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Bayreuths braune Vergangenheit

Musik Bayreuths braune Vergangenheit

Man kann nicht behaupten, die dunkle Vergangenheit der Bayreuther Festspiele und der Familie Wagner werde in diesem Sommer unter den Teppich gekehrt. Die Stadt Bayreuth belässt die erstmals 2012 präsentierte Ausstellung "Verstummte Stimmen" dauerhaft am Grünen Hügel.

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Das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth.

Quelle: Nicolas Armer

Bayreuth. l. Wer also in den Pausen der Aufführungen im Park unterhalb des Festspielhauses flaniert, kann sich darüber informieren, wie bereits lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Bayreuth jüdische Sänger und andere Mitwirkende ausgeschlossen wurde. Auch wird ihr Schicksal weitergezeichnet - das dann unter der Naziherrschaft nicht selten im Exil oder im Tod endete.

Und im nach der Sanierung und Erweiterung wiedereröffneten Richard-Wagner-Museum Haus Wahnfried spielt die Ideologiegeschichte eine große Rolle: Die Verstrickungen der Familie Wagner mit den braunen Machthabern kommt ebenso auf den Tisch wie Richard Wagners Judenfeindlichkeit. Das Siegfried-Wagner-Haus ist dazu für Besucher geöffnet worden, hier nächtigte einst Hitler, und hier lebte Wagners Schwiegertochter Winifred, die bis zu ihrem Tod 1980 eine glühende Nationalsozialistin blieb. Ausstellungsstücke gibt es hier nicht. Stattdessen Filmmaterial auf Monitoren und eine Stimme aus dem Off.

Wer allerdings hofft, das berühmte Filminterview, das Regisseur Hans-Jürgen Syberberg 1975 mit Winifred Wagner geführt hatte, zu sehen, wird enttäuscht. Zugegeben, der Streifen ist fünf Stunden lang - und sprengt damit sogar Wagner-Opern-Format.

Zunächst hätten die Museumsverantwortlichen aber zugesagt, den ganzen Film zu zeigen, sagt der heute 79-jährige Hans-Jürgen Syberberg der Deutschen Presse-Agentur. Dann sei es nur mehr um fünf Minuten gegangen - um drei kurze Sätze auf Superbreitwand-Monitor, den der Besucher nur in der Hocke einsehen könne. "Also sagte ich ab", erklärt Syberberg.

Er habe jedoch zuvor noch einen Kompromissvorschlag gemacht: Wenn der Film zu sperrig für den Ausstellungsparcours sei, dann könne man ihn in einem von ihm installierten Sonderraum zeigen. Syberberg bot an, Bilder dazuzustellen, die der spätere langjährige Festspielchef Wolfgang Wagner in Wahnfried bei den Besuchen Hitlers gemacht habe. Doch auch dazu kam es nicht.

Diese Bilder waren nun kürzlich in der Wochenzeitung "Die Zeit" zu sehen. Die Aufnahmen sind aus heutiger Sicht beklemmend: Denn sie zeigen, wie harmonisch und locker es zuging, wenn Hitler bei den Wagners zu Gast war. Der Diktator als guter Freund. Im Gespräch mit dem Komponisten-Enkel Wieland Wagner. Angehimmelt von Winifred. Scherzend mit Verena und Friedelind Wagner, den Schwestern von Wieland und Wolfgang. Syberberg schilderte in der "Zeit", wie er an die Aufnahmen kam: Die Bilder stammen aus Filmaufnahmen Wolfgang Wagners, dessen Sohn Gottfried hatte sie Syberberg im Rahmen der Arbeiten zum Winifred-Film gezeigt. Für den Film selbst verwendete Syberberg das Material nicht - aber er fotografierte es ab.

Museumschef Sven Friedrich sagt, die fünf Stunden Film im Museum zu zeigen, hätte keinen Sinn gemacht . "Wir wollten daher dokumentarisch und historisch zentrale und wichtige Passagen des Films zitatweise in die von uns gewählte Präsentation von Dokumenten, Bildern, Texten und Fotos auf Blogmonitoren einbinden", erklärt er. "Sowohl mit der Art und Weise der Präsentation als auch der Auswahl der gewünschten Szenen war Herr Syberberg jedoch leider nicht einverstanden und hat uns daher die Nutzung untersagt." Auch weitere Möglichkeiten habe man vergeblich ausgelotet - etwa den Film ungekürzt im museumseigenen Kinosaal zu präsentieren.

Winifred Wagner sagte in dem Interviewfilm, der offiziell "Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried" heißt, unter anderem: Käme Hitler heute zur Tür herein, "ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer".

dpa

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