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Balkan im Fokus

Zeitgenössisches bulgarisches Kino im Filmmuseum Potsdam Balkan im Fokus

Drei Tage rückt das Potsdamer Filmmuseum zeitgenössisches Kino aus Bulgarien in den Mittelpunkt. Ab Freitag werden Filme gezeigt, die vom Erwachsenwerden handeln, den Zusammenbruch des Kommunismus und das nachfolgende Chaos beschreiben, vor allem jedoch ganz normale Menschen zeigen, die inmitten von Armut und Korruption für ihr Glück kämpfen.

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Bulgarische Filmtage in Potsdam: „Tilt“ – der erfolgreichste bulgarische Film aller Zeiten.

Quelle: Promo

Potsdam. Als die Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff in ein Berliner Reisebüro spaziert und nach einem Flugticket nach Bulgarien verlangt, kann der Mann hinter dem Tresen nicht glauben, was sie von ihm will. „Ausgerechnet Bulgarien?“, fragt er, „es gibt doch so viele schöne Länder, warum denn dorthin?“ Der Mitarbeiter zählt die Alternativen auf, Spanien, Griechenland, die Türkei, doch die Jüdin Schrobsdorff lässt sich nicht beirren. Sie will zurück in das Balkanland, in dem sie 1938 bis Ende des Zweiten Weltkrieges Zuflucht vor den Nazis fand und wo sie, wie sie in Interviews betont, die einzigen glücklichen Jahre ihres Lebens durchlebte.

Der Regisseur Hristo Bakalski lacht, während er diese Anekdote erzählt, die namensgebend war für seine Dokumentation über die Autorin und nun auch für die Reihe, die das Potsdamer Filmmuseum ab Freitag dem zeitgenössischen Kino des Balkanlandes widmet und die Bakalski initiiert hat. Drei Tage lang sind Filme über das Erwachsenwerden im Programm, über den Zusammenbruch des Kommunismus und dem Chaos das folgte, vor allem jedoch über ganz normale Menschen, die inmitten von Armut und Korruption für ihr Glück kämpfen.

In dem ärmsten aller EU-Länder regiert die Mafia, die alles und jeden in der Hand hat, vom einfachen Tomatenbauern bis zum Parlamentsabgeordneten. Bulgarien führt in seltsamen Rubriken die Statistiken an: korruptestes Land der EU, zeitweise höchste Selbstmordrate und höchste Anzahl von Luxusautos pro Einwohner, was wiederum an der organisierten Kriminalität liegt. „Das stimmt alles so, aber Bulgarien ist natürlich noch viel mehr“, sagt Hristo Bakalski und verweist auf die Filme, „die die Probleme erfassen, jedoch auch eine große Sympathie für die Menschen wecken, die gastfreundlich sind und die die wunderschöne Landschaft zeigen.“

Tatsächlich sieht man immer wieder diese Berge, die in dem Land allgegenwärtig sind und in den Filmen vorbeiziehen. Man kommt gar nicht ohne sie aus, wenn man etwas von dem Land zeigen will, so wie in „Avé“ von Konstatin Bojanov. Ein Road Movie, in dem sich eine junge Frau von der grauen Kulisse der Hauptstadt löst und lügend und betrügend quer durch das Land bis an die Donau trampt, wo sie sich erst zu verlieren droht und am Ende ihre Liebe findet.

Man sieht den Balkan auch in „Tilt“, wenn auch mehr im Hintergrund. Der Film von 2011, der eine Liebesgeschichte vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beleuchtet, gilt als einer der erfolgreichsten bulgarischen Filme überhaupt und als Hoffnungsträger für das Kino des Landes, dass in den vergangenen Jahrzehnten brach lag.

„Wenn ich früher mal zwei Stunden Zeit hatte, bin ich mit meinen Kindern in eines der mehr als 30 Kiezkinos in Sofia gegangen. Heute gibt es in der ganzen Stadt maximal noch fünf“, erzählt Hristo Bakalski, dessen Film ebenfalls im Programm laufen wird. Mit den Filmtagen will der Regisseur schaffen, was im eigenen Land schwer geworden ist, die Werke auf großer Leinwand zu zeigen.

Informationen: Ausgerechnet Bulgarien. Filmtage im Filmmuseum Potsdam vom 22. bis 24. Mai.

Von Marion Schulz

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