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Kultur Der Erlkönig im Schwimmbad
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23:15 29.06.2018
Die in New York ansässige Künstlerin Bettina WitteVeen stellt in der "verbotenen Stadt" in Wünsdorf aus Quelle: Karen Grunow
Wünsdorf

Es riecht muffig, staubig und fast so, als hinge noch das schwere Parfüm aufgerüschter Sowjetfrauen in der Luft. Der Kultursaal des einstigen „Hauses der Offiziere“ in Wünsdorf (Teltow-Fläming) ehemals „verbotener Stadt“ ist nun temporäres Kino, das über den gezeigten Film hinaus zum Erlebnis wird. Bettina WitteVeen hat sich das denkmalgeschützte Überbleibsel der Sowjetarmee für ihre Ausstellung ausgesucht.

Die „Götterfunken“, Station Nummer eins ihres Rundgangs, tanzen alsbald über die Leinwand, die Zuschauer sitzen in gepolsterten niedrigen Theatersesseln. Es ist alles noch da, die alte Pracht des reichlich stuckverzierten Saals mit den vergoldeten Säulen. Im diffusen Dunkel bleibt das präsent, während vorn traditionell-rituelle Tänze vollführt werden. Viele tragen Masken, erscheinen so als geisterhafte, überzeitliche Wesen. Bettina WitteVeen hat all diese Tänze gefilmt, in Kambodscha, im Königreich Bhutan oder auf Kuba. Sie lässt so die Welt eindringen in diesen Ort, von dem alle da draußen lange ausgeschlossen waren.

Tausende lebten in der Militärstadt

Denn jenes architektonische Ensemble, ab 1914 errichtet als Militärturnanstalt, dann genutzt vom Oberkommando der Wehrmacht, war von 1953 an Sitz des Oberbefehlshabers der Westgruppe der Roten Armee. Zig Tausende lebten in der schwer bewachten Militärstadt. „In meinen anderen Installationen arbeite ich mehr mit der Nutzungsgeschichte“, sagt sie. „Mich hat an Wünsdorf inspiriert, dass es sich während der Besatzung der Sowjetunion um eine verbotene Stadt gehandelt hat“, so WitteVeen.

Die in New York ansässige Künstlerin Bettina WitteVeen stellt in der "verbotenen Stadt" in Wünsdorf aus Quelle: Karen Grunow

Die in New York lebende Künstlerin – früher Jetset, heute Buddhistin – bindet für gewöhnlich die Natur ein. Diesmal bleibt diese außen vor und wird trotzdem Teil der Inszenierung, denn es gibt eine Route, die Bettina WitteVeen den Besuchern nahelegt und die erst zum Film, dann über einen Trampelpfad zur einstigen Schwimmhalle des romantisch verwilderten Komplexes führt. „Götterfunken feuertrunken der Erlkönig: whiteout“ findet einen physisch spürbaren Höhepunkt.

Hier fragt Bettina WitteVeen, wie weit Wissenschaftler mit ihren Erfindungen gehen dürfen. Sie tut das eindrücklich, mit einem kurzen Satz und einem Blick auf das Gesicht des zerbrochenen Robert Oppenheimer, Erfinder der Atombombe. Jeder muss zum Bildschirm hinabsteigen, immer tiefer, in das leere, himmelblau gekachelte Schwimmbecken. „Jetzt bin ich zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten“, hatte Oppenheimer 1965 gesagt. Ein Zitat aus der hinduistischen Schrift Bhagavad Gita, die Bettina WitteVeen schon in ein anderes Projekt einfließen ließ. Sie nehme aus jeder Arbeit etwas mit zur nächsten, erzählt sie. Aus Wünsdorf wird es wohl ihre intensive Beschäftigung mit Lenin sein, dessen monumentale Statue vor dem „Haus der Offiziere“ sie mit 26 Tonnen Teer umlagert hat. Stacheldraht und Fotos aus Gulags hat sie um den Sockel gewunden. Der Asphalt bricht auf, so wie im Gebäude dahinter die Tapete von der Geschichte blättert.

Info: Bis 1. Juli, Hauptallee 114, Wünsdorf, Am 30. Juni von 12 bis 19 Uhr wird Bettina WitteVeen persönlich durch ihre Ausstellung führen.

Von Karen Grunow

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