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Kultur Soulman der späten Stunde
Nachrichten Kultur Soulman der späten Stunde
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07:14 29.11.2018
In Soul und Blues geht der Veteran auf und macht den Jungen richtig Beine. Quelle: Promo
Potsdam

Stationiert bei der Luftwaffe in Germesheim, war Robert Finley bald Gitarrist und Bandchef. Spielte sich durch Soul und Blues. Bis zu seiner Entlassung. Daheim in Louisiana kam seine musikalische Karriere nicht so voran. Finley arbeitete als Anstreicher. Bis er erblindete. Auf der Straße wurde der Mann mit der beseelten und am Gospel geschulten Raspelstimme wiederentdeckt.

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Gitarren-Hero hin oder her – es stellt sich eine gewisse Ermattung ein, schaut man auf den Ausstoß von Joe Bonamassa. Eben noch führte der 41-Jährige live vor, wie der britische Blues explodierte, dann trank er – wohl nicht zum ersten und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal – Kaffee mit Beth Hart. Bitter und schwarz. Schließlich kommt er bei seinem nächsten Solo-Gang wieder mit eigenem Material rüber, während sein Kreativpartner Kevin Shirley sogar zwei weitere Gitarristen mit ins Studio schleppte. Auf dass der Maestro den Bluesrock in all seinen Farben auskosten und sich mit den anderen messen möge. Es geht mal härter zu, mal sparsamer, mal funkiger. Bonamassa ist Led Zeppelin, ein Mann aus dem Delta und Mark Knopfler. Ein Abfall im Niveau wäre unverzeihlich. Ja, dem Blues schuldet Bonamassa einiges, wenn nicht sogar alles. Redemption bedeutet unter anderem ja auch Rückzahlung. Erst dann wird die Buße erhört.

Joe Bonamassa: Redemption. Mascot Records/Rough Trade.

Wenn der Tag in Colorado zur Neige geht, dann begibt sich Gregory Alan Iskaov in sein Haus. Die Arbeit im Garten ist vergessen. Die Arbeit im Studio, die Bandmaschinen und Gitarren warten. Isakov, in Südafrika geboren und als Junge zunächst nach New York gekommen, macht Lieder aus der Stille des Abends. Mit einem ganzen Orchester hatte der Folkie zuvor seinen Songs prächtige Kleider angemessen. Nun herrscht wieder Bescheidenheit, aber Reichtum an Form und Ausdruck. Das vermögen nicht viele. Keine Rührstücke, aber berückende Sounds.

Gregory Alan Isakov: Evening Machines. Dualtone.

Als Dan Auerbach, Sänger der Black Keys und Produzent, auf Finley aufmerksam wurde, legte er ihm zehn Songs vor. Finley sollte sie nur in seiner unvergleichlichen Art vortragen. Für „Goin’ Platinum!“, erst das zweite Studio-Album, bekam der 65-Jährige ausgebuffte Studiocracks zur Seite gestellt. Songwriter-Legenden wie John Prine und Nick Lowe schrieben für ihn. Ein später Triumph.

Troubadour aus England: John Smith Songwriter. Quelle: Promo

Leicht heiser, leicht gequält seine Stimme. Indes so ein akkurates, strukturiertes und variables Saitenspiel von John Smith – er heißt wirklich so – , das bekommt man nicht alle Tage geboten. Schon wird der junge Mann mit Superlativen belegt. Wenn allerdings eine Legende wie John Renbourn findet, dass er die Zukunft der Folk Music gehört hat, dann ist nicht eine Minute verschwendet, die man dem Songwriter aus Essex lauscht.

Mehr Termine

Freunde, die ihr darbt, weil euch allzu oft höchste Handwerkskunst vorenthalten wird: Hier ein Vorschlag, den ihr nicht ablehnen könnt. Denn erneut macht das Bluegrass Jamboree! Station in Berlin. Nicht nur hochpräzise, geschwinde Banjo-Duelle, außergewöhnliche Vokalarbeit und dergleichen sind versprochen. Ausführlichst abgeritten wird zudem das doch recht weite Feld des Americana, das gleich an Folk und Old Time Country grenzt. Hört also auf The Brother Brothers, Bill & The Belles, Jeff Scroggins & Colorado.

Das Jamboree steigt am Dienstag, dem 4. Dezember, um 20 Uhr im Columbia-Theater. Karten unter 030/30 10 6 80 85.

Jüngst legte der britische Musiker, der Gitarre für Folk-Ikone Joan Baez spielte, seine Platte „Hummingbird“ vor. Subtil, sehnsuchtsvoll und hochgradig sensibel. Sehr puristisch. Mit feinen Tupfern von der Geige oder von Frauen im Chor. Wie gemacht für den Rückzug an den Kamin. Oder so.

Die Konzerte: Robert Finley tritt am Sonntag, dem 2. Dezember, um 20 Uhr im Frannz in Berlin-Prenzlauer Berg auf. John Smith spielt am Sonntag um 19 Uhr mit Freddie Dickson in der Kantine am Berghain in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam

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