheit der menschlichen Existenz und an der Widersprüchlichkeit seines eigenen Wesens nur noch schmerzlicher bewusst macht.“

Aber eine sehr gute Ente im asiatischen Restaurant am Belziger Markt versöhnt nach diesem Faust’schen Hadern. Auch das ist eine Form der Auferstehung.

Von Lars Grote

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