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Kultur Bildgewaltig: Kannibalendrama mit Carrey in Venedig
Nachrichten Kultur Bildgewaltig: Kannibalendrama mit Carrey in Venedig
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16:52 06.09.2016
Man spricht über Ana Lily Amirpour in Venedig. Quelle: Claudio Onorati
Venedig

Die ersten Zuschauer springen nach wenigen Minuten auf und rennen aus dem Kinosaal. Da sägt eine Kannibalin gerade die Extremitäten einer jungen Frau ab und schmeißt sie in die Pfanne.

Das ist der Beginn von "The Bad Batch", dem wohl überraschendsten Beitrag im diesjährigen Wettbewerb beim Filmfest Venedig. Die in England geborene Ana Lily Amirpour erzählt darin von einer Kannibalengemeinschaft und dem Beginn einer Liebesgeschichte in einer post-apokalyptischen Welt - und konnte dafür auch die Hollywoodstars Jim Carrey und Keanu Reeves gewinnen.

"Das ist ein Liebesbrief an Amerika", sagte die in Kalifornien aufgewachsene Amirpour am Dienstag in Venedig. Sie liebe vieles an den USA, aber das seien meist die unperfekten Dinge.

Genau das ist in ihrem Werk zu spüren: "The Bad Batch", das sind die von der Gesellschaft Ausgestoßenen, die irgendwo in der texanischen Wüste leben. Auch Arlen irrt dort umher, bis sie von Kannibalen gefangen wird. Sie sägen ihr den Unterarm und einen Teil des Beins ab. Dann kann sie fliehen und findet in einer anderen Gemeinde Zuflucht.

Die Regisseurin (Jahrgang 1980) wurde vor zwei Jahren bereits für ihren Debütfilm "A Girl Walks Home Alone at Night" über einen einsamen Vampir in einer iranischen Stadt von Kritikern gefeiert. Nun legt sie mit "The Bad Batch" ein bildgewaltiges, energiegeladenes Werk vor. Vor allem die 24-jährige Britin Suki Waterhouse trägt den Film mit ihrer Darstellung der jungen, kämpfenden Protagonistin.

An Menschenfleisch nagen Jim Carrey ("Die Maske") und Keanu Reeves ("Matrix") dann zwar nicht. Das war ihnen vielleicht doch zu heikel für ihr Image. Mut zur Hässlichkeit beweisen sie aber dennoch: Carrey irrt als verwahrloster Müllsammler mit dreckverschmiertem Gesicht durch die Wüste, während Reeves einen schmierigen, sektenähnlichen Guru verkörpert.

Die Geschichte trägt sich dabei nicht über die gesamten zwei Stunden, dafür lässt der Spannungsbogen etwas zu sehr nach. Und doch gelingt es Amirpour mit "The Bad Batch" einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Es sind dabei nicht die verstörenden Kannibalenszenen, sondern vielmehr die von pumpender Musik unterlegten Beobachtungen der exzentrischen Außenseiter, die Amirpour so gekonnt einfängt - und die die Regisseurin zu einer großen Favoritin auf einen der Hauptpreise werden lassen.

dpa

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