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Kultur Barberini: Plattner zeigt, wie es innen aussieht
Nachrichten Kultur Barberini: Plattner zeigt, wie es innen aussieht
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21:34 28.04.2016
Die Brücke von Argenteuil des Impressionisten Gustave Caillebotte. Quelle: Privatsammlung, Scan: RECOM ART
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Potsdam

Ortrud Westheider ist keine Frau, die halbgare Sachen macht. Entweder ganz oder gar nicht. Von Berlin aus nach Potsdam zu pendeln, so wie es manche Werktätige in Brandenburgs Landeshauptstadt halten? Das kommt für die neue Direktorin des Museums Barberini am Alten Markt nicht infrage. Stattdessen wohnt Westheider, die zuvor jahrelang erfolgreich das Bucerius-Kunstforum in Hamburg leitete, nun seit Ende März mittendrin in der Stadt: An der Brandenburger Straße. Dort, wo besonders viel Leben ist in der Stadt.

Barberini-Direktorin Ortrud Westheider. Quelle: Köster

Neues Leben kommt gerade auch wieder in Potsdams alte Mitte rund um den Landtag. Das Museum Barberini, gestiftet vom Mäzen und Software-Unternehmer Hasso Plattner, wird eines der glanzvollen Zugpferde dieser Entwicklung sein. Im Krieg wurde das Barock-Kleinod zerstört. Nach dreijähriger Bautätigkeit ist der Nachbau fast fertig. Am 23. Januar 2017 öffnet das Haus mit der großen Eröffnungsschau „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ seine Pforten.

Bei der offiziellen Vorstellung von Ortrud Westheider als Barberini-Direktorin am Donnerstag gab es bereits einen räumlichen Eindruck von dem Museumsbau. Das Foyer mit den meterhohen Säulen und dem Blick zur Havel macht einen imponierenden Eindruck: „Wir sind unter dem Budget geblieben“, sagte Plattner. Launiger Nachsatz: „Und wir haben auch alle Brandschutzauflagen erfüllt“, witzelte der gut aufgelegte Museumsgründer, der aus Kalifornien eingeflogen war.

Hasso Plattner und seine Tochter Steffi am Alten Markt. Quelle: Köster

Für seine neue Direktorin, die auf den überraschend ausgeschiedenen Gründungsdirektor Peter Joch nachfolgt, war Plattner voll des Lobes. Sie verfüge nicht nur über hervorragende internationale Kontakte, sondern auch über das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit potenziellen Leihgebern. „Wir sind mit ihrer Hilfe etwas bescheidener und etwas freundlicher geworden“, pries Plattner die souveräne Herangehensweise Westheiders.

Was die Kunstwerke der Auftakt-Schau angeht, ließ sich Plattner schon ein bisschen in die Karten schauen. Renoir, Berthe Morisot, Eugène Boudin, Monet. Ein ganzer Raum wird Seerosenbildern gewidmet sein, aber auch unbekannte Aspekte wie die Auseinandersetzung der Impressionisten mit der industriellen Revolution sollen nicht zu kurz kommen. Einen klingenden Leihgeber-Namen gab Plattner auch noch preis: Microsoft-Gründer Bill Gates wird eines der Gemälde aus seiner Kunstsammlung zur Verfügung stellen – welches, wurde allerdings noch nicht verraten. Nur dass Gates’ Abgesandte schon zu Gast in Potsdam waren und sich sehr zufrieden über den Ausstellungsort gezeigt hätten.

Seerosen: Ihnen wird in der Impressionisten-Ausstellung ein ganzer Raum gewidmet. Quelle: Privat

Außerdem plauderte der Mäzen ein bisschen aus dem Nähkästchen: Bei einem Treffen habe ihn Gates gefragt, ob er, Plattner, tatsächlich alle seine Bilder alleine ausgesucht habe. Für den Museumsgründer käme etwas anderes gar nicht infrage: Ausgesucht wird natürlich selber – gern aus dem Bauch heraus. „Ich entscheide innerhalb von fünf Sekunden, ob mich etwas ästhetisch anspricht.“ Wasserlandschaften zählen zu den Favoriten des passionierten Seglers. Die zweite Schau im Museum Barberini vom 17. Juni bis 30. Oktober 2017 trägt den Titel: „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“. Die dritte Ausstellung gegen Jahresende 2017 wird die DDR-Kunst zum Inhalt haben. Bereits zuvor wird sich ein monografischer Raum mit Werken von Wolfgang Mattheuer befassen – im Zusammenhang mit der dauerhaften Präsentation von Mattheuers riesiger Skulptur „Jahrhundertschritt“ im Garten des Museums. Plattner sammelt ostdeutsche Kunst; sie wird den Kern-Bestand des Museums ausmachen.

Blick ins Foyer des neuen Museums. Quelle: Köster

Die anderen Kunstwerke seiner Sammlung befinden sich hingegen in Kalifornien. Sie sollen vorerst auch dort bleiben und nur zu Ausstellungen nach Potsdam gebracht werden, sagte Plattner im Zusammenhang mit dem geplanten Kulturgutschutzgesetz, das er scharf kritisiert: „Eine Fehlkonstruktion.“ Die Konsequenzen auf den Kunstmarkt seien gravierend, bereits jetzt würden deutsche Privatsammler ihre Bilder verstärkt zu verkaufen versuchen.

Doch die Unmutsfalten, die sich dank des Gesetzes kurzzeitig auf Plattners Stirn abzeichneten, waren bald geglättet. Denn: „Wir wollen das Museum Barberini als Potsdamer Perle entwickeln, auf die wir mit Neugierde und Anerkennung blicken können.“

Von Ildiko Röd

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