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Nachrichten Kultur Barbara Köppes Fotos von Ost-Frauen
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00:31 05.11.2015
Selbstbewusst und im geblümten Dederonkittel: eine Arbeiterin im VEB Kosmetik-Kombinat. Quelle: Barbara Köppe
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Berlin

Das war Glück. Ursula Röper entdeckte in einem Archiv ein Foto, das Barbara Köppe einst in einer diakonischen Einrichtung im thüringischen Mechterstädt aufgenommen hatte. Die Berliner Publizistin wollte es gern für ihr Buch „Die Kunst der Nächstenliebe“ über behinderte Menschen in der DDR. Eines Tages, 2012, rief sie bei ihr an. Die beiden kamen ins Gespräch. „Barbara Köppe sagte mir, dass sie sich zurückgezogen hätte und seit 2007 mit der Fotografie nichts mehr macht“, erzählt Ursula Röper. „Es gäbe aber ein paar Bilder, die seien noch nie gezeigt worden. Ob ich Lust hätte, mir diese mal anzuschauen.“

Und bald, beim Besuch, kramte diese ihre Schwarz-Weiß-Fotos aus einer Kiste. Wahre Schätze. „Ich fand es ziemlich lohnenswert, dass man sich darum kümmert.“ Nun kann man eine Auswahl von 135 Aufnahmen im Berliner Willy-Brandt-Haus in der Ausstellung „Das (de)konstruierte Glück. Fotografien DDR 1964 – 1990“ sehen. Ursula Röper hat sie kuratiert.

Im Mittelpunkt steht der Zyklus „Frauen – Schönheit – Schicht“ von 1988/89. Nahezu unbekannt. Ein ganzes Jahr ging seinerzeit ins Land, ehe der Bildjournalistin erlaubt wurde, im VEB Kosmetik-Kombinat zu fotografieren. In Betriebsteilen wie in Berlin, Miltitz, Döbeln oder Waldheim sind dann an die 200 Fotos entstanden, allein 45 davon werden gezeigt. Sie hatte sich bewusst dieses Kombinat ausgesucht, denn dort waren drei Viertel der 8500 Beschäftigten Arbeiterinnen. Die Lebenssituation der Ost-Frauen hatten sie schon immer interessiert.

Zunächst war Barbara Köppe allerdings geschockt: Sie rollten gebückt die schweren Fässer, zogen wuchtige Klappkarren, trugen weder inmitten der Dämpfe Arbeitsschutzmasken noch Handschuhe, wo sie mit Chemikalien hantierten. Und erst die hinfälligen Maschinen aus den 1920ern und diese desolaten Rohre. Realsozialistische Produktion. Sie wusste, kaum eine Zeitung würde sowas drucken. Doch genau in diesem Umfeld wollte sie die Frauen, die Florena-Creme, Wimperntusche, Shampoos & Co. herstellten, porträtieren. Eine rosarote-Brille hatte sie dabei nicht auf.

Sie nahm sich Zeit. War behutsam. Erst wenn Nähe aufgekommen war, sich die Frauen auf sie eingelassen hatten, drückte sie auf den Auslöser. „Die Fotos sollten Ausdruck meines Respektes gegenüber den anderen Frauen sein, deren Alltag überwiegend grau, beschwerlich, monoton und infolge überalteter Technik oft unzumutbar schien“, sagte Barbara Köppe. Und was für authentische Zeugnisse es geworden sind. Wie jene Nahaufnahmen von Frauen, die in Dreierreihen hängen. Die Lippen zusammengepresst, lächelnd, skeptisch blickend oder voller Aufmerksamkeit. Allesamt stolz und selbstbewusst.

Porträts und Fotoreportagen

Geboren wurde Barbara Köppe 1942 in Magdeburg. Nach Abitur Ausbildung an der Technischen Berufsfachschule des Lettevereins in Westberlin.

Sie war Fotografin bei der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft (DEWAG), danach bis 1970 für den „Sonntag“, die „NBI“, „Wochenpost“ und „FF Dabei“ tätig.

Für die Künstleragentur der DDR und kirchliche Einrichtungen war sie bis 1980 mit ihrer Kamera unterwegs.

Von 1982 bis 1983 entstand der Werkzyklus „15 Versuche über Frauen in künstlerischen Berufen“. Nach der Wende arbeitete sie bis 1995 fürs Berliner Maxim-Gorki-Theater, dann noch einige Jahre als Porträtfotografin.

Ausstellung „Barbara Köppe: Das (de)konstruierte Glück. Fotografien DDR 1964 - 1990“, bis 15. November, Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, Berlin, Di-So 12 bis 18 Uhr.

Beim Thema Schicht, was „jetzt ist Pause“ meint, wie Ursula Röper erklärt, sind Momente des Ausgelaugtseins festgehalten. Mit Plastik-Häubchen sitzt eine Arbeiterin einsam vor ihrer halbvollen Milchflasche im ungemütlichen Aufenthaltsraum mit Sprelacarttischen. Fast einschlafend, den Kopf in die Hände gestützt. Hinter ihr Honecker im Bilderrahmen.

Überhaupt: Müde sehen viele der Frauen aus. Auch jene im Blaumann, die ihre Füße auf einen Hocker gelegt hat und fast apathisch eine Zigarette raucht. Sinnt sie darüber nach, dass sie daheim noch die Kinder ins Bett bringen und den Haushalt schmeißen muss? Auf zur zweiten Schicht. Selbst die ölverschmierten, abgearbeiteten Hände einer Frau an einem Schraubteil durfte Barbara Köppe nah zeigen.

Doch da sind auch die lebensfrohen Gesichter – bei aller Mühsal der Arbeit. Ist all das Kraftvolle. Und dass die Frauen auf sich achteten. Manche haben die Nägel lackiert, die Augen geschminkt, Schmuck angelegt. Ist es auch nicht ihr Lieblingskleid, so tragen sie ihre geblümten Dederonkittel doch voller Würde. Selbst im dreckigsten Winkel einer Werkshalle hat Barbara Köppe Schönes entdeckt. Einzig bei der Generaldirektorin des Kosmetik-Kombinats - in adretter Bluse - steht der Name dabei: Christa Bertag. Diese half nach all den Jahren beim Sichten der Bilder.

Sie zeigen Arbeiterinnen auch als Mütter. Auf einem hat eine Frau ihr Baby im Tragetuch vorm Leib. In der linken Hand den Einkaufskorb, läuft sie eilig unter der Wäscheleine mit den Windeln hindurch. Die Ost-Frau, die so vieles auf einmal managte. Zwischen allem zerrieben und gehetzt. Eine Heldin des Alltags.

Als die digitale Farbfotografie zunahm, wollte die in Potsdam aufgewachsene Fotografin diesen Trend nicht mitmachen und legte ihre Kamera in die Ecke. Doch nicht, bevor sie 1990 noch einige Bildnisse von sich selbst im Kasten hatte. Mit Maske oder nackt hinter Glas.

Schon zeitig arbeitete sie mit viel Licht, später gehörten zu ihren Stilmitteln auch Spiegelungen und Brechungen. Oft ließ sie bewusst die Perforation des Films beim Abzug dran, um zu beweisen, dass sie in der Dunkelkammer am Motiv nicht manipulierte.

Von Künstlerinnen wie Schriftstellerin Christa Wolf oder Malerin Núria Quevedo schuf sie 15 wunderbare Porträt-Serien. Und frühe Auftragsarbeiten Barbara Köppes, die u. a. für die Wochenzeitung „Sonntag“, die „Neue Berliner Illustrierte“ (NBI) und die „Wochenpost“ tätig war, werden ebenso präsentiert. So zur Fotoreportage „Wer bekommt eine Wohnung?“ in der NBI-Ausgabe 41 von 1967. Eine achtköpfige Großfamilie aus Wittenberg steht im Hof ihres schäbigen Daheims. Und dann der Einzug in den Plattenbau. Endlich Zentralheizung statt Kohleofen. Welch ein Glück.

Von Angelika Stürmer

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