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Bad Hersfeld: Wedel will Festspiele weiter verändern

Theater Bad Hersfeld: Wedel will Festspiele weiter verändern

Seine Verpflichtung im vergangenen Spätsommer glich einem Paukenschlag: Dieter Wedel wird Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Von großem Rummel begleitet ging der Star-Regisseur nach der Ära bei den Nibelungenfestspielen in Worms an die neue Aufgabe bei dem renommierten Freilicht-Theaterfestival.

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Dieter Wedel in der Stiftsruine von Bad Hersfeld.

Quelle: Uwe Zucchi/Archiv

Bad Hersfeld. l. Rund fünf Wochen nach dem Saisonauftakt sind nun alle sieben Premieren über die Bühne gegangen. Das Zwischenfazit fällt positiv aus. "Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, steuern wir auf eine hervorragende Saison zu", sagte Wedel der Deutschen Presse-Agentur.

Zahlen zum Zuschauerzuspruch und den Einnahmen aus Ticket-Verkäufen will Wedel zwar nicht nennen. Er verrät aber: "Wir haben eine sehr gute Auslastung - und das trotz des wechselhaften Wetters." Nicht nur der Wirtschaftsplan scheint aufzugehen. Auch die künstlerische Bilanz stimmt. Die Theaterstücke und das beeindruckende Musical "Cabaret" bekamen überwiegend anerkennende bis begeisterte Kritiken.

Bad Hersfeld hatte sich von dem 72 Jahre alten Filmemacher (u.a. "Der Schattenmann", "Die Affäre Semmeling", beide ZDF) einiges erhofft. Und die Erwartungen wurden erfüllt. Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) sagte, Wedels Verpflichtung sei der "richtige Schritt" gewesen: "Das Interesse an den Festspielen ist beeindruckend. Wedel bringt die Stadt ins Gespräch." So viel Freude mit den Festspielen hätten Bürger und Besucher lange nicht mehr erlebt.

Die Saison endet zwar erst am 6. August, doch bereits jetzt geht Wedels Blick nach vorn. Er will die Festspiele in der 66. Saison im kommenden Jahr weiter reformieren. Das Programm soll gestrafft, das Profil geschärft werden: "Sieben Stücke waren zu viel. Eine Reduzierung könnte ich mir gut vorstellen", meint der Regisseur. "Ich frage mich, ob das Leipziger Allerlei, das wir anbieten, das Richtige ist. Die Zuschauer wollen doch wissen, was sie erwartet."

Das alte Gemäuer der Stiftsruine, einer bedeutenden romanischen Kirchenruine, schränke das Themenspektrum ohnehin ein, glaubt Wedel. Auch deshalb will er künftig Stücke auswählen, die sich mit dem Thema Religion auseinandersetzen. "Das ist ein spannendes Thema für die nächsten Jahre. Dazu könnte ein Stück über den Kirchen-Reformer Martin Luther gehören. Es lädt auch zu einer Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ein", sagt Wedel.

Ungeklärt ist für ihn, ob die Theaterfestspiele und das folgende Opernfestival künftig kombiniert werden. Er will die Festspiele 2016 nicht Anfang Juni, sondern ein paar Wochen später beginnen lassen - wegen der Aussichten auf stabiles Sommerwetter. "Die Stücke könnten auch etwas früher beginnen, nicht erst um 21.00 Uhr." Seine Änderungen für mehr Komfort und Aufenthaltsqualität für die Zuschauer erwiesen sich in diesem Jahr bereits als voller Erfolg.

Zu einer Rückkehr nach Bad Hersfeld will Wedel Volker Lechtenbrink, den früheren Festspiel-Intendanten, bewegen. 2012 hatte dieser als Schauspieler, 2013 als Regisseur ein vom Publikum gefeiertes Comeback gegeben. Wedel weiß, wie wichtig es ist, Schauspieler mit Renommee, Charisma und Bekanntheitsgrad zu engagieren.

Für seine Debütsaison und Feuerprobe stellte er deswegen ein Star-Aufgebot zusammen. Prominente Schauspieler lockten die Zuschauer in Scharen in die Stiftsruine. Namen wie Sonja Kirchberger und Cosma Shiva Hagen, Heinz Hoenig und Mathieu Carrière, Helen Schneider und Judy Winter machten das Publikum neugierig. Wedel spielte die Promi-Karte - und der Plan ging auf.

Damit es mehr hübsche Fotos gibt - vor allem in bunten Blättern und Formaten der Medienlandschaft - ließ Wedel die Promis zum Auftakt über den roten Teppich flanieren. "Festspiele brauchen Farbe. Von Dieter Wedel haben sie neuen Glanz bekommen", befand Schauspielerin Franziska Reichenbacher, auch als ARD-Lottofee bekannt. In Bad Hersfeld wirkte sie in Wedels "Komödie der Irrungen" mit und war Autorin und Vorleserin des Kinderstücks "Die Eule".

Neben viel Glamour gab es aber auch weniger bekannte Könner zu sehen: Herausragende Schauspielleistungen boten Bühnen-Asse wie Lars Rudolph (Wedel: "Einer der größten deutschen Bühnenschauspieler"), der mit dem Großen Hersfeld Preis ausgezeichnete Christian Schmidt und Stephan Schad.

Selbst Vorgänger-Intendant Holk Freytag - aktuell noch als Regisseur dabei - ist beeindruckt von seinem Nachfolger. "Die Resonanz in dieser Saison ist großartig. Respekt, wie er Dinge durchsetzt, die er haben will." Der Star-Intendant profitierte auch stark von Freytags Vorarbeit für das Programm 2015. Freytag war noch während der Saison nach einem eskalierten Dauerstreit mit Bürgermeister Fehling um die Finanzen entlassen worden. Freytag glaubt, dass Wedels eigene Handschrift noch gar nicht zu erkennen ist. Erst bei der Festspielgestaltung 2016 werde man einen besseren Eindruck bekommen.

dpa

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