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Benno Fürmann über die Neonazi-Satire „Heil“

„Wir erzählen eine universelle Geschichte“ Benno Fürmann über die Neonazi-Satire „Heil“

Ablachen über tumbe Neonazis! Der Potsdamer Filmhochschul-Absolvent Dietrich Brüggemann hat die bissige Gesellschaftssatire „Heil“ (ab Donnerstag im Kino) gedreht – mit Benno Fürmann in der Hauptrolle. Die MAZ sprach mit dem Kinostar über turbulente Dreharbeiten und schräge Einfälle.

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Szene aus „Heil“ mit Benno Fürmann (M.), Jacob Matschenz (l.), Jerry Hoffmann (2v.l.) und Daniel Zillmann.

Quelle: X-Verleih

Potsdam. Benno Fürmann (43, „Die Bubi Scholz Story“, „Der blinde Fleck“) gehört zu Deutschlands profiliertesten Schauspielern. Ab Donnerstag ist der Berliner in der Neonazi-Satire „Heil“ im Kino zu sehen.

MAZ: Herr Fürmann, wobei erwische ich Sie gerade?

Benno Fürmann: Bis vor fünf Minuten war ich zwei Stunden Schaulaufen für die Kostümbildnerin. Kostümproben, Drehbuchbesprechungen – ich stecke mitten in den Vorbereitungen für einen Fernsehfilm von Stefan Krohmer. Und schalte jetzt um auf „Heil“.

Die Neonazi-Satire „Heil“ feierte Weltpremiere beim Filmfest München, lief anschließend beim Festival im tschechischen Karlovy Vary im Wettbewerb. Wie kam der Film an?

Fürmann: In Karlovy Vary haben wir „Heil“ einem internationalen Publikum vorgestellt. Ich habe mich gefreut, dass an den richtigen Stellen die Hysterie des Films gespürt wurde. Wir erzählen ja eine universelle Geschichte, eingebettet in deutsches Lokalkolorit.

Sie spielen in „Heil“ den Neonazi-Anführer Sven – eine smarte Marionette des Verfassungsschutzes, der in Anzügen statt in Bomberjacke rumläuft. Darf man über Neonazis lachen?

Fürmann: Zunächst einmal war es sehr erfrischend, einen Neonazi zu spielen - einen kleinen Mann, der ein bisschen größer sein und einer Frau imponieren will und deshalb in Polen einmarschiert. In der Figur schwingt die Sehnsucht nach alter Größe mit, nach der harten Hand, die schon alles richten wird. Aber Demokratie in ihrer Komplexität hat eben keine schnellen Antworten parat. Und lachen darf man über alles, wenn man weiß, wo man steht. Lachen heißt, wir bewegen uns.

Wie dicht dran an der Realität ist „Heil“?

Fürmann: Schauen Sie sich den NSU-Prozess an! Das ist leider keine Satire. Die Opfer wurden relativ schnell zu den Akten gelegt, als türkisches Problem abgetan. Wenn der Verfassungsschutz seine Neonazi-V-Leute finanziert, die dann Straftaten begehen, wird Beihilfe geleistet. Leider auch keine Satire waren die No-Go-Areas zur WM 2006 in Deutschland – das war beschämend. Ich verstehe zwar die Frustration vieler Menschen, aber die Antworten darauf sind irre platt und menschenverachtend. Eine Gesellschaft, die die Schuld im Anderen sucht, ist unreif.

Sie haben das erste Mal mit dem Potsdamer Filmhochschul-Absolventen Dietrich Brüggemann gedreht.

Fürmann: Dietrich hat großes kreatives Potenzial und ist schnell und rege im Kopf. Er setzt gezielte Schlaglichter auf unsere Gesellschaft, auf unsere Geschichte. Doch er hat sich nie verleiten lassen, einen Halbschritt zu viel in Richtung Klamauk zu gehen. „Heil“ ist eine beißende Satire geworden, die moralisch nicht viel vorgibt. Alle bekommen eins auf die Rübe.

Der Film strotzt vor schrägen Einfällen wie dem Nazi-Hipster „Nipster“. Durften Sie mitspinnen?

Fürmann: Die eine oder andere Idee brachten wir ein, aber 90 Prozent stammen von Dietrich Brüggemann. Seine Vorlage war schon extrem steil, da gab es wenig zu verbessern.

In „Heil“ gibt es rekordverdächtige mehr als 120 Sprechrollen und Gastauftritte von Regisseuren wie Andreas Dresen und Musikern wie Heinz-Rudolf Kunze. Da war wohl viel los?

Fürmann: Da war ‘ne Menge los! Am Set befand sich ein Konglomerat unterschiedlicher Gestalten, die jeweils anders an die Sache rangingen: Die Schauspieler legten gleich los, die Regisseure waren erstmal schüchtern, die Musiker tasteten sich ran. Wir wurden jeden Tag neu überrascht. Da die Geschichte so viele Handlungsstränge hat, blieb nie viel Zeit, ausgiebig kleinteilig zu proben. Es ging nicht darum, ob man in einer Szene den Füller in der linken oder in der rechten Hand hält. Wir haben die Szenen gerockt!

Regisseur Dietrich Brüggemann und seine Schauspieler Jacob Matschenz, Liv Lisa Fries und Jerry Hoffmann präsentieren „Heil“ am Dienstag um 19 Uhr im Potsdamer Thalia-Kino, Rudolf-Breitscheid-Straße 50. Kartenreservierung unter 0331/7437020.

Von Ricarda Nowak

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