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„Bonjour Frankreich“ in Potsdam

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci enden „Bonjour Frankreich“ in Potsdam

Mit der Barock-Oper „Pygmalion“ von Jean-Philippe Rameau wurden am Wochenende die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci beschlossen. Binnen 16 Tagen hatten 14 800 Zuschauer Opern, Konzerte und Führungen besucht. Mehr als 420 Künstler aus 14 Ländern erfreuten die Besucher in Schlösser und Gärten unter dem Motto „Bonjour Frankreich“.

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Für den Auftritt der Tanzcompagnie Les Cavantes in der Aufführung des „Pygmalion“ schuf Natalie van Parys die Choreographie.

Quelle: Stefan Gloede

Potsdam. Diesmal gibt’s am Ende keine Zweideutigkeiten, keine offenen Fragen oder Relativierungen wie sonst am Ende von 99 Prozent aller heutigen Bühnenaufführungen. Alles tanzt, hat sich lieb oder ist wenigstens fröhlich, wenn die anderen sich lieb haben – und gut ist’s. Dieser „Pygmalion“, 1748 von Jean-Philippe Rameau komponiert, ist ein Wohlfühl-Märchen für erwachsen gewordene brave Kinder. Der titelgebende, ebenso begnadete wie narzisstische Künstler, der sich in sein eigenes Produkt verliebt, muss nicht lange auf Erfüllung warten: Gleich mit ihrem ersten Lebensseufzer legt sich ihm die selbst geschaffene Statue zu Füßen, leichte Irritationen (unter anderem durch eine etwas handfestere weltliche Geliebte) lösen sich wölkchengleich schnell wieder auf, und am Ende – siehe oben.

Utopisches Gegenbild zum eher übelriechenden Alltag

Also ein gähnender Langweiler, dem man allenfalls ironisch beikommen kann? Gut, dass es die Inszenierung Natalie van Parys’, mit der das in Paris beheimatete Barock-Instrumentalensemble „Talents Lyriques“ sowie seine Partner am Wochenende den Schlussspurt der diesjährigen Musikfestspiele einleiteten, anders hielt. Natürlich wusste man unter Ludwigs XIV. und seinen Nachfolgern, deren auch musikalisch glänzender Hofhaltung sich das diesjährige Sanssouci-Festival konzentriert gewidmet hat, genauso gut wie heute, dass das Leben kein Ponyhof ist. Was man sich aber nicht so leicht nehmen ließ, war der Traum von einer Welt stimmiger Harmonie – schöner Schein und Kulisse gewiss, aber als utopisches Gegenbild zum eher übelriechenden Alltag trotzdem ernst genommen. Das humane Potenzial der absolutistischen Kunst besteht darin zu zeigen, wie es auch anders sein könnte – und uns damit zu verzaubern.

 Für den Auftritt der Tanzcompagnie Les Cavantes schuf Natalie van Parys die Choreographie

Für den Auftritt der Tanzcompagnie Les Cavantes schuf Natalie van Parys die Choreographie.

Quelle: Stefan Gloede

Da können Seestürme toben oder Höllenschlünde sich öffnen wie in jenen Stimmungsbildern, die die „Muse der Oper“ zu den Klängen Louis-Nicolas Clérambaults vor der Pause präsentiert – am Ende triumphiert doch die höhere, durch Gott und König verkörperte Ordnung. Der schön und geregelt bewegte Körper war deren idealer Ausdruck, und die Regisseurin hat den Pasticcio-Abend in diesem Sinne ganz vom Tanz her entwickelt – neben den Stücken Clérambaults und Rameaus auch noch mit einer puren Ballettszene Jean-Féry Rebels: allesamt zwar keine choreographischen Aufreger und auch kein Massenaufgebot, sondern lediglich die sechs Akteure der Compagnie „Les Cavatines“ im entzückend weich gleitenden und selbst bei gesteigerten Emotionen immer noch diskret gedämpften Bewegungsfluss – aber genau diese Intimität macht’s.

Berliner Vocalsolisten brauchen gute Körperbeherrschung

Bei ihren kurzen, musikalisch wohltönenden Chorauftritten ordneten sich dem die Berliner Vocalsolisten zu, und auch für die vier Solorollen Rameaus war gute Körperbeherrschung unabdingbar. Jodie Devos’ kräftiger und konturen­klarer Amor sowie vor allem Anders J. Dahlins Pygmalion – als Bühnentyp etwas dandyhaft-selbstbezogen gestaltet, stimmlich expressiv, klar und plastisch artikulierend – waren zudem auch vokal auf der Höhe, während Chantal Santon-Jeffery als Céphise sowie Clérambaults Muse etwas schwergängig artikulierte und die sprechende Statue Magali Arnault Stanczaks für die Augen mehr hergab als für die Ohren.

80 Veranstaltungen finden großen Zulauf

Mit dem Sanssouci Prom Concert „Paris mon amour“ sind am Sonntagabend die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci zu Ende gegangen.

In den vergangenen 16 Tagen wurden in Schlössern und Gärten unter dem Motto „Bonjour Frankreich!“ rund 14 800 Besucher in 80 Konzerten, Opern und Führungen gezählt.

Mehr als 420 Künstler aus 14 Ländern waren an 38 Spielorten der Musikfestspiele zu Gast.

Allein 35 Konzerte gehörten dazu, darunter das Fahrradkonzert mit 16 Aufführungen, Führungen und Vorträgen.

Zur Chansonnacht gehörten fünf Konzerte, zur Jazznacht zehn.

Vier von zehn Opernaufführungen gab es mit dem mobilen Musiktheaterkarren in der Potsdamer Innenstadt.

2017 stehen mit „Wasser, Feuer, Erde, Luft“ vom 9. bis 25. Juni 2017 die vier Elemente des Lebens im Mittelpunkt.

Entscheidend für die Wirkung der Aufführung im Hans-Otto-Theater waren jedoch ohnehin nicht allein die Tänzer und Sänger. Die bezaubernde Wirkung des Ganzen entstand erst durch ihre optische Einbettung in eine streng stilisierte und dennoch träumerisch poetische Rokoko-Bühne (Antoine Fontaine, Licht: Hervé Gary) sowie die kostbaren und farbenprächtig das ganze Regenbogen-Spektrum auslotenden Kostüme (Alain Blanchot). Vor allem aber waren es die „Talens Lyrique“ unter Christophe Rousset, die den Esprit und die Intensität des Abends bestimmten: so locker und beweglich pulsierend in der Stimmführung, so erlesen und pastellartig fein abgetönt in den Farbmischungen, dass man sich wie in ein Seidenbett hineinsinken lassen konnte.

Von Gerald Felber

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