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Kultur Bei Muse thronen die Drohnen
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11:30 04.06.2016
Muse haben am Freitag in Berlin gespielt. Quelle: dpa
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Berlin

Wo viele Menschen sind, geht meist was schief. Die weit mehr als 10.000 Muse-Fans in der Berliner Mercedes-Benz-Arena wollen ihrer Vorfreude Ausdruck verleihen. Gegrölte Sprechgesänge passen zu dem Art-Rock-Spektakel so wenig wie eine Pulle Bier zum Galeriebesuch. Also versuchen’s die Zuschauer mit La-Ola-Wellen. Blöderweise ist ein Tribünenteil abgedeckt, die menschliche Welle verebbt kurz, dann brandet sie wieder auf, ein paar Leute verpassen den Anschluss. Nicht perfekt, aber ganz hübsch.

Drohnen fliegen durch die Mercedes-Benz-Arena

So viel zum menschlichen Makel, nicht alles immer so hinzukriegen wie geplant. Der Rest des Abends gehört der Perfektion. Muse lassen zwölf von Drohnen besetzte Kugeln wie Ballons in der Arena umherfliegen. Sie folgen einer programmierten Choreografie, das Ballett der Maschinen umzingelt die in die Mitte des Innenraums gebaute Drehbühne, von der zwei Stege abzweigen und durchs Publikum verlaufen. Alles blinkt, sogar der Bass von Christoph Wolstenholme leuchtet.

Muse haben sich früh in ihrer Karriere für den Bombast entschieden

Manche Bands setzen erst dann auf den Bombast, wenn sie sich ihn leisten können. Pyrotechnik, Laser und Leinwände als Statussymbole des sich nach oben gespielten Stadionrockers. Muse aber haben sich früh für den Bombast entschieden. Schon zu Beginn der Karriere ließen sie Videos flimmern und schwarze Bälle aufs Publikum regnen. Der Sound ist so perfekt, dass man sich die drei Musiker kaum beim Schrammeln in der Garage vorstellen. Das ist Musik, die am Rechner entsteht und nicht bei Bier und Kippen im Proberaum. Was Perfektionsallergiker an der Ehrlichkeit moderner Rockmusik zweifeln lässt, verzückt die Meute der Muse-Fans umso mehr.

Sänger Bellamy wirkt ein wenig verhuscht

Die Drohnen sind dem britischen Trio, das live vom Keyboarder Morgan Nicholls unterstützt wird, mehr als nur Showeffekt. Ihr aktuelles Album „Drones“ dreht sich um das anonyme Töten und überhaupt darum, wie sich der Mensch in der Maschinenwelt verliert. Immer wieder schweben die Drohnen-Ballons umher, dann sammeln sie sich auf einer Konstruktion unterm Bühnendach – wie Lämmer nach dem Auslauf im Stall. Das ist imposant, ermüdend hingegen gerät der Blick auf die Drehbühne. Schlagzeuger und Keyboarder sind in der Mitte versteckt, auf der drehenden Scheibe wirken Nicholls und der Sänger Matthew Bellamy wie Krümel auf einem leeren Tortenteller. So beeindruckend seine Falsettstimme auch ist – Bellamy ist kein Freddie Mercury. Er wirkt eher verhuscht, kein charismatischer Frontmann, den man zwei Stunden beim Rauf- und Runterlaufen im Auge behält. Die Konstruktion mag Bühnentechniker begeistern, aber nur weil eine Rolltreppe gut rollt, ist sie ja nicht zugleich bestaunenswert.

Nach zwei Stunden macht die Drohnentruppe Feierabend

Dass die Show die Fans dennoch packt, liegt - allem visuellen Schnickschnack zum Trotz - an der Musik. Muse knallen dem Publikum brettharte Klassiker wie „Citizen Erased“ vor die Stirn, inszenieren pompöse Werke wie das letzte Stück „Knights of Cydonia“ mit einem Ennio-Morricone-Intro und lassen Radiohits wie „Madness“ und „Super Massive Blackhole“ groovig wie von Prince klingen.

Nach zwei Stunden haben Muse und ihr Drohnentruppe Feierabend. Der Jubel ist groß. Das rührt selbst einen distanzierten Rockstar wie Bellamy. Er unterbricht seinen Abgang, hält für ein paar Selfies am Zaun und umarmt einen Fan. Auch Perfektionisten haben ein Herz.

Von Maurice Wojach

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