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Nachrichten Kultur Simon Weisse hat Modelle für „Isle of Dogs“ gebaut
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15:28 21.02.2018
Wes Andersons Isle of Dogs eröffnet die Berlinale Foto: Fox Quelle: fox
Berlin

Nur selten verirrt sich ein großer Regisseur in den dritten Hinterhof in Berlin-Neukölln, wo sich die Werkstatt von Simon Weisse befindet. Hier entstehen auf zwei Etagen inmitten von Werkzeugen, Maschinen, Holz, Farben und vielen anderen Materialien Modelle und Requisiten für internationale Spielfilme, die dann auf den Leinwänden weltweit zu besichtigen sind. Simon Weisse ist seit Jahrzehnten im Geschäft. „Ich habe mir vor vielen Jahren gesagt, dass ich aufhöre, wenn ich einmal mit Steven Spielberg gearbeitet habe“. Aber auch nachdem er für den Agententhriller „Bridge of Spie – Der Unterhändler“, gedreht 2014 in Potsdam-Babelsberg, das Cockpit eines Flugzeuges samt Armaturen gebaut hat, macht der 56-Jährige weiter.

Simon Weisse vor seinem Modell für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“. Quelle: privat

Kunst in Montpellier studiert

Dabei hatte ihn der Vater einst vor dem Filmbranche gewarnt. Er musste es wissen, schließlich arbeitete er als Standfotograf beim Film. Damals lebte die Familie in Frankreich, die Filmbranche war schon immer ein hartes Pflaster, die Konkurrenz groß. Simon Weisse ließ sich davon nicht beirren, er hatte sein Kunststudium in Montpellier abgeschlossen und suchte einen Job. Und da er schon immer gerne baute und bastelte, brachte ihn der Vater – trotz Bedenken - bei internationalen Filmproduktionen unter. In den Werkstätten für Modellbau und Spezialeffekte lernte Simon Weisse das Handwerk. Die Crews waren begeistert von seinem Talent und vermittelten ihn weiter. Schon mit 26 Jahren arbeitete der gebürtige Berliner in England an großen Filmen mit, wie an Terry Gilliams „Baron von Münchhausen“, 1988. Auch in Deutschland war er bald gefragt, baute Modelle für die „Unendliche Geschichte 2 und 3“. Das war 1994, die erste Zusammenarbeit mit den Babelsberger Studios.

Nicht alles lässt sich am Computer herstellen

„Aber es wurde immer mehr digital am Computer hergestellt und ich machte mir Sorgen, ob ich als Modellbauer noch gefragt bin, “ erzählt Weisse. Es war ein französischer Szenenbildner, der ihn auf die neue Spur brachte. „Ich sollte für den Film „Rembrandt“ historische Spezialrequisiten bauen“, so Weisse. Dinge, die man heute im Museum besichtigen aber nicht kaufen kann. Und die trotzdem für den Film gebraucht werden. „Alles, was die Schauspieler in der Hand haben, wird angefertigt. Das lässt sich am Computer nicht herstellen. Selbst bei so hochmodernen Filmen wie „Star Wars“ halten die Akteure tatsächlich etwas in den Händen.“

Degen aus Kunststoff, Klingen aus Bambus

Simon Weisse spezialisiert sich auf den Requisitenbau, arbeitet eng mit Szenenbildnern zusammen, deren Vorstellungen er umsetzt. Mal ist er Einzelkämpfer, mal arbeitet mit großem Team. Bei aufwendigen Produktionen, an denen Studio Babelsberg beteiligt ist, baut er auf dem Studiogelände seinen Prop-Shop auf. „So nennt sich das in der Fachsprache, Prop heißt Requisite“, erklärt Weisse. „Für die Dauer der Dreharbeiten haben wir unsere Werkstatt vor Ort“. Er baut die Bomben in der Comicverfilmung „V for vendetta“ (2005) mit Natalie Portman, für den Actionfilm der Wachowski-Geschwister „Speed Racer“ (2008) entstehen in Babelsberg gemeinsam mit einem 40-köpfigen Team die Autos mit entsprechendem Cockpit. „Natürlich hatten sie keine Motoren, man musste sie anschieben, der Rest besorgte der Computer“. Aber die Schauspieler waren froh, dass sie ein „echtes“ Gefährt hatten, in dem sie agieren konnten. Kanonen und Degen waren für Paul W.S. Andersons Abenteuerfilm „Die drei Musketiere“ gefragt. „Wir bastelten Degen aus Kunststoff mit Klingen aus Bambus, damit sich keiner verletzt“.

Zweite Zusammenarbeit mit Wes Anderson

Als vor einigen Jahren für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ wieder Modellbau gewünscht war, hat sich Weisse gefreut. „Ein amerikanischer Produzent kam ins Studio Babelsberg und fragte, ob es hier noch jemanden gibt, der das kann. Sie wollten das eigentlich in den USA bauen lassen und dann nach Görlitz einfliegen“. Tatsächlich gibt es immer weniger Fachleute, die das Handwerk beherrschen. „Die jungen Leute glauben, man könne alles auf dem Computer oder mit dem 3-D-Drucker machen“. Er kenne zwei, drei Modellbauer, alte Hasen, die auch am Abend zu Hause noch irgendwelche Raumschiffe bauen. „Aber die sind selten geworden“.

Auch für Wes Andersons neuen Streich, den Animationsfilm „Isle of Dogs“, der die Berlinale eröffnen wird, war Simon Weisse unverzichtbar. Der Film erzählt die Geschichte des 12-jährigen Atari, dessen Hund per Regierungserlass auf eine riesige Mülldeponie verbannt wurde. Kurzerhand macht er sich auf die Suche. Gedreht wurde knapp zwei Jahre lang in Londoner Studios, die Hunde wurden dort von Spezialisten entworfen. Weisse baute mit einem 15-köpfigen Team 30 bis 40 Miniatur-Sets. Mehr darf nicht verraten werden vor der Weltpremiere. Aber sicher wird es großes Kino.

Von Claudia Palma

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