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Ben Becker: „Ich habe Angst vor dem Bösen“

„Ich, Judas“ im Berliner Dom Ben Becker: „Ich habe Angst vor dem Bösen“

Launig, wie immer, gibt sich Ben Becker im MAZ-Interview. Er spricht über Judas, das Böse, David Hasselhoff und welche Parallelen er in der Bibel zum Kommunismus sieht. Am Mittwoch tritt er mit seinem neuen Solo-Programm „Ich, Judas“ im Berliner Dom auf.

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Ben Becker

Quelle: Foto: Fritz Brinckmann

Berlin. In seinem neuesten Stück spielt Ben Becker Judas, einen der schlimmsten Verräter in der Menschheitsgeschichte. Am Mittwoch ist Premiere im Berliner Dom. Der 50-Jährige befasst sich immer wieder mit biblischen Themen. Im MAZ-Interview sagt er, was ihn daran reizt und ob sein neuestes Projekt größenwahnsinnig ist.


MAZ:
Sie spielen den vermeintlich schlimmsten Verräter der Menschheitsgeschichte im größten Gotteshaus Berlins – drunter ging’s nicht, oder?

Ben Becker: Tatsächlich plante ich gerade einen Abend mit Texten von Walter Jens, als die kulturelle Leitung vom Berliner Dom mit fast derselben Idee bei mir anrief. Es sollte ein kleiner Abend werden – der ist es jetzt nicht mehr.

Größenwahn?

Becker: Ja, vielleicht ist unser Projekt ein bisschen größenwahnsinnig. Ich habe Lampenfieber, klar, aber mir ist wichtig, den Text zu transportieren, habe aber das Gefühl, selbst auf dem Prüfstand zu stehen.

Die These ist, dass Jesus ohne Judas kein Messias geworden wäre.

Becker: Es wird gefragt, was geschehen wäre, wenn der Verrat nicht stattgefunden hätte und stattdessen Frieden herrschen würde. Ich habe keine Antwort darauf, aber Fragen finde ich ohnehin reizvoller als Antworten. Ich beneide Sie um Ihren Beruf.

Was würden Sie als Interviewer Judas fragen wollen?

Becker: Wie das Wetter damals war. Wenn es Judas wirklich gab, ist das 2000 Jahre her. Ich würde alles aufsaugen, was ich über diese Zeit erfahren könnte. Wie das war, mit Sandalen rumzulaufen, wie das Essen geschmeckt und die Luft gerochen hat.

Wieso befasst sich der eigentlich nicht allzu gläubige Ben Becker immer wieder mit der Bibel?

Becker: Was unterstellen Sie mir denn da, natürlich glaube ich! Vielleicht nicht im christlichen Sinne, ich glaube nicht an den alten Mann im Himmel mit weißem Bart und auch nicht, dass Jesus übers Wasser gelaufen ist. Der wird viel bedeutendere Dinge zu tun gehabt haben. Wenn ich einen Mann auf dem Wasser sehen will, kann ich mir David Hasselhoff in „Baywatch“ anschauen. Ich bin immer noch Kommunist und sehe in der Bibel Parallelen zum Kommunismus.

Welche?

Becker: Es geht um Ideale des Zusammenlebens. Alle Menschen werden Brüder. Kindliche Naivität und Liebe sind wichtig für uns. Sonst können wir beide uns sofort

Ben Becker im Berliner Dom


Der 50-jährige Schauspieler wurde in Bremen geboren und war schon als Kind an Hörspielen beteiligt. Später spielte der gelernte Theaterschauspieler unter anderem in „Schlafes Bruder“ und „Comedian Harmonists“ mit.

Mit seiner aufwendig inszenierten Bibel-Lesung trat er auf Tour vor mehr als 100 .000 Zuschauern auf.


Die Regie bei „Ich, Judas“ führt Ben

Die Vorstellungen am 18., 19. und 22. November im Berliner Dom sind ausverkauft. Karten gibt es noch für die Zusatzvorstellung am 12. März.

Reden wir lieber weiter über Judas und Ihr eigenes Badboy-Image.

Becker: Ich mag diese Anglizismen nicht. Wir reden nicht über irgendwelche Comics, sondern ernst zu nehmende Literatur. Was habe ich getan, das so „bad“ ist? Was ist so böse? Ich habe ein Leben lang gearbeitet, sorge für meine Familie, es stehen zwei Autos vor der Tür, meine Tochter hat ein Pferd. Ich bin manchmal gerne böse und frech, aber ich bin kein Bösewicht. Ich hinterfrage die bürgerliche Moral und finde es scheiße, wenn in Dresden die Leute durch die Straßen ziehen und sagen: „Flüchtlinge raus!“ Das sind Ärzte und Anwälte, die angeblich ihre Kinder in Sicherheit bringen wollen. Wir haben es mit einer Völkerwanderung zu tun: Wer hat die Menschen aus Syrien oder aus Griechenland verraten.

Wer?

Becker: Wir! Wer liefert denn die Waffen? Ich fahre auch gern einen 7er-BMW, aber ich weiß, dass das nicht wichtig ist. Ich kann darauf verzichten.

Zurück zum Badboy, Pardon, Bösewicht. Sie spielen Kindsmörder, Ganoven, Judas. Ist es Ihnen nicht irgendwann zu viel des Bösen?

Becker: Meine Tochter fragt auch, warum ich immer das Arschloch spielen muss.

Und?

Becker: Als Schauspieler versuche ich zu spielen, was mir Angst macht. Ich bin 50 Jahre alt und habe noch immer Angst vorm Bösen. Ich kann böse gucken. Trotzdem bin ich kein Arschloch. Aber was wäre das Kasperletheater ohne das Krokodil?

Leider interessiert sich keiner dafür, wie es dem Krokodil geht – Hauptsache, es wurde vertrieben.

Becker: Wenn eine Vorstellung vorbei ist, bin ich manchmal melancholisch oder sogar depressiv. Ich bin ein trauriger und verletzter Mensch. Aber manchmal liege ich auch an der Ostsee, schaue den Kindern beim Spielen zu und denke, dass alles zu etwas gut ist.

Von Maurice Wojach

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