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Bassiona Amorosa gibt Jubiläumskonzert

Musikleben Bassiona Amorosa gibt Jubiläumskonzert

Klaus Trumpf hat sein Leben einem Musikinstrument gewidmet, das fast nie im Vordergrund steht. Der Kontrabassist gründete vor 20 Jahren das Ensemble Bassiona Amorosa, das bisher 21 CDs eingespielt hat und 2014 den Musikpreis „Echo“ erhielt. Ein Besuch in seinem Potsdamer Atelier.

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Nicht ohne meinen Kontrabass: Das Ensemble Bassiona Amorosa ist ein besonderer Klangkörper.

Quelle: SLAVICA

Potsdam. Zwischen den vielen Partituren, Büchern und Fotos springt der Musikpreis Echo dem Besucher kaum ins Auge. Dabei ist es durchaus ein erhebendes Gefühl, die elegante Schallwellen-Skulptur einmal zur Hand zu nehmen und ihr Gewicht zu spüren. Unten eingraviert steht der Preisträger „Bassiona Amorosa“ und die Jahreszahl „2014“. Klaus Trumpf erhielt den deutschen „Grammy“ als spiritus rector eines Kontrabass-Ensembles, das weltweit seinesgleichen sucht und das am heutigen Samstag in Potsdam sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Wenig Platz für raumgreifende Instrumente im Palais Lichtenau

Eigentlich ist der Auftritt im Palais Lichtenau am Heiligen See nur die Vorfeier, denn das große Jubiläumskonzert findet am morgigen Sonntag in der Berliner Philharmonie statt. In den frühklassizistischen Räumen in Potsdam wird der freundliche und energische Mann Mühe haben, alle seine Musiker nebeneinander zu präsentieren. Denn sieben der raumgreifenden Streichinstrumente auf einen Streich – dafür bedarf es eigentlich einer breiten Bühne.

Schon der Vater zupfte daheim in Görlitz die vier Saiten

Klaus Trumpf ist das, was man eine Koryphäe nennt. Er hat dem denkwürdigen Instrument, das über fünfeinhalb Oktaven reicht, sein ganzes Leben gewidmet. Der Kontrabass wurde ihm 1940 gewissermaßen in die viel zu kleine Wiege gelegt, schon sein Vater strich und zupfte die vier Saiten als Orchestermusiker in Görlitz.

Memoiren – im Eigenverlag veröffentlicht

Mit 19 Jahren bestand Klaus Trumpf dann sein Probespiel an der Deutschen Staatsoper Berlin und war der einzige Kontrabassist, der in der DDR eine Soloplatte aufnehmen durfte. Wäre er im Sommer 1989 nach einem Engagement in Bayreuth nicht im Westen geblieben, wären seine Memoiren mit dem Titel „Ein Kontrabass reist um die Welt“ deutlich dünner ausgefallen. Das Buch, das er gerade als Privatdruck herausgebracht hat, verbindet 364 Seiten persönliche Erinnerungen mit einem 130-seitigen Anhang, der die wichtigsten Wettbewerbe und Symposien der Kontrabass-Szene dokumentiert. Denn eigentlich ist Klaus Trumpf „Mister Kontrabass international“. Auch nach seiner Zeit als aktiver Musiker kommt keine Jury, ob in Russland oder in den USA, an seiner Erfahrung vorbei.

Seine musikalische Liebe hängt an vier Saiten

Seine musikalische Liebe hängt an vier Saiten: Klaus Trumpf.

Quelle: Promo

Als Professor hat Klaus Trumpf die klassische Ausbildung am Instrument geprägt. Seit 1967 lehrte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Und da ihm die Kollegen an der Lindenoper seine „Republikflucht“ nicht verziehen und den „Verräter“ nach der Maueröffnung nicht wieder in ihre Reihen aufnahmen, wurde München zum Nabel seines Enthusiasmus’. Voller Stolz spricht er heute von „17 grandiosen Jahren“ an der dortigen Musikhochschule. Viele seiner Schüler besetzen heute erste Pulte in großen Orchestern und sind in ihre Heimatländer zurückgegangen.

Sie alle halten ihrem alten Professor die Treue, obwohl Klaus Trumpf 2005 emeritiert wurde und von München nach Potsdam zog. Die Geburtsstunde von Bassiona Amorosa schlug 1996 anlässlich einer Faschingsfeier an der Musikhochschule in München. Damals waren es vier Studentinnen seiner Meisterklasse, die dann auch eine erste CD einspielten. Inzwischen sind unter Trumpfs beständiger Leitung 21 CDs erschienen und für die 20. gab es vor zwei Jahren den „Echo“ in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“.

Denn der Musiker, der selbst mit Klassikern wie Haydn, Sperger oder Gabriel Fauré brillierte, liebt es poppig. „Musiker, die auch jazzen können, verfügen über eine Gottesgabe“, sagt er. „Bei unseren weit über 600 Konzerten weltweit haben wir stets auf Abwechslung gesetzt. Was wir spielen, ist rhythmus- und melodiebetont“, so Trumpf. Als Zugabe gibt es manchmal Astor Piazzola oder einen Beatles-Song, gesetzt für unterschiedlich große Besetzungen. Klaus Trumpf ist kein Purist, zwei Pianistinnen lockern das eine oder andere Arrangement auf.

Erfolgreich unterwegs

2003 wurde Bassiona Amorosa der „Europäische Quartettpreis“ verliehen, 2004 die Bach-Plakette, 2014 der „Echo Klassik-Preis“.

Klaus Trumpfs Erinnerungsbuch „Ein Kontrabass reist um die Welt“ ist bei Amazon zu beziehen. (Taschenbuch 39,90 Euro, E-Book 14,99 Euro). Außerdem gab er viele Noten und Übungsbücher heraus.

Das Jubiläumskonzert der sieben Kontrabassisten und zwei Pianistinnen wird mit einem Stück eröffnet, aus dem der Namen des Ensembles Bassiona Amorosa abgeleitet wurde: „Passione amorosa“ von Giovanni Bottesinis (1821–1889). Als temperamentvoller „Rausschmeißer“ hat sich die „Ungarische Rhapsodie Nr 2.“ von Franz Liszt bewährt. Außerdem stehen fünf Uraufführungen auf dem Programm.

Konzerte: 19.3., 19 Uhr, Palais Lichtenau, Kurfürstenstraße 40, Potsdam; 20.3., 15 Uhr, Jubiläumskonzert Berliner Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Berlin-Tiergarten

Wie kommt es, dass Bassio Amorosa über einen so langen Zeitraum durchgehalten hat? Anders als so viele Streichquartette, die kommen und gehen? „Jeder kann bei uns jede Stimme spielen und ist leichter zu ersetzen“, erklärt Trumpf. Bei einem Streichquartett verfügen die Instrumente jeweils nur über einen beschränkten Tonumfang. „Die Verträge mache ich oft schon zwei Jahre im Voraus. Die Musiker müssen sich ja langfristig eine Aushilfe organisieren und eine Woche frei nehmen.“

Doch wenn man in seine begeisterten Augen schaut, ahnt man, der eigentliche Magnet ist er selber. Klaus Trumpf ist eine Autorität und der gesellige Mittelpunkt. Um ihn und die alten Studienkollegen wiederzusehen, nehmen die Kontrabassisten aus Georgien, Russland, Weißrussland, Serbien, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz die Reise zum Jubiläumskonzert auf sich.

Von Karim Saab

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