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Nachrichten Kultur So lief das Konzert von „Florence + The Machine“ in Berlin
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09:05 15.03.2019
Sängerin und Songwriterin Florence Welch live in der Berliner Mercedes-Benz-Arena mit ihrer Band Florenz + The Machine. Quelle: POP-EYE/Ben Kriemann
Berlin

Der Rock’n’Roll ist von lauter Frontmännern verseucht. Manche treten breitbeinig auf, andere kleben à la Oasis auf der Stelle und nähren den Mythos, unnahbar zu sein. Dann gibt es die wie Nutzvieh schuftenden Springsteens und Grohls, die mit „Seht-her-ich-bin-ein-Arbeiter“-Attitüde durchschwitzt die Klampfe kloppen. Im Kontrast zu all diesen kraftstrotzenden Alphatieren gleicht Florence Welch einem Kolibri, der einen federleicht umschwirrt und doch zielsicher in die Ekstase führt.

Tanztheater-Inszenierung nach kurzer Zeit

Die Show dauert erst ein paar Minuten, da gerät das Konzert von „Florence + The Machine“ zum ersten Mal zur Tanztheater-Inszenierung. Die Frontfrau reißt sich vom Mikroständer los, dreht sich im wallenden Gewand aus transparentem Stoff um sich selbst. Das lange rote Haar fliegt durch die Luft. Wie ein guter Geist auf finsterer Gruft reckt sie ihre Arme dem Licht entgegen. Wo andere stampfen, hüpfen und breitbeinig posieren, bewegt sich Welch barfuß in Pirouetten über die Bühne.

Die 32-jährige Britin hat im Popbusiness einen Sonderstatus inne. Mit orchestral arrangierten und zugleich eingängigen Songs über Scham, Selbsthass, und Schlaftabletten füllt sie Arenen, die sonst eher von Bombastrockern und Partyrappern gebucht werden. „Florence + The Machine“ haben mehr als sechs Millionen Alben verkauft, manche Songs erreichen fast 300 Millionen Nutzer beim Streaming-Dienst Spotify. Kurzum: Die Band macht Asche mit Anspruch und Florence Welch entfaltet insbesondere auf Frauen zugleich als Sprachrohr und Stilikone starke Wirkung.

Eine sphärische Stimmung

Auch bühnentechnisch unterscheidet sich das Konzert am Donnerstagabend in der Mercedes-Benz-Arena von anderen dieser Größe. Übereinander gelegte Holzschichten bilden die Bühne, von der Hallendecke flattern riesengroße Leinentücher wie Schiffsegel. Das wirkt auf natürliche Art schön und stimmig. Fast schon wie eine Öko-Variante der üblichen von Glitzer, Laser und Pyro geprägten Überwältigungsshows. In dem Ambiente kann Florence Welch Gesang und Stimme als Naturgewalten zelebrieren. Die achtköpfige Band, die zur Hälfte aus Frauen und Männern besteht, setzt sie wunderschön in Szene. Die Harfe dominiert den Sound wie es bei anderen Konzerten zwei E-Gitarren nicht schaffen. Die Klänge betonen die ohnehin sphärische Stimmung.

Besonders in Erinnerung bleiben Momente, in denen Welch, wie bei „Hunger“, vom Kampf mit sich selbst singt – in dem Fall geht es um eine Essstörung – und daraus Kraft für alle schöpft. Hits wie „Ship to Wreck“ und „Dog Days Are Over” erzählen ebenfalls vom Scheitern als Chance. Zugleich singt Welch so eindringlich, dass sie es schafft, die 14.000 Fans kollektiv zu euphorisieren und zum Tanzen zu bringen.

Sätze wie Hypnoseformeln

In ihren Ansagen offenbart sie unverschämt kokett die eigene Schüchternheit, um dann doch mit zielsicher formulierten Aufrufen zu punkten. Mit leiser Stimme, der Tausende wie auf Knopfdruck gehorchen, sagt sie Sätze, die Hypnoseformeln gleichen. Sie fordert die Zuschauer auf, ihren jeweiligen Nachbarn zu umarmen und sogar ein „Ich liebe dich“ entgegenzubringen. Und die Leute tun es.

Auch eine politische Botschaft hat die Londonerin, die zwischendurch unter anderem der deutschen Tanz-Ikone Pina Bausch huldigt, noch parat. Der Brexit sei ein Riesenchaos, aber: „Wir sind europäisch – und wir bleiben es auch.“ Vielleicht behält sie ja recht und der Ausstieg aus der EU erweist sich als ein Spuk. Zuzutrauen ist „Florence + The Machine“ nach diesem rührend schönen und fast zwei Stunden langen Konzert fast alles.

Von Maurice Wojach

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