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„Ich werde jetzt in Europa erkannt. Unfassbar.“

Better Call Saul: Interview mit Bob Odenkirk „Ich werde jetzt in Europa erkannt. Unfassbar.“

Bereits 2015 hat die Serie „Better call Saul“ auf der Berlinale Deutschlandpremiere gefeiert. Auch dieses Jahr zeigt das Filmfestival den Auftakt zum „Breaking-Bad“-Nachfolger. Star ist Bob Odenkirk, der in der Serie als Anwalt krumme Nummern dreht, um sich über Wasser zu halten. Wir haben mit ihm über Moral, „Breaking Bad“ und die Zukunft des Fernsehens gesprochen.

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Bob Odenkirk

Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. Natürlich spielen bei der Berlinale auch in diesem Jahr Filme die Hauptrolle. Aber das Filmfestival beschäftigt sich auch mit Fernsehen und Serienformaten. Zum Beispiel der Netflix-Serie „Better call Saul“. Sie ist ab Mittwoch in Deutschland bei dem Streamingdienst zu sehen. Der Auftakt zur zweiten Staffel um den schmierigen Anwalt Jimmy Mcgill, der zu Saul Goodman wird, wird am Mittwoch auf der Berlinale gezeigt.

Vorher hat Hauptdarsteller Bob Odenkirk mit der MAZ über seine Rolle und die Zukunft des Fernsehens gesprochen.

Mr. Odenkirk, Sie spielen die Titelrolle in der Netflix-Serie „Better Call Saul“, welche die Vorgeschichte zu „Breaking Bad“ erzählt. Zu Beginn ist Saul tatsächlich noch ein „Goodman“, wie es sein Nachname verspricht, doch dann wird er immer weiter von Geld und Macht korrumpiert. Kann das Spin-Off also ebenso wie das Original verstanden werden als die Geschichte eines Mannes, der im Sinne des Titels „Breaking Bad“ böse wird?

Bob Odenkirk: Ja. Vince Gilligan, den Drehbuchautor beider Serien, fasziniert offenbar, wie ein Typ sich in einen Bösewicht verwandelt. Was treibt einen intelligenten Mann dazu, komplexe kriminelle Pläne zu schmieden und nicht einfach eine Tankstelle zu überfallen? Beide Serien spielen also in der selben ethischen Arena.

In „Breaking Bad“ spielen Sie einen schmierigen Anwalt, der die Drogenbosse freikauft. Die neue Serie zeigt Jimmy Mcgill, bevor er den Künstlernamen Saul annimmt. Er ist hin und her gerissen zwischen Moral und Profit. Ist es für einen Schauspieler eine größere Herausforderung, so eine ambivalente Rolle zu spielen?

Odenkirk: Es ist einfacher, Saul zu spielen, aber auf lange Sicht lohnender und befriedigender, Jimmy Mcgill zu spielen. Als es erste Gespräche über ein Spin-Off gab, war ich besorgt. Denn ich finde, dass man sich mit Saul absolut nicht identifizieren kann, er ist auch nicht so interessant als Figur. Die richtige Person hinter der Maske ist viel spannender, und das ist Jimmy McGill.

Sie nennen Sie Saul und Jimmy – sind es für Sie zwei völlig unterschiedliche Menschen?

Odenkirk: Als Saul Walter White in „Breaking Bad“ zum ersten Mal trifft, erzählt er ihm, dass Saul ein erfundener Name ist. Er ist sich also ziemlich bewusst, dass er sich selbst inszeniert wie in einem Theaterstück, dass er eine Show abzieht. Es wäre interessant, in der neuen Serie eine Szene aus der „Breaking-Bad“-Zeit zu drehen, in der man Saul beziehungsweise Jimmy sieht, sobald Walter White aus der Tür geht. Wenn er keine Rolle mehr spielt.

Wann sind Sie denn selbst mal in ein moralisches Dilemma geraten?

Odenkirk: Ich war noch nie Teil einer kriminellen Organisation – vom Showbusiness mal abgesehen. Ich kann von Glück sagen, dass ich noch nie in einer brenzligen Situation war, in der ich eine schwierige moralische Entscheidung treffen musste. Am nahesten dran bin ich, wenn ich als langjähriger Sketchautor aufpassen muss, keine Ideen zu klauen. Das klingt jetzt ziemlich lahm. Man kann doch nicht 53 Jahre leben und an keinem Verbrechen teilgenommen haben! Jetzt fällt mir etwas ein: Ich wurde mal für ein Drehbuch bezahlt, das ich nie geschrieben habe. Die Filmfirma muss das vergessen haben.

Sie haben mal gesagt, dass Sie als Comedian von den Monty Pythons inspiriert sind. Was sagen Sie über den Humorgehalt von „Better Call Saul?“

Odenkirk: Ich habe immer gesagt, dass „Breaking Bad“ aus einer gewissen Perspektive betrachtet grandios witzig ist. Natürlich handelt es sich um sehr schwarzen Humor. Bei „Better Call Saul“ ist die Komik offensichtlicher. Wie Jimmy Pläne schmiedet, die dann schief gehen – das ist sehr komisch.

Inwiefern hat „Breaking Bad“ Ihr Leben verändert?

Odenkirk: Ich werde jetzt viel öfter auf der Straße erkannt. Als Comedyschreiber war ich in L.A. schon länger eine bekannte Größe, aber jetzt werde ich in den ganzen USA und sogar in Europa erkannt. Unfassbar.

Sie spielten auch einen Sheriff in der Serie „Fargo“, die wie „Better Call Saul“ bei Netflix läuft. Glauben Sie, Streaming ist die Zukunft des Fernsehens?

Odenkirk: Ohne Zweifel. Es ist nur die Frage, welches Modell sich durchsetzt: dass man die gesamte Staffel einer Serie ins Netz stellt, wie Netflix es meistens tut, oder jede Woche eine Folge wie bei „Better Call Saul“. Beides hat seine Reize für die Fans. Ich glaube nicht, dass die Menschen zum alten Fernsehapparat zurückkehren werden.

Von Nina May

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