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Auf der Intensivstation: "Tristan" in Baden-Baden

Musik Auf der Intensivstation: "Tristan" in Baden-Baden

Internationaler geht es nicht: Man nehme einen britischen Dirigenten, die Berliner Philharmoniker, einen polnischen Regisseur, dazu Gesangsstars aus den Niederlanden und Australien. Heraus kommt eine zumindest musikalisch überzeugende Produktion von Wagners "Tristan".

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Eva-Maria Westbroek (Isolde) und Stuart Skelton (Tristan) im Festspielhaus Baden-Baden.

Quelle: Uli Deck

Baden-Baden. Die Erwartungen waren hochgeschraubt: Zum Auftakt der Osterfestspiele 2016 gab es im Festspielhaus Baden-Baden eine Neuinszenierung von Richard Wagners "Tristan und Isolde".

Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und international hoch gehandelte Solisten garantierten für die herausragende musikalische Qualität der Aufführung. Zu stemmen war ein solcher künstlerischer und finanzieller Kraftakt nur durch die Kooperation mit der Metropolitan Opera New York, der Polnischen Nationaloper Warschau und dem China National Centre for the Performing Arts Peking.

Wagners "Tristan" ist für Opernregisseure eine ständige Herausforderung. Die wesentlichen Elemente der Handlung werden nicht gezeigt, sondern erzählt. Wagner wollte mit der Geschichte von Liebessehnsucht und Liebestod musikdramatische Ekstase komponieren. Der Dichter und Operntexter Hugo von Hofmannsthal machte sich denn auch über das "Aufeinanderlosbrüllen zweier Geschöpfe in Liebesbrunst" lustig. Das Regieteam um den polnischen Regisseur Mariusz Trelinski verlegt die Handlung auf ein modernes Kriegsschiff. Tristan ist ein Marineoffizier, der vom Konflikt zwischen Liebessehnsucht und Pflichtbewusstsein zerrissen wird.

Bühnenbildner Boris Kudlicka überschüttet das Publikum mit gigantischen Video-Projektionen (Bartek Macias) und beeindruckenden Lichteffekten (Marc Heinz). Die Personenführung von Regisseur Mariusz Trelinski versagt aber an entscheidenden Punkten: Die große Liebesszene zwischen Tristan und Isolde im zweiten Akt gerät zum statischen "Rampensingen". Die erotische Ekstase kommt aus dem Orchestergraben. Und der Liebestod findet auf einem modernen Krankenbett inklusive "Tropf" statt: Tristan auf der Intensivstation.

Musikalische blieben hingegen kaum Wünsche offen. Wenn die Berliner Philharmoniker vom Konzertpodium in den Orchestergraben eines Opernhauses wechseln, ist das immer ein künstlerisches Ereignis. Und Sir Simon "zaubert"! Sein "Tristan" klingt ganz schlank, durchsichtig, fast wie französischer Impressionismus. Rattle liebt die dunklen Farben: Bassklarinette und Englisch Horn kommen wunderbar zur Geltung, und die legendäre Cellogruppe der Philharmoniker darf in satten Kantilenen schwelgen.

Eva-Maria Westbroek ist eine überzeugende Isolde mit ebenso sicherer wie warm klingender Höhe. Stuart Skelton bewältigt in seinem ersten Bühnentristan die Marathonpartie mit beeindruckender Kondition. Auch die anderen Solisten und der Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh) halten das hohe Niveau. Am Schluss: einhelliger Jubel durchsetzt mit leichten Buhs für das Inszenierungsteam.

dpa

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