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“Cain und Abel“ in der Friedenskirche

Potsdamer Winteroper 2015 “Cain und Abel“ in der Friedenskirche

Bernhard Forck bringt als musikalischer Leiter das Scarlatti-Oratorium „Cain und Abel“ in der Potsdamer Friedenskirche zum Leuchten. Der Sohn des Bischofs Gottfried Forck lernte schon mit fünf Jahren das Geigespielen. Er hätte das Instrument aufgegeben, wenn er nicht eine wichtige Entdeckung gemacht hätte.

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Bernhard Forck

Quelle: Gudrun Senkger

Potsdam. Lässt sich von der Lockenpracht auf die Kreativität eines Menschen schließen? Natürlich nicht. Wer Bernhard Forck aber einmal beim Musizieren und Dirigieren zugeschaut hat, wird vielleicht einen Zusammenhang herstellen. Doch nein. Forcks Interpretationen der Barockmusik sind alles andere als verworren und kraus. Mit ungeahntem Schwung und traumwandlerischer Leichtigkeit nimmt er es mit den vielen Noten auf und stellt eine wunderbare Klarheit und Ordnung her. Die langen Läufe, die Alessandro Scarlatti vor etwa 300 Jahren fiebrig notiert hat, erfahren bei diesem Enthusiasten ein Maximum an Kontur und Leuchtkraft.

Ab Freitag leitet der großgewachsene Lockenkopf alle fünf Aufführungen der diesjährigen Winteroper. Die Einsätze wird er dabei vom Pult der ersten Geige aus geben. Seit Anfang der 80er Jahre beschäftigt sich Forck intensiv mit der historischen Aufführungspraxis - und Dirigenten, die gab es bis in das 18. Jahrhundert nicht.

Bei der Probe in der Potsdamer Friedenskirche trägt der 52-Jährige einen langen Norwegerpullover im Braunton seiner Haare. Den sechs Sängern macht er immer wieder Mut, die tänzerische Attitüde der Scarlatti-Kompositionen aufzunehmen, auch dann, wenn ihre Arien von Schmerz und Trauer handeln. Noch sind die anderen Musiker der Kammerakademie Potsdam nicht anwesend. Bei der Probe spielt Forck die Stücke mit der Cembalisten Rita Herzog durch und intoniert leichthändig auch so manches Cello-Solo auf der Geige. Er hat für Potsdam das Scarlatti-Oratorium „Cain und Abel“ entdeckt und schwärmt für „die schöne Melodik und die reiche Harmonik, die auch mit interessanten Dissonanzen einhergeht“.

Mit der Dresdner Regisseurin Andrea Moses ist Forck übereingekommen, das Oratorium szenisch wie eine Oper aufzuführen, obwohl es eigentlich keine kontroversen Dialoge gibt. Die Duette leben von ihrer Einmütigkeit. Andrea Moses möchte nicht, dass etwas über die gewagte Schlussszene vor der Premiere am Freitag nach außen dringt. Ungebetene Besucher müssen deshalb die Probe verlassen. Die Verflechtung von alt- und neutestamentlichen Motiven eröffnen der Regisseurin einen breiten Deutungsraum. Dass Gott und der Teufel in der Aufführung nicht nur als Stimmen, sondern auch als Figuren zu erleben sind, das haben Moses und Forck der Öffentlichkeit aber bereits verraten.

Bernhard Forck hat sich in der Alte-Musik-Szene über Deutschland hinaus einen Namen gemacht. In der Bewegung, die seit Anfang der 1980er Jahre die Musikrezeption in Ost und West erneuert, arbeitete er mit Größen wie Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs oder Trevor Pinnock zusammen. Aber Forck ist kein Dogmatiker. Bei der Winteroper wird nicht ausschließlich auf alten Instrumenten musiziert. Forck selbst spielt aber eine Geige mit Darmsaiten.

Sein Vater, Gottfried Forck, war von 1981 bis 1991 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und ist vielen Christen durch seinen politischen Mut in guter Erinnerung geblieben. Bernhard, 1963 im brandenburgischen Altdöbern geboren, begann bereits mit fünf Jahren Geige zu spielen. „Bei aller Perfektion, die ich später auch als Student erlangte, hätte ich die Geige wohl hingeschmissen, wenn ich nicht auf die Barockvioline gestoßen wäre.“ Er saß damals tagelang in Bibliotheken, um alte Noten zu entziffern und abzuschreiben. Und er pilgerte in den 1980er Jahren auch oft nach Potsdam, weil im Holländischen Viertel ein Sammler lebte, der Dutzende alte Instrumente zusammengetragen hatte.

Aufführungen: 20., 21., 26., 27. und 28. November, 19 Uhr. Friedenskirche Sanssouci Potsdam. Karten unter 033/98118.

Von Karim Saab

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