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Kultur Liebesvolles Dorfporträt mit einem Problem
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17:11 21.02.2018
Wai-Chan, 86 Jahre alt - der Star der Dokumentation "Minatomachi".  Quelle: Verleih
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Berlin

Er kann kaum noch aufrecht laufen, hört schlecht und spricht mich selbst - Wai-Chan, 86 Jahre alt, Fischer in Ushimado, einem Dörfchen an der japanischen Küste zwischen Hiroshima und Kyoto ist der Star der Doku "Minatomachi" von Kazuhiro Soda, der in der Berlinale-Sektion Forum läuft. 

In teils erschöpfender Breite wird Wai-Chan gezeigt, wie er mit seinem Boot rausfährt, das Netz auswirft. Am nächsten Tag wieder rausfährt, das Netz einholt und die Fische aus dem Netz befreit. Minutenlang fällt in der Schwarz-Weiß-Doku kein Wort, es gibt auch keinen Kommentar, der etwas erklärt. Man muss Stille aushalten könne, wenn man "Minatomachi" durchhalten will.

Liebesvolles Dorfporträt - aber ein großes Problem

Und doch: Der Film gewinnt Dynamik, wenn er Wai-Chans Boot verlässt und klar wird, dass es nicht um den Fischer, sondern um das Dorf geht. Vorgestellt werden eine Fischverkäuferin und Kunden, die Einblicke in das Dorfleben geben. Sie erzählen, welche Rollen Katzen spielen und warum viele Häuser im Ort leer stehen und der Fisch immer teurer wird.

Wer mit Stille und langen unkommentierten Einstellungen kein Problem hat, wird "Minatomachi" mögen. InTrotz der liebevollen Herangehensweise gibt es leider auch einen sehr unangenehmen Augenblick. Nämlich dann, wenn die 84-jährige Dorfbewohnerin Kumi-san von ihrem Leben erzählt. Sie erzählt Schreckliches. Wie ihr behinderter Sohn vom Staat weggeklaut und in ein Heim gesteckt wurde. Sie redet sich in einen regelrechten Wahn. Leider wird all das nicht eingeordnet vom Filmemacher und lässt den Zuschauer rat- und ein wenig hilflos zurück. Stellt der Regisseur eine 84-Jährige, vielleicht demente Frau, aus oder hat sie recht? Weil das offen bleibt, bleibt leider ein schlechter Eindruck zurück.

Minatomachi (Inland Sea), 122 Minuten, läuft am 18. Februar um 16.15 Uhr im Zoo-Palast, am 20. Februar um 19.45 Uhr im Arsenal 1 und am 25. Februar um 13.45 Uhr im Cinestar 8. 

Von Christian Meyer

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