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Nachrichten Kultur Ein Bruder von Michael Jackson erteilt der Show „Beat it!“ in Berlin seinen Segen
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15:23 30.08.2018
Doppelgänger von Michael Jackson in „Beat it!“. Die Uraufführung fand am 60. Geburtstag des „King of Pop“ im Theater am Potsdamer Platz, Berlin, statt. Quelle: Dominik Gruss
Berlin

Just am Mittwochabend, dem 60. Geburtstag von Michael Jackson, feierte die Show „Beat it!“ im Theater am Potsdamer Platz in Berlin ihre Weltpremiere. Da die Nachlassverwalter des 2009 verstorbenen „King of Pop“ einen Anwalt in München engagiert haben, der die deutsche Produktion per Gerichtsbeschluss verhindern soll, interessierte die Juristen im Parkett vor allem, ob es sich bei der Bühnenarbeit um ein verkapptes Muscial handelt.

Die in Passau ansässige Cofo Entertainment Group wirbt damit, dass „Beat it!“ „mehr als eine Tribute-Show“ sei. Doch bei einem Musical müsste die Produktionsfirma offenbar die Rechte beim US-amerikanischen Jackson-Clan einholen. Über die Klage wird erst in den nächsten Wochen entschieden. Cofo-Geschäftsführer Oliver Forster vertritt die Position, es reiche, für die 25 Jackson-Songs, die in „Beat it!“ unverändert aufgeführt werden, an die Gema Gebühren abzuführen.

Wenige szenische Tupfer

War es ein Musical? Nein, denn es gibt nur eine Geschichte, die diese Show mit Nachdruck erzählt, und das ist die des märchenhaften Erfolges von Michael Jackson. Die zweieinhalbstündige Aufführung vergegenwärtigt, wie überwältigend Jacksons Lieder, Bewegungen und Choreografien auf Menschen wirken. Die wenigen szenischen Tupfer zwischendurch wirken dagegen aufgesetzt und auch ein bisschen hilflos.

Zwei Sänger verkörpern das 2009 gestorbene Idol. Der Brite Koffi Missah imitiert den jungen Michael, der den Jackson Five 1985 den Rücken kehrte. Der Südafrikaner Dantanio Goodman schlüpfte in die Rolle des erwachsenen King of Pop. Und das mit einer Leidenschaft, mit Energie und Präzision, dass die Besucher nie das Gefühl haben, einem Betrug oder nur einem billigen Abklatsch aufzusitzen. Im Gestus und gesanglich kommt Goodman dem doch eigentlich unnachahmlichen Popstar bemerkenswert nah. So legte er bei „Billie Jean“ auch einen Moondance hin, der Begeisterungsstürme auslöst. Zehn weitere Tänzer und Mitsänger sowie eine fünfköpfige Liveband wirken in der Retro-Show mit.

Die Spiegel-Metapher zieht sich durch

Regisseurin Andreana Clemenz und Choreograf Alex Burgos ziehen viele Register, um bei jedem Song mit neuen Effekten zu punkten. Die Spiegel-Metapher durchzieht das Spektakel, was sich ja schon mit dem Song „Man in the Mirror“ (Mann im Spiegel) rechtfertigen lässt. Am Anfang ermutigt die Mutter den kleinen Michael, im Apollo-Theater in Harlem aufzutreten, indem sie ihm einen Taschenspiegel reicht und verheißt, er müsse nur immer wieder in den Spiegel schauen, um zu sehen, wie er ein ganz Großer wird. Bewegliche Spiegelelemente auf der Bühne versinnbildlichen den Narzissmus des Popstars. Und am Ende, wenn Jackson wegen seiner Skandale zum Gejagten wird, zerschmettern diese Spiegel. Die zerstörerische Kraft geht hörbar in den Beat seiner Lieder ein.

Als Jäger treten fünf Journalisten in Zeitungsanzügen auf. Doch dieses Klischee trauen sich die Künstler im Zeitalter der Fake-News-Anschuldigungen dann doch nicht ernsthaft auszuspielen. Die eingeschobenen Dialoge und Pointen erweisen sich oft als Rohrkrepierer. Aber über diese Schwachpunkte trösten die vielen kraftvollen Tanznummern hinweg. Zu kurz kommen leider die pantomimischen Gebärden, die Michael Jackson als sein Markenzeichen kultiviert hat. Ohne jede Magie werden der aufreizende Griff in den Schritt oder die lasziv von hinten ins Gesicht geschobene Hutkrempe zitiert.

Der vielseitige Perfektionist

Wie schwer es ist Jackson, das Original, zu kopieren, wird schon daran deutlich, dass in anderen Shows mehrere vermeintliche Doppelgänger aufgeboten werden, um all die schillernden Seiten des Sängers und Tänzers zur Geltung zu bringen. Jackson, der vielseitige Perfektionist, der Sänger und Tänzer, Songwriter und Marketing-Innovator, zelebrierte R&B-Groove und Funk so ultimativ wie Discokracher, dramatische Kunstlieder so eindringlich wie pathetische Hymnen. Dantanio Goodman kann in jeder Tonlage mithalten.

Die Retro-Show „Beat it!“ konkurriert derzeit mit „Thriller live“, einer anderen Tribute-Show, die unmittelbar aus den „Celebration“-Partys noch zu Lebzeiten des Popstars hervorging. Hier stehen gleich fünf Jackson-Darsteller auf der Bühne – Schwarze wie Weiße, Männer wie Frauen. Diese Unbestimmtheit ist möglich, weil der King of Pop im Laufe seiner 40-jährigen Karriere selbst die Rassen- und Geschlechtergrenzen infrage gestellt hat. Als androgyne Schönheit entwickelte er eigene Stereotype und funkte erotische Signale in alle Richtungen.

Überraschung nach stehenden Ovationen

Die Erben von Michael Jacksons planen, 2020 ein Michael-Jackson-Musical am Broadway herauszubringen. Mit dem Script wurde die Pulitzer-Preisträgerin Lynn Nottage beauftragt. Die deutsche Produktion „Beat it!“ soll bis Mai 2019 auf Tournee gehen.

Nach den stehenden Ovationen des Publikums am Mittwoch in Berlin konnte Produzent Oliver Forster noch einen Clou platzieren. Er bat Jermaine Jackson, den vier Jahre älteren Bruder von Michael, auf die Bühne. Und der gab zu Protokoll: „Es ist eine der besten Michael-Jackson-Shows, die ich jemals gesehen habe.“ Forster sprach daraufhin das drohende „Verbot“ offen an und sagte voller Hoffnung: „Ich glaube, wir haben heute ein klares Zeichen gesetzt.“

Von Karim Saab

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