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Bieitos surreales Musical in Stuttgart gefeiert

Theater Bieitos surreales Musical in Stuttgart gefeiert

In einem Abend karnevalesker Travestie nimmt sich der für seine krassen Bilder bekannte Opernregisseur Bieito in Stuttgart Shakespeare und den Komponisten Purcell vor. Schon vor der Premiere waren alle Vorstellungen der schrillen Show ausverkauft.

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Szene aus "The Fairy Queen" nach Henry Purcell und William Shakespeare in Stuttgart.

Quelle: Christoph Schmidt

Stuttgart. Knutschende Männer in Frauenfummel, Fabelwesen im Liebesrausch - der als Provokateur bekannte Regisseur Calixto Bieito zeigt sich in Stuttgart von seiner komödiantischen Seite. Am Schauspiel setzt der Spanier das barocke Musical "The Fairy Queen" (Die Feenkönigin) als ausschweifendes Kostümspektakel in Szene.

Die Bühne wird mit einer Discokugel zu einem tierischen Nachtclub, eine Combo im Zentrum spielt barocken Sound von Henry Purcell. Drumherum tanzen, singen und sprechen in dieser großen Komödie Schauspieler und Sänger. Bieitos surrealer Abend voller Travestie, schwuler Momente und mit viel nackter Haut orientiert sich an William Shakespeares wohl erotischster Arbeit, dem "Sommernachtstraum".

Dass Bieito seinen Akteuren alles abverlangt, ist nicht neu, hinzu kommt diesmal aber, dass Schauspieler und Sänger gemeinsam immer wieder an ihre Grenzen gehen müssen. Da ist etwa die wunderbare Josefin Feiler, die als Spring (Frühling) mit ihrem leuchtenden Sopran sich in Unterwäsche in Erde wälzen muss, bis sie schwarz ist.

Diese Semi-Oper - ein Mix aus Musiktheater und Schauspiel - ist die erste Koproduktion dieser Art seit 20 Jahren an dem weltgrößten Dreispartenhaus. Theater, Oper und Ballett liegen zwar dicht beieinander, finden aber offenkundig selten zusammen. Bei "König Artur" gab es das zuletzt.

Dass solche Symbiosen furiose Theatermomente hervorbringen können, davon konnte sich das hellauf begeisterte Premierenpublikum am Sonntag immer wieder überzeugen. Wenn der humorvolle und einschmeichelnde Tenor Mark Milhofer als Queen of Secresie mit dem halbnackten Schauspieler Johann Jürgens als Demetrius - beide tragen in einer Szene barocke Frauenkleider - über einen Kuss verhandelt, erreicht die Stimmung im Saal einen urkomischen Höhepunkt.

Die beiden legen später noch einmal nach in einer kurzen Strandszene, wenn die Queen den entblößten Po von Demetrius mit Sonnenmilch einschmiert. Nicht nur die Genres - Schauspiel und Oper - vermischen sich in diesem Spektakel, auch die Geschlechterrollen geraten durcheinander, wenn Puck (Maja Beckmann) die Zaubertropfen verträufelt. Drei unglückliche Liebespaare geraten so in einen Irrgarten der Gefühle. Und Bieito lässt den Träumereien freien Lauf: da tanzen dildoverstärkte Männer in Pumps, in Strumpfhosen, mit Brautschleiern - und Eselsohren (Kostüme: Anja Rabes).

Entstanden ist ein kontrastreiches Operngemälde, in dem sich Farben und Figuren immer wieder verändern. Musikalisch führt der bestens gelaunte Brite Christian Curnyn durch die Verwechslungskomödie, die auch das Orchester nicht verschont. Der spielfreudige Chor von Johannes Knecht und die Musiker sind als Akteure immer wieder gefordert, wenn sie mit tierischen Masken Purcell zum Klingen bringen.

Bei allem Jux und Dollerei der bisweilen plumpen Erotik behalten Bieito und sein Dirigent, die als die "großen Irren" der Opernwelt gelten, die Kontrolle in der Hand. Entgleiten kann so etwas leicht. Die Zuschauer belohnten das Ensemble mit fast 15-minütigem Applaus, lauten Bravo-Rufen und Ovationen. Bieito, bekannt für seine bildgewaltigen Inszenierungen, reagierte überglücklich. Alle Vorstellungen sind ausverkauft.

dpa

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