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Kultur Brandenburg ist die ideale Filmkulisse
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00:17 24.05.2017
Regisseurin Isabell Suba gibt Jessica Schwarz Regieanweisungen für eine Szene „Hanni und Nanni“. Quelle: FOTO: Stephan Rabold
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Potsdam

Die Berlinerin Isabell Suba, Jahrgang 1981, hat in Babelsberg studiert und legt jetzt ihren ersten großen Film vor.

Frau Suba, haben Sie in Ihrer Jugend gerne die „Hanni und Nanni“-Bücher von Enid Blyton gelesen?

Isabell Suba: Nein, lustigerweise hat mein älterer Bruder die Bücher gelesen.  Er war schon immer fasziniert von Internatsgeschichten und hat mir davon erzählt. Subaa

Nun gibt es schon drei „Hanni und Nanni“- Verfilmungen. Was hat Sie an der Neuauflage gereizt?

Suba: Ich habe zuerst nicht darüber nachgedacht, dass es ja schon drei Teile gibt. Da habe ich der Ufa/Feine Filme und Universal vertraut. Ich habe einfach das Drehbuch gelesen und fand es sehr cool. Letztlich ging es aber um die Frage, wie wir die Neuauflage drei Ecken weiterdrehen können, inhaltlich und formal. Viele Ideen stammen aus der Welt des Internets, wie etwa die Musicaly Clips oder der typische Instagram-Look. Wir haben uns an Medien orientiert, die die Kinder heute nutzen.

Ihre beiden Hauptdarstellerinnen sehen sehr keck aus.

Suba: Ich wollte keine Klischees und wegkommen von diesen Zuschreibungen ,Mädchen sind brav, Jungs mutig‘. Ich habe eigensinnige, selbstbewusste Mädchen gesucht. Dann kamen Laila und Rosa Meinecke und sie waren perfekt.

Jungen spielen im Unterschied zu anderen Kinderfilmen wie etwa in „Bibi und Tina“ keine Rolle.

Suba: Jungs kommen nicht vor, aber das ist bei Internatsgeschichten doch üblich. Der Fokus lag hier auf den Zwillingen, die die Handlung vorantreiben. Und nur weil ich mich für Frauen-Themen interessiere, heißt das noch nicht, dass ich keine Geschichten mit Jungs verfilme.

Sie haben in Brandenburg gedreht, im Schloss Wansdorf im Havelland, im Schloss Ganz in Kyritz und beim Landesgestüt Neustadt.

Suba: Als wir die Drehorte gesucht haben, hat es sich gezeigt, dass man gar nicht so weit fahren muss, um große Bilder zu bekommen. Brandenburg ist eine ideale Kulisse, dort gibt es viele unterschiedliche Motive, sehr schöne Schlösser, sehr viel Natur, tolle Wälder. Die schönen Dinge sind manchmal näher, als man denkt.

2013 machten Sie mit Ihrem Film „Männer zeigen Filme, Frauen ihre Brüste“ Furore, in dem Sie das männerdominierte Filmbusiness anprangern. Ein Blick auf die Zahlen spricht für sich: Die Gelder von Förderanstalten gehen zu 90 Prozent an Männer, Aufträge im Fernsehbereich gehen zu 85 Prozent an Männer, nur 17 Prozent der europäischen Filme sind von Frauen. War Ihnen das schon während Ihres Regie-Studiums in Babelsberg klar, dass es da eine Schieflage gibt?

Suba: Nein, in der Schule war das kein Thema. Eine Hochschule hat in ihren Regularien ja schon einen Gleichstellungsauftrag. Und dann kommt der freie Markt und mit ihm die bittere Realität.

Gegen diese Unterrepräsentation talentierter Filmemacherinnen richtet sich das von Ihnen initiierte Förderprojekt „Into the Wild“. Was bedeutet dieser Name?

Suba: „Into the Wild“ ist ein Mentoringprogramm, das Filmstudentinnen und junge Regisseurinnen auf den Berufseinsteig vorbereitet. Der Name kam mir ganz spontan, weil ich es witzig finde, dass Frau nach fünf Jahren Top-Ausbildung nach dem Studium erst recht die Machete auspacken muss.

Und wie läuft es?

Suba:„Into The Wild“ läuft super, die Förderung ist durch, fast alle Filmhochschulen sind dabei, auch das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt uns. Wir sind 14 Teilnehmerinnen, die von 17 Mentorinnen ein Jahr begleitet werden. Im April waren wir schon für zwei Wochen auf dem Land, in einem Drehbuchcamp in Brandenburg zusammen und haben u.a. an unseren Drehbüchern gearbeitet.

Was passiert noch innerhalb des Jahres?

Suba: Es gibt dreimal drei Workshops an verschiedenen Hochschulen, zu denen Profis eingeladen werden, die den Teilnehmerinnen Techniken an die Hand geben, die man eben braucht im Regie Beruf. Ökonomie, Ausdauer, Kommunikation, Pitching, Fokus, Familien & Beruf. Die Mentorinnen sollen Türen öffnen, Lösungen für Probleme mit finden, sie nehmen die Filmemacherinnen auf Empfänge mit, helfen ihnen beim Netzwerken. Wir haben sehr erfolgreiche Verleiherinnen, Produzentinnen, Redakteurinnen dabei, jetzt müssen die Girls „nur noch“ Filme machen.

Was raten Sie jungen Frauen, die in der Filmbranche arbeiten wollen?

Suba: Machen und kein Risiko dabei scheuen und lernen, hoch zu pokern. Am wichtigsten auch: Banden bilden!

Frau Suba, sind Sie in einem gleichberechtigten Haushalt groß geworden?

Suba: Ich bin in einem starken Matriarchat aufgewachsen, die Frauen waren sehr geschäftstüchtig und mein Vater ist eher zu Hause geblieben. Meine Mutter hat das Geld verdient.

„Hanni und Nanni“ kommt jetzt in die Kinos. Haben Sie ein neues Projekt? Im vergangenen Jahr waren Sie beteiligt an der Nachwuchsfilmer-Initiative „Startbüro Babelsberg“.

Suba: Das war super, ein einjähriges Projektstipendium für Babelsberger Absolventen, eine Art Talentförderung. Wir waren ein Team und haben mehrere Stoffe entwickelt. Schließlich muss man immer längerfristig denken. Zurzeit schreibe ich aber an meinem eigene Drehbuch, da ist Abgabe im Sommer und das will ich schaffen.  

Von Claudia Palma

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