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Kultur „Ich habe den Quatsch zum Beruf gemacht“
Nachrichten Kultur „Ich habe den Quatsch zum Beruf gemacht“
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20:46 04.11.2015
Mit viel Witz: der Komiker Chris Tall. Quelle: Promo
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Potsdam

Der 1991 in Hamburg geborene Chris Tall ist mit seinem neuen Soloprogramm „Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen ...“ am Donnerstag im Potsdamer Lindenpark zu erleben. Der Komiker erzählt darin mit viel Witz zum Beispiel von all den Tücken, wenn Eltern mit der neuen Technik umgehen.

MAZ: Was hältst du von Eltern, die ihren Kindern auf Facebook Freundschaftsanfragen verschicken?

Chris Tall: Es ist ein komisches Gefühl, mit den eigenen Eltern auf Facebook befreundet zu sein – aber schlimm finde ich das nicht. Man muss halt aufpassen, was man auf seiner Seite veröffentlicht.

Ist es wegen der Sozialen Netzwerke schwieriger geworden, Blödsinn anzustellen, weil es alle mitbekommen?

Tall: Man kann immer noch Quatsch machen, sollte aber nicht alles ins Netz stellen. Wer aber zum Beispiel zu seiner Mutter ein gutes Verhältnis hat, der kann auch auf Facebook mit ihr befreundet sein.

Du hast ein sehr gutes Verhältnis zu deiner Mutter – machst aber auf der Bühne Witze über sie…

Tall: … und meine Mutter findet das megacool. Du kannst solche Witze nur machen, wenn das Verhältnis stimmt. Als sie mein Buch aufschlug, sagte sie „Ja, das stimmt“, dann blätterte sie und sagte „Ja, das stimmt auch“ - und so ging das immer weiter.

Das Buch heißt „Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen“. Du machst viele Witze über Eltern, wie cool aber sind die Kinder – ist der Ausdruck „kindisch“ für dich ein Kompliment?

Tall: Das kommt auf die Situation an. Wenn ich mit meiner Freundin eine Kissenschlacht mache, bin ich gerne kindisch. Würde ich in einem Bewerbungsgespräch den Chef nach einem Lolli fragen, wäre das auf dumme Art kindisch. Generell tut es aber jedem gut, ein bisschen Kind zu bleiben.

Du warst in der Schule schon der Klassenclown. Was ist aus deinen Mitschülern geworden – ist der Streber immer noch ein Streber?

Tall: Die, von denen gesagt wurde, aus denen wird nichts, haben tolle Jobs. Die Streber studieren, die mittelguten Schüler sind praktischer orientiert – die machen einfach drauf los, so wie ich.

Bereust du Witze, die du in der Schule gemacht hast?

Tall: Ich habe nicht gemobbt und war auch kein Mobbing-Opfer, ich gehörte nicht zu den ganz coolen Schülern, aber auch nicht zu den Strebern. Hänseleien fand ich immer blöd. Allerdings habe ich sehr viele Witze gemacht, zu viele! Diejenigen, die lernen wollten, waren irgendwann genervt. Aber egal – jetzt habe ich den Quatsch zum Beruf gemacht.

Du bist 24 Jahre alt. Wenn du weiter Witze über Schule und Eltern machst, könntest du als spätpubertärer Comedian enden.

Tall: Ich weiß, was du meinst. Zum Glück habe ich mich aber weiterentwickelt. In dem Programm, mit dem ich in Potsdam auftrete, spielt die Schulzeit keine Rolle mehr.

Dein neues Thema ist offensichtlich die politische Korrektheit. In der Show „TV Total“ hast du dazu aufgerufen, über alle Witze zu machen – auch über Minderheiten.

Tall: Ja – und das ist etwas ganz anderes als zum Beispiel Mobbing. Wer mobbt, nimmt sich selbst sehr ernst. Die fühlen sich unangreifbar, finden sich furchtbar cool und machen keine Witze über sich selbst. Wenn jemand keine Witze über schwarze Menschen macht, weil sie schwarz sind, ist das Rassismus. Schwule, Behinderte, Schwarze – das sind ja angeblich Randgruppen. Der Ausdruck gefällt mir nicht, weil das einfach Menschen sind und wenn ich gleichzeitig über die und mich selbst Witze mache, zeige ich, wie ähnlich wir uns alle sind. Sonst würde ich die ja ausschließen.

Wie reagieren die vermeintlichen Randgruppen?

Tall: Ich hatte gerade einen Auftritt in Stuttgart, nach einem Witz über Behinderte waren alle still. Es war zu merken – die wissen nicht, ob sie lachen dürfen. Die drehten ihre Köpfe zu einem Rollstuhlfahrer. Der fing an zu klatschen und alle haben gejubelt.

Der Auftritt am Donnerstag im Lindenpark ist bereits ausverkauft. Das Buch „Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen“ ist erschienen bei Carlsen, 144 Seiten, 9,99 Euro

Von Maurice Wojach

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