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Brandenburgs ältestes Kino wird zwangsversteigert

Weltspiegel in Cottbus Brandenburgs ältestes Kino wird zwangsversteigert

Es ist nicht nur Brandenburgs älteste Kino, sondern auch eines der schönsten. Nun steht der Weltspiegel in Cottbus vor einer unsicheren Zukunft. Am Dienstag wird es zwangsversteigert. Vor wenigen Jahren erst ist es aufwendig saniert worden. Und es erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.

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Blick in den großen Saal des Filmtheaters Weltspiegel.

Quelle: dpa-Zentralbild

Cottbus. Der Holzboden knarrt und in den roten samtbezogenen Kinositzen fühlen sich Besucher um Jahrzehnte zurückversetzt: Der „Weltspiegel“ in Cottbus gilt als ältester noch bestehender Kino-Zweckbau in Brandenburg - auch deutschlandweit soll er zu den ältesten Lichtspielhäusern gehören. Das mehr als 100 Jahre alte Filmtheater wird von vielen Cottbusern geschätzt - doch die Zukunft ist ungewiss. Am Dienstag (28. Februar, 09 Uhr) steht die Zwangsversteigerung an, wie das Amtsgericht Cottbus ankündigte.

2014 musste Insolvenz angemeldet werden

Ralf Zarnoch geht im prächtigsten von mehreren Sälen durch die Sitzreihen. Schon als Kind habe er dieses Kino geliebt, sagt er. Das Filmtheater wurde nach Angaben des Kulturministeriums im Jahre 1999 in die Denkmalliste des Landes eingetragen. 2005 kaufte Zarnoch das Haus, das nach der Wende in den 1990er Jahren geschlossen hatte. Das Jugendstil-Gebäude wurde nach dem Kauf aufwendig saniert, ein neuer Gebäudeteil mit Kinosälen kam hinzu, so dass der Weltspiegel seit 2011 Historisches mit Modernem verbindet.

Ralf Zarnoch, Inhaber des Filmtheaters Weltspiegel

Ralf Zarnoch, Inhaber des Filmtheaters Weltspiegel.

Quelle: dpa-Zentralbild

Zarnoch berichtet, dass sich während der Sanierung allerdings abzeichnete, dass sich die Baukosten erhöhen würden - und die Kredite nicht ausreichten. Das sei auch der Grund gewesen, warum der „Weltspiegel“ im Herbst 2014 Insolvenz anmeldete, sagt der Kino-Inhaber.

Bis zu 100.000 Besucher kommen im Jahr

Der Betrieb lief seither weiter. Das Haus werde von vielen Cottbusern angenommen, sagt Zarnoch. Zu Spitzenzeiten seien jährlich bis zu 100.000 Besucher gekommen. Im vergangenen Jahr seien es weniger gewesen. Vor allem bei älteren Cottbusern sei das Kino beliebt. „Der große Saal hat sich nicht wesentlich verändert, viele kommen mit ihren Enkelkindern hierher“, betont Zarnoch. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), die selbst in Cottbus lebt, sagt über den „Weltspiegel“: „Als architektonisch eindrucksvolles und liebenswertes Filmhaus und als besonderer Ort für Festveranstaltungen ist er für die Stadt sehr bedeutsam.“

Der „Weltspiegel“ ist das erste im Land Brandenburg und Berlin zu Beginn des 20

Der „Weltspiegel“ ist das erste im Land Brandenburg und Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts speziell erbaute und bis heute so in großer Originalität erhaltene „Kinomatographentheater“.

Quelle: dpa-Zentralbild

Als das Kinematographentheater „Weltspiegel“ am 4. Oktober 1911 mit rund 800 Sitzplätzen eröffnete, gab es in der Stadt schon länger Interesse für die Welt des Films. Nach Angaben des Stadtmuseums hatten einige Jahre zuvor schon zwei andere Kino-Zweckbauten eröffnet, die es heute nicht mehr gibt. Ende des 19. Jahrhunderts hatte es mit Panorama-Schaukästen bereits Vorläufer gegeben. Sie waren zum Beispiel in einem Haus eines Cottbuser Eisenhändlers, in einem Hotel und in einem Bierhaus untergebracht, wie das Museum mitteilt. Auch auf Jahrmärkten gab es demnach Wander-Kinos.

Kinoverband verzeichnet einen Trend hin zu kleineren Häusern

Die deutsche Kinowirtschaft ist heute überwiegend mittelständisch geprägt, wie der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) mitteilt. Es gibt demnach bundesweit rund 1650 Kinos, von denen rund die Hälfte über jeweils nur eine Leinwand verfügt. Der Verband bemerkt einen Trend unter Kinobesuchern hin zu kleineren, individuellen Kinos. Große Kinoketten hätten Marktanteile verloren. Durch die Zwangsversteigerung wird möglicherweise bald klar sein, ob es im Cottbuser „Weltspiegel“ weiter Popcorn-Knabbern in historischem Ambiente geben wird.

Von Anna Ringle

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