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13:14 02.03.2017
Karoline Wagner war Piets große Liebe. Bis sie eines Tages verschwand. Quelle: MAZ
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Potsdam

Der Papierkram in Piets Haus in Potsdam stapelt sich: vergilbte Briefe, alte Fotos, Zeitungsartikel. Es wird Zeit, endlich auszumisten. Doch dann erhält er eine E-Mail seiner Jugendliebe Karoline Wagner, die ihn vor 40 Jahren wortlos verließ. Sie bittet ihn um ein Treffen. Überrascht von ihrer Nachricht, denkt er wehmütig an das südländisch anmutende Mädchen zurück.

Charmant leitet der Autor Martin Buchwald die erste Rückblende in den Sommer 1971 in der DDR ein. Fortan wechseln Vergangenheit und Gegenwart. Seite um Seite taucht der Leser tiefer ein. Im Jetzt ringt der Protagonist mit der Entscheidung, ob er dem Treffen mit Karoline zustimmen soll. Ihn treibt die Frage um, was sie ihm Wichtiges zu erzählen hat.

Der Autorenname ist ein Pseudonym eines promovierten Germanisten, Jahrgang 1956, der in Potsdam lebt. Sein Roman „Perdu-Nachdenken über K.W.“ ist sein bisher einziger Roman. Zweifellos verarbeitet er autobiografische Motive. Das französische „Perdu“ bedeutet „verloren“ und spielt auf seine verlorene Liebe an.

Der Renner in der DDR: Die guten West-Jeans. Im Buch erfährt der Leser, wie die Jugendlichen an allerlei Westschätze rangekommen sind Quelle: dpa

Stimmungsvoll schildert Buchwald die Hauptspielorte Pößneck und Neustadt an der Orla in Thüringen. Auf einem abfallenden, gepflasterten Marktplatz treffen sich die Jungs an den Wochenenden, um über Musik zu reden und Mädchen hinterherzupfeifen. Der aufgeweckte, jugendliche Piet weckt im Leser Sympathien, sein Schicksal geht ihm nah. Auch Karoline wird detailliert und lebendig charakterisiert. Der anfänglich regimekonforme Piet wird durch Karoline kritischer. Eine Geschichte von Freundschaft, Liebe und der eigenen Identitätssuche in der DDR wird erzählt.

Ein weiterer Mehrwert der Lektüre sind die vielen Informationen über die Musikszene in der DDR: Mit dem Tonbandgerät schneidet der Protagonist Songs von den Rolling Stones, Deep Purple oder Jimi Hendrix mit. Auf abenteuerlichen Wegen organisieren sich die Jugendlichen West-Musik. Aber auch DDR-Musiker wie Lift, Klaus Lenz, Sit, Jürgen Kehrt und Conny Bauer spielen eine Rolle.

Ohne Kassettenrekorder ging in der DDR nichts, denn der spielte die angesagten Stones, Jimi Hendrix und Deep Purple ab, auch „Sit“ und Conny Bauer waren beliebt Quelle: Fotolia

„Perdu-Nachdenken über K.W.“ ist ein unaufgeregtes, poetisches Erinnerungsbuch an die DDR. Der Leser taucht ein in eine Welt fern der modernen Technik und Hektik und findet eine schöne, traurige Liebesgeschichte, schwelgt vielleicht in eigenen Erinnerungen oder lernt etwas über die DDR, die er nicht kannte. Ein kurzweiliges Lesevergnügen, das durch eine berührende Geschichte zum Nachdenken anregt.

Einzig etwas unangenehm ist die häufige Verwendung des Plusquamperfekts in den „Heute“-Kapiteln, ein Beispiel: „Und ich war mir sicher gewesen, auch während der Armeezeit Karoline treu bleiben zu können. Ich hatte sie aufrichtig geliebt. Karoline hatte wohl die Chancen unserer Beziehung realistischer als ich gesehen, auch wenn ich das damals nicht so richtig wahrgenommen hatte.“ Auf diese stilistische Hervorhebung der vollendeten Vergangenheit hätte Buchwald verzichten können.

Martin Buchwald: Perdu-Nachdenken über K.W. novum pro, 178 Seiten, 14,50 Euro.

Von Josefine Kühnel

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