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Kultur Ausbruch aus dem Realen
Nachrichten Kultur Ausbruch aus dem Realen
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21:42 21.02.2018
Tapp und Tastkino von Valie Export 1968 auf dem Münchener Stachus. Quelle: sixpackfilm
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Berlin

Die Revolution wurde 1968 auch im Kino geprobt. Während das Festival in Cannes nach Protesten von Filmschaffende, darunter Jean-Luc Godard und Francois Truffaut, sogar abgebrochen werden musste, flogen auf der Berlinale Eier gegen das Film-Establishment. Die diesjährige Berlinale erinnert an die Aufbruchstimmung jener Zeit mit einem Spezial in der Abteilung Berlinale-Shorts. „1968 – Rote Fahnen für alle“ dokumentiert wie sich der revolutionäre Geist dieser Jahre auch in der Filmästhetik niederschlug. Er prägte zum Teil eine Filmsprache, die damals revolutionär gewesen sein muss, die heute aber kaum noch Aufsehen erregt. Trotzdem lohnt es sich, diese zum Teil recht experimentellen Kurzfilme noch anzusehen.

Die Realität sollte nicht nur gefilmt, sondern durch den Film verändert werden. Peter Nestler produzierte 1967 für das schwedische Fernsehen einen Film über die Geschichte des Ruhrgebietes. Er zeigte den damals schon absehbaren Niedergang der stolzen Arbeiterschaft und er lässt sie von ihrer Niederlage gegen die Nationalsozialisten in den 30er-Jahren erzählen. Ernst Schmidt drehte einer Reihe von „Aktions- und Destruktionsfilme“ in denen zum Beispiel in der Episode „Kunst & Revolution“ nackte Menschen in Wien einen Hörsaal auf den Kopf stellten. In „Farbtest Rote Fahne“ von Gerd Conradt rennen die Protagonisten im Dauerlauf mit einer roten Fahne durch Westberlin, um sie schließlich am Schöneberger Rathaus zu hissen.

Mehr als plumpe Agit-Prop

Das klingt zum Teil nach plumpem Agit-Prop. Es war aber auch ein formaler Aufbruch. Neue Wege wurden gesucht. So arbeiteten Birgit und Wilhelm Hein in ihrem 20 minütigen „Rohfilm“ mit zerstörten Bildern, die sie mit Hilfe einer Montagetechnik neu zusammensetzten. Das Ergebnis ist pure Dekonstruktion, wodurch jede Möglichkeit einer Erzählung verhindert wird. Ein ästhetisches Erlebnis, das die Grenzen des Films sprengte und eher in eine Art bewegte Malerei mündete.

Feministische Kritik lange vor #Metoo

Der Gedanke, der dahinter steckte: Die gewohnten, kommerzialisierten Bilder sollten zerstört und mit ihnen die Realität, die sie abzubilden vorgaben, verändert werden. Ein besonders provokativer Wurf für die damalige Zeit wagte die österreichische Medienkünstlerin Valie Export mit einer als feministisch verstandenen Kritik am patriarchalen Frauenbild. Auf dem Stachus in München standen Frauen, denen ein guckkastenähnlicher Karton vor die Brust geschnallt wurde. Jeder Mann der wollte, durfte vorne durch eine Öffnung in den Kasten greifen und eine Minute fühlen und tasten. Die Aktion wurde von einem Marktschreier angepriesen und mit feministischen Parolen untersetzt. Auch gewaltiges theoretisches Rüstzeug wurde aufgefahren: „Die Desertion der Körper als Double des Realen verlangt die Verweigerung des Bildes“, heißt es in dem Film an einer Stelle. Ob das dem mehrheitlich männlichen Publikum zu denken gab und was die Herren der Schöpfung in dem Kasten zu spüren bekamen wird nicht gezeigt. Auch wenn eine derartige Aktion heute kaum noch als emanzipatorisch durchgehen würde, sie zeigt: #MeToo schon 1968 ein Thema.

Nächste Vorstellung: 25.Februar, 19.30 Uhr, Zoo Palast 2

Von Mathias Richter

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