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Kultur Bilderbuch feiern muntere Messe in Berlin
Nachrichten Kultur Bilderbuch feiern muntere Messe in Berlin
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06:39 27.04.2018
Maurice Ernst (rechts) gibt alles. Quelle: POP-EYE
Berlin

Maurice Ernst rudert mit den Armen, seine Stimme überschlägt sich, als sei ihm der Heiland erschienen. Dabei singt der Bilderbuch-Sänger bloß von geschenkten Schuhen. „Sneakers4free“ veräppelt die Gier, immer mehr haben zu wollen: Glamour, Ruhm und schicke Schuhe. Dabei baumeln Hunderte der weißen Treter hinter der Band von der Hallendecke auf die Bühne hinab.

Gesungene Zweideutigkeiten

Der Sänger gestikuliert wie ein Wanderprediger, dann wieder fasst er sich an den Po, bringt den Mund in Oh-là-là-Stellung und macht einen auf Callboy. Dabei singt er allerlei Zweideutigkeiten. Er ist gerne das freche Bübchen, und die 3500 Fans in der seit Wochen ausverkauften Berliner Columbiahalle danken es ihm beim Konzert am Mittwochabend. Sie geben sich beeindruckend textsicher dem Sog aus Funk und Fun hin.

Bilderbuch ist zurzeit der größte Spaß im deutschsprachigen Pop. Die Oberösterreicher klingen wie Prince und verhalten sich wie Falco. „Bungalow“ ist aktuell einer der meistgespielten Radiohits. Darin singt der hippe Hänfling mit dem blondierten Faconschnitt: „Keine Power in mein’ Akku / Baby, leih‘ mir deinen Lader“. Das klingt auf lustige Art sehr sexy – oder umgekehrt. Zumal Maurice Ernst im Videoclip seinen geölten Konfirmandenkörper augenzwinkernd an einer Tabledance-Stange reibt.

Pyjamahose, übergroßer Pulli und Goldkettchen

So wichtig wie die Texte, die Konsum und Hedonismus zugleich feiern und karikieren, sind den vier unter 30-Jährigen Stil und Aussehen. Der Sänger trägt Pyjamahose und übergroßen Pulli mit Goldkettchen darüber. Der Gitarrist Michael Krammer beackert sein Instrument mit der Agilität eines asiatischen Kampfsportlers im Netzhemd, die langen Haare sind oben zusammengeknotet. Dazu ein Bassist mit Hemd im Second-Hand-Look und ein Drummer in Latzhose.

Neben Hits wie „Maschin“ und „Schick Schock“ gerät „Babylon“ zum Höhepunkt des Abends. Maurice Ernst kündigt es, mal wieder mit dem Gestus eines falschen Priesters, als Song über Religion an. Die zum Teppich aufgefädelten weißen Schuhe bewegen sich wie eine Masse aus Marionetten, der Sänger zieht sich Gummihandschuhe über, zwei große wie breite Gospelsängerinnen singen mit. In der Strophe heißt es „Christus sagt relax und ich bin entspannt / Christus sagt, ich brauch mehr Friends. Ich adde, wen ich kenn.“ Die Meute findet’s göttlich, alle singen mit ausgestreckten Armen von „Babylon“.

Letzter Song des Abends ist das schmierig schöne „Sweetlove“, bei dem sich Maurice Ernst allein von Gitarrist Michael Krammer begleiten lässt. Noch ein schmachtender Blick von dem blondierten Bengel, dann tritt er so lässig ab, wie er erschienen ist. Nach 105 Minuten ist die Messe gesungen. Riesiger Applaus, kein Amen.

Von Maurice Wojach

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