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Axel Prahl und Regisseur Jochen Alexander Freydank stellen in Potsdam den Film „Der Bau“ vor

Interview Axel Prahl und Regisseur Jochen Alexander Freydank stellen in Potsdam den Film „Der Bau“ vor

Der 2009 mit dem Kurzfilm-Oscar prämierte Regisseur Jochen Alexander Freydank (47) hat sich an Kafkas Erzählung „Der Bau“ gewagt und sie mit Axel Prahl verfilmt. Prahl spielt einen Mann, der permanent um seine Sicherheit fürchtet. Er verschanzt sich in einen festungsartigen Wohnkomplex, doch die Bedrohung nimmt für ihn weiter zu. Regisseur Jochen Alexander Freydank erzählt von der Arbeit zu diesem düsteren Drama.

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Oscarpreisträger Jochen Alexander Freydank

Quelle: Weyrich, Jürgen

Potsdam. Kafkas 1923 verfasste, Fragment gebliebene Erzählung „Der Bau“ inspirierte den Berliner Regisseur zu einer Verfilmung. Sie handelt von einer selbstzerstörerischen Abschottung von der Welt.

MAZ: Herr Freydank, wann haben Sie zum ersten Mal Franz Kafka gelesen?

Jochen Alexander Freydank: Zum Glück war Kafka keine Schullektüre in der DDR. Wenn sie mich dort mit dem Autor gequält hätten, wäre er mir wohl für Jahrzehnte vergällt worden. So habe ich mit 17, 18 Jahren Kafka aus freien Stücken und mit viel Vergnügen gelesen.

Was hat Sie besonders an dem Buch „Der Bau“ gereizt und an dessen Verfilmung?

Freydank: Kafka hat uns noch heute viel zu sagen. Im „Bau“ geht es um große Themen wie Überwachung, Sicherheitswahn, das Einmauern – all das passiert ja jetzt gerade bei uns und Kafka hat das vor 90 Jahren geschrieben. Das hat mich interessiert. Außerdem waren die Kafka-Verfilmungen bislang immer so gekünstelt, irgendwie ästhetisch retro, die Szenerie war schwarz-weiß, die Häuser schief und die Gassen eng. Ich hatte da immer andere Bilder vor Augen, ich wollte einen modernen Kafka-Film machen.

„Der Bau“ ist die Geschichte eines Tieres, das sich manisch um die Sicherheit seiner Behausung kümmert. Für Ihren Film haben Sie das Geschehen in die Menschenwelt verlegt. Wie schwer war es, das zu schreiben?

Freydank: Das war ein langer Weg! Vor zehn Jahren hatte ich die erste Fassung fertig und im Laufe des Schreibens entwickelte sich ein Mensch aus der Mittelklasse, mit Job und Familie, in ein fast tierartiges Wesen. Und mit dem Protagonisten verwandelt sich auch seine Umgebung.

Am Ende Ihres Films ist Franz, die von Axel Prahl gespielte Hauptfigur, allein. Seine Familie ist weg, seine Wohnung zerstört, die Umgebung in Trümmern. Es ist eigentlich alles zerstört. Das ist nicht gerade ein klassisches Happyend.

Freydank: Es ist keine positive Vision, aber für ihn ist es eine Befreiung, ein Ausbruch und letztlich eine Chance für einen Neuanfang. Einmal schaut er sich inmitten diesen Trümmern eine Schneeflocke an und lächelt dann ein wenig. Wie Axel Prahl das macht ist großartig. Da kriege ich immer noch Gänsehaut.

Überhaupt sind Ihre Darsteller alle gut. Neben Axel Prahl spielen Josef Hader, Roland Wiesnekker, Robert Stadlober. Wie haben Sie diese beeindruckende Riege zusammenbekommen?

Freydank: Alle haben mir sehr schnell zugesagt, obwohl es kaum Geld gab. Diese tollen Momente, mit diesen Schauspielern zu arbeiten, hat mich dann doch sehr für die jahrelangen Mühen dieses Projekts entschädigt.

Warum hat es denn solange gedauert, bis der Film fertig war?

Freydank: Auf dem Filmfestival in Edingburgh traf ich vor Kurzem eine Frau, die vor zehn Jahren noch beim Filmboard gearbeitet hat, dem Vorgänger vom jetzigen Medienboard. Sie freute sich, das der Film raus ist, damals hatte das Filmboard nämlich keine Drehbuchförderung gegeben. Und das zog sich leider weiter so hin, die Finanzierung war sehr schwer, ich musste auch privates Geld investieren.

Aber Sie sind doch Oscarpreisträger! Öffnet diese Auszeichnung nicht alle Türen?

Freydank: Leider nein. Ich musste viel betteln und habe schließlich für weit weniger gedreht, als ich sonst für einen normalen Fernsehfilm zur Verfügung habe. Aber jetzt bin ich froh, der Film läuft auf Festivals in Warschau, Shanghai, Busan und kommt jetzt ins Kino.

Welche Projekte stehen jetzt an? Schreiben Sie wieder an einem Drehbuch?

Freydank: Nein, jetzt drehe ich drei Fernseh-Krimis, für die ich aber die Drehbücher nicht geschrieben habe. Vor kurzem lief im ZDF die Komödie „Große Fische, kleine Fische“ mit Dietmar Bär und Uwe Ochsenknecht, da habe ich auch die Geschichte geschrieben. Ich brauche immer mal wieder ein Kontrastprogramm!

Interview: Claudia Palma

info „Kafkas Der Bau“, vorgestellt am 7. Juli, 18.45 Uhr von Axel Prahl & Jochen Alexander Freydank, Thalia-Kino Potsdam, Karten: 0331/74 370 20. Kinostart: 9. Juli

Von Claudia Palma

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