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15:54 21.02.2018
Szene aus: „Waldheims Walzer“. Quelle: Ruth Beckermann Filmproduktion
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Berlin

Der österreichisches Dokumentarfilm „Waldheims Walzer“ beginnt mit einem Zitat von Abraham Licoln: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“ 93 Minuten später weiß jeder, dass Regisseurin Ruth Beckermann perfekt passende Worte gewählt hat, um eine kaum fassbare Geschichte von Selbstverleugnung und – pardon – Volksverarsche einzuleiten.

Es geht um Kurt Waldheim. Nach zehn Jahren als UN-Generalsekretär will der Österreicher seine politische Karriere mit dem Amt des Bundespräsidenten krönen. Während des Wahlkampfs im Jahr 1986 konfrontiert ihn der Jüdische Weltkongress mit Vorwürfen, er verheimliche seine NS-Vergangenheit. Es tauchen weitere Dokumente auf, die beweisen, dass Waldheim mehrmals gelogen und NS-Verstrickungen verschwiegen hat. Sein Standard-Satz „Ich war anständig“ erscheint im neuen Licht, geradezu widerlich wirkt diese Selbstleugnung, auch weil sie auf seine Unterstützer so ansteckend wirkte. Die Opfer-Mentalität der Täter ist allgemeingültig und zugleich typisch für ein Land, dessen Regierungen immer wieder so taten, als sei Österreich das erste Opfer der deutschen Nazis gewesen.

TV-Archivmaterial, Ausschnitte aus Pressekonferenzen des Jüdischen Weltkongresses, Bilder der Debatten in der UN-Generalversammlung und von Anhörungen im US-Kongress sind auf packende Weise miteinander verschachtelt. Besonders gelungen: Ruth Beckermann verwebt ihre eigene Vergangenheit als protestierende Waldheim-Gegnerin von damals mit der gezeigten Geschichte. Ein wichtiger, wutmachender Film, der zeigt, wie wichtig es ist, historischer Ignoranz zu widerstehen.

Von Maurice Wojach

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