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Kultur Benny aus der Olsenbande zu Besuch in Potsdam
Nachrichten Kultur Benny aus der Olsenbande zu Besuch in Potsdam
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18:13 03.07.2018
Der dänische Schauspieler und Regisseur Morten Grunwald, bei der Olsenbande spielte er Benny. Quelle: DPA
Potsdam

Es braucht schon einen zweiten Blick, um in Morten Grunwald diesen Benny zu erkennen, der in den 70ern das Kino auf den Kopf gestellt hat. Benny ist gehüpft, manche sagen, es war sogar ein Ausfallschritt. Das ist Interpretationssache. Klar ist immerhin, dass Benny zu kurze Hosen trug, zu gelbe Strümpfe und zu ramponierte Hüte. Grunwald hat Benny, das Energiezentrum der Olsenbande, als nervöse, nahezu athletische und immer fröhliche Figur interpretiert. Das hat Eindruck hinterlassen. Wenn Babelsberg 03 ein Tor schießt, spielen sie das Titellied der Olsenbande. Ein Gutelaunestück mit einer Spur Bauernpolka.

Morten Grunwald ist jetzt 83 Jahre alt, er wohnt in diesen Tagen unterm Dach vom Mercure, dem Potsdamer Hotel, das alles überragt, was vom alten Preußen geblieben ist oder wiederaufgebaut wurde. Grunwald trägt einen vollen Bart und hat sein Temperament, wenn man die Olsenbande als den Maßstab nimmt, herabgedimmt. Er ist ein ruhiger Mann, der das Englisch sorgfältig sortiert, bevor er über alte Zeiten spricht. Grunwald wischt in seinem Handy, er sucht nach diesem Bild, als er Samuel Beckett in den späten 70ern in West-Berlin getroffen hat. Der Däne möchte seine Olsenbande nicht verleugnen, doch legt Wert darauf, dass es ein Leben vor und nach dem Benny gab, der ihm den Ruhm gebracht hat. Das Bild ist irgendwo verschüttet auf der Speicherkarte. Grundwald nimmt es stoisch.

„ ,Der große Coup’ war toll!“

Kann er sich sich die alten Olsenfilme noch anschauen, oder spürt er Überdruss? „Ich kann sie mir immer angucken“, er räumt jeden Zweifel aus, „es ist, als würde ich in einem alten Familienalbum blättern.“ Vielleicht wird er ein wenig melancholisch, wenn er sie heute sieht, „es war eine schöne Zeit, die wir zusammen hatten.“ Er beugt vor, denn er weiß, welche Frage kommt: „Nein, ich habe keinen Lieblingsfilm, auch meine drei Kinder und vier Enkel liebe ich alle gleichermaßen.“ Er sitzt und senkt den Kopf ein wenig, noch immer schiebt er seine Finger übers Handy. „Aber ,Die Olsenbande fährt nach Jütland’ und ,Die Olsenbande und ihr großer Coup’ waren schon toll.“ Er betrachtet das als Schlusswort dieser Qualitätsdebatte.

Die DDR hat nicht nur Benny geliebt, sondern auch Egon, gespielt von Ove Sprogoo und Kjeld (Poul Bundgaard). Nur Grunwald lebt vom Schauspieltrio noch. „Die DDR hat unser Leben verstanden, es war ein Kleinbürgerleben, wir hatten keinen Kühlschrank und lebten in kleinen Wohnungen. Wenn wir eingebrochen sind, wollten wir nur die Konfirmation des Kindes finanzieren, es gab nicht diese großen, weltstürzlerischen Ziele. Es hat uns Spaß gemacht, die Kapitalisten ein wenig zu rupfen. Aber nur ein wenig. In der DDR wussten sie, wovon wir reden.“ Den Westen hat so ein Humor kalt gelassen? Grunwald überlegt. „Die Synchronisation in der DDR war besser als im Westen“, glaubt er. „In der DDR habe ich sogar besser geklungen als in Dänemark!“ Er lacht. Ein seltenes Lachen.

Räume voller Tuborg-Bier

Grunwald ist nach Potsdam gekommen, um die Ausstellung über die Olsenbande im Filmmuseum zu eröffnen. Mitten in den Räumen stehen, hoch gestapelt, viele Kästen Tuborg-Bier, die Arbeitermarke aus Dänemark, die bei der Bande immer wieder vorkommt, wenn sie Kriegsrat halten. Dokumentiert werden Sätze aus den Filmen, die überraschend in der DDR gesendet werden durften, beispielsweise ein Zitat von Egon: „Dieses Land ist zu klein für mich, macht damit, was ihr wollt.“ Glanzstück der Schau ist Egons Nadelstreifenanzug. Dreimal sind sie nach Kopenhagen gefahren, um dem Besitzer die Leihgabe abzuhandeln. Lustigerweise ist er ein Polizist. Er hat sich in die Halunken verguckt. Was nicht so schwer fällt, denn die Drei aus der Olsenbande sind die anarchistischen Cousin von James Bond. In der dänischen Variante: Sie brauchten keine Knarren, nur gut platzierten Witz.

INFO: Mächtig Gewaltig! Ausstellung über die Olsenbande im Potsdamer Filmmuseum bis 17. Februar 2019. Di bis So 10-18 Uhr. Breite Straße 1A. www.filmmuseum-potsdam.de

Von Lars Grote

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