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Berühmte Holbein-Madonna im Bodemuseum

Renaissance-Malerei Berühmte Holbein-Madonna im Bodemuseum

Es ist eines der berühmtsten Bilder des deutschen Renaissance-Malers Hans Holbein des Jüngeren. Derzeit ist es im Berliner Bode-Museum zu sehen – in einer Ausstellung, in der die Staatliche Museen zu Berlin alles aufbieten, was sie an Holbeins zu bieten haben. Nur die rätselhafte Madonna ist eine Leihgabe der Sammlung Würth und deshalb bald nicht mehr in der Hauptstadt. Immerhin wurde eines ihrer Geheimnisse jetzt gelüftet.

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Die Madonna des Bügermeisters Jakob Meyer zum Hasen, 1526/28.

Quelle: Fotos: Reinhold Würth, Gemäldegalerie/Anders

Potsdam.

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Die berühmte Schutzmantelmadonna ist in den kommenden Monaten im Berliner Bodemuseum zu sehen. Dazu zeigt die Ausstellung weitere Werke von Hans Holbein dem Jüngeren, seinem Vater Hans Holbein dem Älteren, sowie Arbeiten, die den kunsthistorischen Kontext beleuchten.

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Quasi ein zweites Gastspiel, nachdem das Bild in den vergangenen Monaten im Berliner Gropiusbau als Teil der Ausstellung „Von Hockney bis Holbein“ zu bestaunen war. Und eine vorläufig letzte Gelegenheit, denn das Gemälde mit der ungewöhnlichen Form – über die Oberkante ragt eine Muschel, die den Kopf der Heiligen Mutter Gottes umwölbt – befindet sich im Privatbesitz des süddeutschen Unternehmers und Kunstsammlers Reinhold Würth. Der wird es demnächst wieder nach Schwäbisch Hall holen, wo es normalerweise hängt.

Hans Holbein der Jüngere

Hans Holbein der Jüngere (1497-1543) gilt neben Albrecht Dürer und Lucas Cranach dem Jüngeren als einer der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance.

Der Sohn Hans Holbein des Älteren (1465-1524) wurde in Augsburg geboren, übersiedelte mit der Familie 1515 nach Basel.

Seine Porträts machten Holbein den Jüngeren berühmt. Zu den bekanntesten zählen Darstellungen des literarischen Utopisten Thomas Morus oder des Philosophen Erasmus von Rotterdam.

Mit dem Einzug der Reformation nach Basel setzte sich Holbein langsam nach England ab und wurde 1536 Hofmaler des Königs.

Bei Heinrich VIII. fiel Holbein in Ungnade als dieser 1539 auf Brautschau war. Holbein sollte drei der Auserwählten porträtieren, Heinrich entschied sich schließlich für Anna von Kleve und war enttäuscht, als er sie zum ersten Mal sah. Holbeins hatte sie offenbar zu schön gemalt.

Als Original der Holbeinschen Madonna galt jedoch über Jahre hinweg ein anderes Gemälde, das von den Proportionen und der räumlichen Aufteilung perfekter wirkte. Heute wissen wir, dass der Maler Bartholomäus Sarburgh um 1635 in Den Haag eine Kopie anfertigte und dabei einige Unzulänglichkeiten des Meisters „korrigiert“ hatte. Ironischerweise trug ausgerechnet diese Fälschung erheblich zu Holbeins späterem Ruhm bei. Dass es jedoch nur eine Kopie des jetzt in Berlin ausgestellten Werkes war, konnte erst in einem langen akademischen Streit geklärt werden, der in einer Gegenüberstellung der beiden Bilder 1871 in einer Ausstellung in Dresden gipfelte.

Bis heute ist strittig, wen die Schutzmantelmadonna schützt.

Rätsel gibt das Meisterwerk des Augsburger Renaissance-Malers allerdings noch immer jede Menge auf. Weder ist bislang klar, wo das zwischen 1526 und 1528 im Auftrag des Baseler Bürgermeisters Jakob Meyer zu Hasen entstandene Gemälde ursprünglich hing noch wer darauf eigentlich abgebildet ist. Der Bürgermeister himself – so viel ist unstrittig – kniet vor der Madonna, die ihn zum Schutz mit ihrem Mantel umgibt. Möglicherweise soll sie den streng gläubigen Katholiken vor der nahenden Reformation bewahren. Ihm gegenüber zwei Frauen und eine Jugendliche: seine Gattin mit der Tochter und dahinter seine mittlerweile verstorbene Ehefrau.

Aber wer sind die beiden Jünglinge vor dem Bürgermeister? Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass es sich bei dem älteren Knaben um den verstorbenen Sohn aus erster Ehe handeln könnte. Doch wen das jüngere, nackte Kind darstellen soll? Fehlanzeige. Rätselhaft geblieben ist bislang auch, warum das Jesus-Kind auf dem Arm der Mutter Gottes so quengelt und mit dem linken Arm herumfuchtelt. Ausdruck einer Panikattacke vor der sich ausbreitenden Reformation?

Sollte das Bild am Familiengrab angebracht werden?

Fragen über Fragen. Zumindest für eine hat Stephan Kemperdick, der Kurator der Ausstellung, neuerdings eine plausible Antwort: Das etwa 1,50 Meter auf einen Meter große Gemälde sollte am Familiengrab in der Baseler St.-Martin-Kirche aufgehängt werden, dort wo Meyers erste Frau begraben war. „Der kleine Knabe zeigt mit der linken Hand auf das Grab“, so Kemperdick. Das könnte auch die seltsame Form des Bildes erklären.

Für die Staatlichen Museen zu Berlin, zu denen das Bodemuseum gehört, ist die Anwesenheit der Madonna eine willkommene Gelegenheit, den eigenen Holbein-Bestand zu präsentieren. Zu sehen sind eine Reihe von Porträts, darunter das berühmte des Kaufmanns Georg Gisze. Holbein hatte es 1532 angefertigt, dem Jahr in dem der Katholik die Stadt Basel nach dem Erlass des protestantischen Bilderverbots endgültig in Richtung London verließ. Arbeiten des Vaters Hans Holbein dem Älteren sind ebenfalls zu sehen, darunter die Madonna mit dem schlafenden Christuskind etwa von 1520.

Holbein in Berlin. Die Madonna der Sammlung Würth mit Meisterwerken der Staatlichen Museen zu Berlin. Bodemuseum, Museumsinsel, Am Kupfergraben. Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr. Eintritt: 12/6 Euro, bis 8. Mai.

Von Mathias Richter

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